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Kalksandsteinabsatz 2018 stabil aber leicht unter den Erwartungen

(16.6.2019) „Die deutsche Kalksandsteinindustrie hat das Jahr 2018 mit einem kleinen Absatzanstieg von rund 0,4 Prozent bei regionalen Unterschieden abgeschlossen. Damit hatten wir ein stabiles vergangenes Jahr, auch wenn wir uns etwas mehr erhofft hatten“, eröffnete Jochen Bayer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Kalksandsteinindustrie (BV KSI), die Mitgliederversammlung Ende Mai in Amsterdam.

Foto © BV KSI 

Dass die 2018er Wachstumsziele nicht erreicht werden konnten, verwundere, da die Prognosen für die deutsche Bauwirtschaft grundsätzlich positiv waren - und sind. Die eigentlichen Probleme werden deshalb woanders ausgemacht:

  • Zum einen würden die knappen Kapazitäten und langen Wartezeiten bei den ausführenden Gewerken die Bautätigkeit behindern.
  • Zum anderen schlage sich der Fachkräftemangel voll auf den Bausektor nieder.

„Die Fertigstellungszahlen von 2018 zeigen uns, dass tatsächlich auch nicht viel mehr für unsere Industrie drin gewesen ist, denn auch die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen ist lediglich um 0,4 Prozent auf insgesamt rund 285.900 Wohneinheiten gestiegen. Viel zu wenig, um den großen Bedarf von dringend benötigtem Wohnraum zu decken“, beklagte Herr Bayer.

Der stellvertretende BV KSI-Vorsitzende Rudolf Dombrink ergänzte: „Für das Jahr 2019 sind wir dennoch optimistisch und prognostizieren ein Absatzplus von etwa 2 Prozent, erneut bei teils erheblichen regionalen Unterschieden.“ Diese positive Perspektive führt die KS-Industrie auf die weiterhin guten Rahmenbedingungen zurück. Dazu gehören ...

  • das weiterhin niedrige Zinsniveau,
  • eine gute Einkommens- und Arbeitsplatzentwicklung,
  • der Mangel an attraktiven Anlagemöglichkeiten,
  • den nach wie vor sehr großen Bauüberhang sowie
  • die zumindest im mehrgeschossigen Wohnungsbau noch positiven Genehmigungszahlen.

Damit diese Prognose wahr werden könne, sei die Politik gefragt, weitere und deutlichere Impulse zu setzen. Nur so könne das gesteckte Ziel von 1,5 Mio. neuen Wohnungen bis zum Ende der Legislaturperiode erreicht werden. Mit einem Baukindergeld, einer zeitlich befristeten Sonderabschreibung oder der Verschärfung der Mietpreisbremse allein werde weder schneller für junge Familien gebaut noch städtisches Wohnen für Normalverdiener günstiger.

Jochen Bayer, Vorstandsvorsitzender beim Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V. und sein Stellvertreter, Rudolf Dombrink, begrüßten die Teilnehmer der Jahrestagung in Amsterdam. (Foto © Henning Stauch / BV KSI) 

Serielles Bauen, wie es manche Politiker fordern, könne mehr Wohnraum schaffen. Kalksandstein sei für diese Bauweise bestens geeignet: Großformatige Kalksandsteinelemente seien die optimale Basis für vielfältige und modulare Projekte in Mas­siv­bau­weise - siehe z.B. Beitrag „KS* Wohnraummodell: flexibles Entwurfskonzept eines zukunftsorientierten Wohnungsneubaus“ vom 28.1.2017.

Weitere Impulse, wie die Vereinfachung der Bauvorschriften, die Erhöhung der linearen Abschreibung von 2 auf mindestens 3 Prozent oder die verbilligte Abgabe von Bundesimmobilien müssten schnellstmöglich folgen. Sonst bleibe es weiterhin volatil, unberechenbar und kaum zu planen, was in den kommenden Jahren auf die Bau- und Baustoffindustrie zukommt. Umso wichtiger sei es, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und sich gemeinsamen Zielen verpflichtet sehen.

Vor diesem Hintergrund sei die Ankündigung einer „Holzbau-Offensive“ der baden-württembergischen Landesregierung Ende 2018 höchst irritierend. Bis 2023 sollen rund 17 Mio. Euro investiert werden, um den Holzbau in Baden-Württemberg voranzubringen. Eine solche Wettbewerbsverzerrung könne von der Mauerwerksindustrie nicht hingenommen werden. Die Politik sei angehalten, den fairen Wettbewerb zu fördern. Keine Bauweise sollte einer anderen vorgezogen werden - das gelte für die Bevorzugung von Holz- oder Holzhybridkonstruktionen genauso wie für eine auffällige Forcierung der Betonbauweise - siehe dazu auch den Beitrag „Zoff zwischen Mauerstein- und Holzlobby in Baden-Württemberg“ vom 12.5.2019.

125-Jähriges Jubiläum


  

„Doch das Jahr 2019 ist nicht nur baupolitisch sehr spannend. Es markiert auch einen Meilenstein in der Geschichte der deutschen Kalksandsteinindustrie. Denn 1894 begann die industrielle Kalksandsteinfertigung mit Einführung der ersten automatischen Steinpresse in einem Maurerbetrieb in Neumünster“, erläuterte BV KSI-Geschäftsführer Roland Meißner zum Ende der Mitgliederversammlung. „Unser 125-Jähriges ist also ein Grund zu feiern und das Jubiläumsjahr mit einer Vielzahl von Aktionen zu begleiten.“

Herr Meißners Abschlussapell: „Wenn die Politik die richtigen Entscheidungen trifft und nicht nur in Fünf-Jahres-Rhythmen denkt, sondern langfristig agiert, werden auch die Herausforderungen kleiner als bisher. Hierzu gehört überdies die Definition eines neuen Nachhaltigkeitsansatzes, für den die Kalksandsteinindustrie bereits seit 125 Jahren steht: Global denken, lokal agieren und Wohnraum schaffen, in dem die Menschen sich wohlfühlen – denn nur das ist die wirkliche Nachhaltigkeit für die Zukunft!“

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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