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Seit 1894 unter Dampf: 125 Jahre industrielle Kalksandsteinfertigung

(19.11.2019) Die Geschichte der Kalksandsteinindustrie wie wir sie heute kennen begann 1894 in Schleswig-Holstein mit der Aufstellung der ersten maschinellen Presse. 125 Jahre später ist Kalksandstein aus dem Wohnungsbau kaum wegzudenken; im mehrgeschossigen Wohnungsbau gilt er als Marktführer. Der Bundesverband Kalksandsteinindustrie (BV KSI) feierte am 20. September 2019 das Jubiläum der industriellen Kalksandsteinproduktion mit einem großen Festakt. Über 200 Gäste sind der Einladung in den Historischen Rathaussaal nach Nürnberg gefolgt und waren Teil einer Reise durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kalksandsteinindustrie.

Fotos © Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V. | Henning Stauch, 2019  

Kurzweiliger Abend mit vielen Höhepunkten


Jochen Bayer
  

Nach den Grußworten von Jochen Bayer (BV KSI-Vorstands­vor­sitzender, Bild rechts), Christian Vogel (2. Bürgermeister der Stadt Nürnberg) und Albert Füracker (Bayerischer Staatsminister der Finanzen und für Heimat) startete das Programm des festlichen Abends mit starken und emotionalen Bewegtbildern.

„Zukunft braucht Herkunft!“ Wer weiß dies besser zu berichten als Kalksandsteiner, die viele Jahrzehnte in dieser Industrie verbracht und sie durch ihre Tätigkeit nachhaltig geprägt haben. Im Film „Zeitzeugen“ berichten die teils weit über 90 Jahre alten Männer in bewegenden Worten, durch welche Höhen, aber auch durch welche Tiefen sie im Laufe ihres Arbeitslebens gehen mussten. Wie Kriege, Wirtschaftswunder und Wiedervereinigung starken Einfluss sowohl auf ihr privates wie auch ihr berufliches Leben hatten und welche Wünsche und Hoffnungen sie auch mit einem solchen Industriejubiläum verbinden. Einer der Protagonisten, Wolfgang Burtscher, seit 56 Jahren Geschäftsführer des Kalksandsteinwerks Wemding in Bayern, stand anschließend auf der Bühne noch einmal Rede und Antwort.

Film: Kalksandstein - ZEITZEUGEN (knapp 13 Minuten)

Studentischer Architekturwettbewerb entschieden

Ein besonderes Highlight des Abends war die Bekanntgabe der Gewinner des ersten Architektur-Nachwuchswettbewerbs der Kalksandsteinindustrie „Collaborative Living 2018.19“. Bianca Jacobsen und Lara Weiler von der Universität Stuttgart setzten sich mit ihrem Entwurf „Fast Forward“ gegen eine starke Konkurrenz durch und konnten sich unter anderem über eine Urkunde und eine finanzielle Würdigung freuen.

Zeitzeuge Wolfgang Burtscher (r.) im Gespräch mit Moderator Thomas Gerres 

125 Jahre KS-Industrie: Den Beginn machte eine importierte Presse

Den Grundstein für 125 Jahre industrielle Kalksandsteinproduktion legte Friedrich August Anton Bernhardi. „Er hat das Verfahren zur Herstellung von Kalksandstein erfunden“, so Rudolf Dombrink, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BV KSI, am Rande der Jubiläumsveranstaltung. Bernhardi war eigentlich Arzt, aber auch Erfinder. Er verfasste bereits 1856 die Anleitung zur Herstellung von Kalksandstein. Das Patent dazu wurde dann 1880 in Berlin an den Baustoffchemiker Dr. Wilhelm Michaelis erteilt. Nachdem zu Beginn die Steine noch einzeln mit einer Handpresse hergestellt wurden, war 1894 das Geburtsjahr der industriellen Produktion.

Die erste automatische Presse mit einer Produktionskapazität von 3.000 Steinen pro Stunde wurde aus England importiert und durch die Firma Amandus Kahl im Werk des Maurermeisters Mechlenburg in Neumünster, Schleswig-Holstein aufgebaut. Dombrink fügte hinzu: „Das war der Beginn unserer Erfolgsgeschichte. Die Presse erledigte drei Arbeitsgänge selbsttätig: Füllen, Pressen und Ausstoßen. Plötzlich konnte in kurzer Zeit das Vielfache an Kalksandsteinen hergestellt werden. Von diesem Zeitpunkt an begann ein beispielloser Siegeszug des neuen Baustoffs.“

1972 war das erfolgreichste Kalksandsteinjahr

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden nahezu wöchentlich neue Kalksandsteinwerke gebaut, so dass es 1910 bereits 310 Produktionsstätten in Deutschland gab. Einschneidend für die gesamte Industrie war der Zweite Weltkrieg. Die Werke standen still und wurden nur teilweise wieder in Betrieb genommen.

Am Wiederaufbau Deutschlands war dann auch die Kalksandsteinindustrie stark beteiligt. Die bisher höchsten Produktions- und Absatzahlen in der KS-Geschichte wurden schließlich 1972 erreicht: 7 Mrd. Volumen-NF (Normalformat Kalksandstein) wurden abgesetzt. In dieser Zeit entwickelt sich Kalksandstein auch zum Marktführer unter den Wandbaustoffen im mehrgeschossigen Wohnungsbau. So entstanden im Jahr 1972 allein aus Kalksandstein umgerechnet 280.000 Wohneinheiten. Eine bemerkenswerte Zahl, im Vergleich zu den 286.000 fertiggestellten Wohnungen, die in 2018 insgesamt fertiggestellt worden sind.

In den 1980er Jahren gingen die Absatzzahlen dann zurück. Mit der Wiedervereinigung kam es in den 1990er Jahren, wie in der gesamten Mauersteinindustrie, zu einem erneuten Aufschwung. Aktuell sind in Deutschland 78 Kalksandsteinwerke über den Bundesverband organisiert, die im Jahr 2018 mit rund 2.000 Mitarbeitern insgesamt knapp 2 Mrd. Volumen-NF Kalksandsteine produziert haben.

„Die Zukunft kann kommen!“

„Doch auf diesen Zahlen ruhen wir uns nicht aus!“, sagte Roland Meißner, Geschäftsführer des BV KSI. „Wir sind auf die Anforderungen von morgen vorbereitet. Das gemeinsame, zukunftsgerichtete Engagement unserer Unternehmer, Mitglieder, Mitarbeiter und aller in den Verbandsgremien ehrenamtlich Tätigen schafft eine ideale Ausgangsbasis, um Innovationen rund um unser tolles Produkt und modernes Bauen mit vereinter Kraft weiter voranzubringen.“ Dabei gelte es heute und zukünftig, aus den Herausforderungen des digitalen Zeitalters reale Zukunftschancen zu machen. Die Umsetzung und Weiterentwicklung moderner Technologien sichere langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Verbandsmitglieder und verbessere auch die Marktchancen für die Partner.

Mehr denn je müsse dabei der Klimaschutz bei allen Entwicklungen einbezogen werden. „Schon deshalb, weil wir überzeugt davon sind, dass es für die beste Sache ist: Unser Blauer Planet, der einzige seiner Art in dem uns bekannten Universum, hat es verdient, dass wir sorgsamer mit ihm umgehen. An dessen Zukunft müssen wir denken, wenn wir auch unseren Platz erhalten wollen“, führte Meißner weiter aus.

Bayer ergänzte abschließend: „Einen kleinen Beitrag dazu leisten wir mit unserem weißen Baustoff, der aus dem gemacht ist, was wir lieben: aus Kalk, Sand und Wasser – aus Natur eben. Sonst nichts!“

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