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Trends in der Solarwirtschaft

(1.6.2009) Auch die deutsche Solarbranche muss sich mit der aktuellen Finanzkrise auseinander setzen. Viele Unternehmen berichten von verschlechterten Finanzierungskonditionen bei Großprojekten und der Firmenexpansion. Demgegenüber ist die Kreditvergabe bei kleineren und mittleren Projekten weitgehend stabil geblieben oder hat sich in einigen Fällen sogar verbessert. Davon profitiert besonders der Privatkunde, also der Käufer einer Solaranlage für sein Hausdach. Stabilisierend wirken auch die staatlichen Förderprogramme im Rahmen von dem ...

So konnte die Branche kürzlich im Bereich Solarwärme (Solarthermie) mit erfreulichen Zahlen aufwarten: Die Hersteller von Solarwärme-Kollektoren verzeichneten im ersten Quartal laut einer Statistik des BSW-Solar und des BDH ein Absatzplus von rund 10 Prozent. Auch bei der Geschäftserwartung ist ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Laut Geschäftsklimaindex des BSW-Solar rechnet die Hälfte der Solarthermieunternehmen in den nächsten sechs Monaten mit einer günstigen Geschäftsentwicklung.


Grafik aus dem Beitrag "Pflicht ab 2009: Wärme aus Erneuerbaren Energien" vom 8.6.2008

In der Solarstrombranche (Photovoltaik) wird dieser Optimismus sogar von Dreiviertel aller befragten Marktteilnehmer geteilt. Auch bei den Investitionen in neue Solarfabriken gab es in diesem Monat positive Signale aus dem Solarvalley Deutschland. Beispielsweise kündigte CTS Tandem Solar gerade den Bau einer 100 Megawatt-Solarmodulfabrik in Chemnitz an, Solarworld feierte Richtfest für seine neue Wafer-Fertigung in Freiberg - genau so wie der zur Bosch-Gruppe gehörende Zellproduzent ersol für seine neue Produktionsstätte in Arnstadt.

Weltweite Aufbruchstimmung in der Solarindustrie

Die ehrgeizigen, klimapolitischen Ziele von US-Präsident Barack Obama treffen den Nerv der Zeit. Die erneuerbaren Energien erfahren weltweit Unterstützung - trotz oder gerade wegen der internationalen Wirtschaftskrise. Auch die Solarenergie tritt ihren globalen Siegeszug an. In vielen Ländern auf der ganzen Welt gibt es große Solarprojekte, die Energiekapazitäten schaffen und den Klimaschutz unterstützen:

  • Letztes Jahr ließ sich der Vatikan auf dem Dach der Audienzhalle eine Solarstromanlage mit einer Gesamtleistung von 222 Kilowatt installieren.
  • Ebenfalls 2008 erhielt der Pekinger Südbahnhof eine Solaranlage mit einer Gesamtleistung von 390 Kilowatt.
  • In der Nähe von Las Vegas wird 2010 ein 48 Megawatt-Solarkraftwerk gebaut, das größte Nordamerikas.

Wichtiger noch als diese Leuchtturmprojekte: Die Breitenförderung von Solaranlagen nach deutschem Vorbild macht weltweit zunehmend Schule. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde bereits von 45 Staaten und Bundesländern übernommen. So gibt es neue Fördergesetze in China und Japan. Jüngstes Beispiel ist die kanadische Provinz Ontario. Hier trat vor wenigen Tagen der Green Energy Act (GEA), in Kraft.

Photovoltaik-Trends - Solarenergie zur Stromproduktion

Die Grid Parity rückt näher - sieben Prozent Solarstrom in 2020 sind machbar - Solarstrom wird immer preiswerter. Jedes Jahr sinken die Endverbraucherpreise für Photovoltaiksysteme und folgen damit den gesetzlichen Vorgaben des EEG: Jedes Jahr wird die Einspeisevergütung für neue Solarstromanlagen um acht bis zehn Prozent verringert (Degression). Unter allen erneuerbaren Energien ist Solarstrom im Übrigen die einzige Energieform, die gesetzlich einem derart rigiden Kostensenkungsprogramm unterzogen ist.

Die jährlichen Kostensenkungen bei Solarstromanlagen und steigende konventionelle Strompreise sorgen dafür, dass in Deutschland Mitte des kommenden Jahrzehnts die Netzparität (Grid Parity) erreicht wird. Das ist der Zeitpunkt, an dem der Solarstrom vom Dach das Gleiche kosten wird, wie konventioneller Strom aus der Steckdose. In sonnenreicheren Ländern dieser Erde wird dieser Punkt bereits einige Jahre früher erzielt - siehe auch Beitrag "Solarstrom auf der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit" vom 3.5.2009.

Nach Erreichen der Netzparität wird der Markt einen zusätzlichen Wachstumsschub erfahren. Bereits 2009 wird der Solarstrom den Ein-Prozent-Anteil am deutschen Strommix erreichen, im Jahr 2020 kann er dann schon bei sieben Prozent liegen.

Ungebrochene Investitionsbereitschaft bei Eigenheimbesitzern

Auch während der Wirtschaftskrise bleibt die Investitionsbereitschaft von Hausbesitzern in Solarenergie weitgehend konstant. Mehr als die Hälfte aller in der SOLAR-Trendstudie 2009 vom Bielefelder SOKO-Institut befragten Teilnehmer haben sich schon Gedanken zur Nutzung von Solarenergie gemacht. In der konkreten Planungsphase für Solarwärme sind 5,3 Prozent der Hauseigentümer, bei Photovoltaik sind es 2,4 Prozent. 2007 lag dieser Wert nur geringfügig höher: Bei 6,4 bzw. 3,0 Prozent.

Landwirte investieren wieder

Eine aktuelle Studie von BSW-Solar, EuPD-Research und der Solarpraxis AG belegt, dass die Landwirtschaft mit derzeit rund 20 Prozent Marktanteil weiterhin ein viel versprechender Markt für die Photovoltaik ist. Das liegt zum einen am gewaltigen Gesamtpotenzial von 22,27 Gigawatt peak allein auf landwirtschaftlichen Gebäuden wie Scheunendächern, Ställen etc. Zum anderen an der positiven Einstellung der Landwirte zur Solarenergie. 67 Prozent stehen einer Investition offen gegenüber, 14 Prozent planen diese bereits.

Verschiedene Fördermöglichkeiten und spezielle Kreditprogramme für Landwirte verhindern dabei eine "Kreditklemme". Durch die finanzielle Unterstützung und den Preisrückgang lohnt sich die Installation von Photovoltaik-Anlagen. Preissensible Landwirte rechnen mit einer Rendite von fünf bis acht Prozent. Dementsprechend hoch wird der Zubau dieses Jahr im ländlichen Bereich liegen: bei 285 Megawatt.

Solaranlagen so rentabel wie nie

Die Wirtschaftskrise, die Absenkung der EEG-Vergütung, der lange Winter in Deutschland und der Einbruch des spanischen Marktes durch eine Deckelung der Zubaurate - dies sind die Ursachen für die überdurchschnittlichen Preissenkungen bei Solarstromanlagen seit Jahresbeginn. Derzeit liegt der durchschnittliche Preis für Solarstrom-Anlagen bei 3.620 Euro pro Kilowattpeak für Anlagen unter 100 Kilowattpeak und ist damit so niedrig wie noch nie. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle "Photovoltaik-Preismonitor" des BSW-Solar - siehe auch Beitrag "Photovoltaik: Rückgang der Modulpreise setzt sich fort" vom 4.4.2009.

Der Verband rät Verbrauchern, sich angesichts der gesunkenen Preise und derzeit attraktiven staatlichen Förderungen jetzt für eine Solaranlage auf dem eigenen Dach zu entscheiden. In nahezu allen Teilen Deutschlands sind bei fachgerechter Installation und Beratung derzeit Photovoltaik-Renditen von sechs Prozent p.a. erreichbar. Wer kein eigenes Dach besitzt, muss dabei nicht zurück stehen. Beteiligungen an sog. Bürgersolaranlagen sind ab einer Einlage von 500 Euro möglich. Qualitätssicherung bei der Installation Immer mehr Handwerksbetriebe entscheiden sich dafür, vom wachsenden Solarmarkt zu profitieren und Solarenergie in ihr Angebotsspektrum aufzunehmen.

Das beste Argument, warum ein Kunde sich unter all der Konkurrenz für einen bestimmten Betrieb entscheidet, ist dessen qualitativ hochwertige Arbeit. Um diese belegen zu können, haben der BSW-Solar und der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) den Photovoltaik-Anlagenpass entwickelt. Der Anlagenpass ist ein Instrument, das sowohl dem Kunden, als auch dem Handwerker mehr Qualitätssicherheit verschafft. Der installierende Betrieb dokumentiert mit Hilfe des Anlagenpasses seine Arbeit und macht sie für den Kunden transparent. Der Handwerker bestätigt, dass er nach den Regeln der Technik gearbeitet hat und damit ein qualitativ hochwertiges Produkt übergibt.

Solarthermie-Trends - Solarenergie zur Wärmeerzeugung

Laut Marktanalysen von BSW-Solar und BDH erwirtschafteten die deutschen Hersteller von Solarkollektoren trotz Krise im ersten Quartal ein Absatzplus von 10,5 Prozent. Dieser Trend setzt die positiven Entwicklungen aus 2008 fort. Hier hatte sich die Anzahl der installierten Solarwärmeanlagen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Insgesamt wurden rund 200.000 Anlagen installiert, so dass es zum Jahresende insgesamt etwa 1,25 Millionen Solarwärmeanlagen mit einer Fläche von rund 11,3 Quadratkilometern gab - siehe u.a. die Beiträge "Solarwärme trotzt konjunktureller Kälte" vom 11.5.2009 und "2008: Rekordjahr für Solarthermie" vom 8.2.2009.

Der BSW-Solar sieht diesen Trend als Folge der "Abwrackprämie" für Heizungen. Was es seit Jahresbeginn für Autobesitzer gibt, ist für Eigenheimbesitzer schon länger möglich. Nämlich alt gegen neu zu tauschen und dafür Geld vom Staat zu bekommen. Wer in Bestandsbauten seine alte Heizungsanlage modernisiert und sich eine solar unterstützte Brennwert- oder Pelletsheizung einbaut, erhält im Rahmen des Marktanreizprogramms für erneuerbare Energien vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eine Art Abwrackprämie.

Die Höhe der Fördersumme richtet sich nach der Größe der Solaranlage, beträgt aber maximal 3800 Euro - siehe dazu auch Beiträge "Heizungsmodernisierung wird stärker gefördert" vom 23.2.2009 sowie "Kesseltauschbonus im Marktanreizprogramm verlängert und erweitert" vom 18.6.2008. (Das Extrembeispiel für einen alten Heizkessel rechts stammt aus dem Beitrag "ZIV: Altbestand bei Zentralheizungen immer noch zu hoch" vom 23.6.2007.)

Verstärkter Zuwachs bei Solarheizungen

Immer mehr Eigenheime nutzen Solarwärme nicht mehr nur für die Warmwasserbereitung, sondern auch für die Gebäudebeheizung. Vom Gesetzgeber wird diese Entwicklung gezielt gefördert, um den Anteil erneuerbarer Energien auch im Wärmesektor schneller zu steigern. Mit der Verabschiedung des Erneuerbaren Energien Wärmegesetzes (EEWärmeG) hat sich die Bundesregierung zum Ziel setzt, dass bis 2020 14% der Wärme in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammen.

Heizungsunterstützende Solaranlagen werden mit 105 Euro pro Quadratmeter Solarkollektorfläche, anstatt mit 60 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche bei Trinkwasseranlagen, gefördert. Solarunterstützte Heizungssysteme erfreuen sich dementsprechend wachsender Beliebtheit. Bislang wurden beide Sonnenwärmeanlagen ungefähr im gleichen Verhältnis installiert, mittlerweile liegt die Verteilung von Heizungs- zu Trinkwasseranlagen bei 60 zu 40 Prozent.

Erschließung neuer Marktsegmente

Bislang boomt die Solarthermie vor allem im Bereich der Einfamilienhäuser. Der große Markt der Mehrfamilienhäuser liegt eher brach. Es gibt in diesem Bereich 20 Millionen Wohneinheiten und lediglich rund 5000 Solarwärmeanlagen. Bereits seit 2007 versucht der Staat die Erschließung dieses riesigen Marktsegments voran zu treiben, indem Solarwärme-Anlagen bis 40 Quadratmeter Kollektorfläche auf Mehrfamilienhäusern mit attraktiven 210 Euro pro Quadratmeter Solarkollektorfläche gefördert werden. Im Fokus des Interesses stehen besonders Gebäude mit drei bis zwölf Wohneinheiten. Langsam tragen die Bemühungen erste Früchte. 2008 wurden 1280 Anträge für Anlagen auf Mehrfamilienhäusern beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingereicht. Das solare Sanieren von Altbauten ist sowohl für Investoren, als auch für Mieter interessant, da die Installation von solarunterstützten Heizungsanlagen in vielen Fällen bereits warmmietenneutral erfolgen kann und die Abhängigkeit von steigenden Öl- und Gaspreisen verringert - siehe auch Beitrag "BINE-Themeninfo über Solarwärme im großen Stil" vom 9.12.2008.

Technische Entwicklungen im Bereich der Speichermöglichkeiten

Ein Thema der Solarenergie ist die Speicherung der Sonnenwärme aus dem Sommer für den Winter. Bisher werden meist riesige Wassertanks von 25.000 Litern Speicherkapazität in Neubauten eingezogen, die die Sonnenenergie über längere Zeit halten können - oder siehe auch Beitrag "205.000 Liter-Solarspeicher soll ein Achtfamilienhaus ganzjährig warm halten" vom 21.11.2005. Es geht aber auch kleinvolumiger. Mit so genanntem PCM Phase Change Materials. Hierbei macht man sich zu Nutze, dass bestimmte Materialien, z.B. Paraffine, beim Phasenwechsel von fest zu flüssig sehr viel mehr Energie benötigen bzw. speichern, als bei reiner Temperaturerhöhung innerhalb eines Aggregatzustandes. Je nach Material kann man so drei bis fünf Mal mehr Sonnenenergie speichern, als bei bloßer Erwärmung von Heizwasser. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man entsprechend weniger Paraffine als Wasser zur Verfügung stellen muss, um die gleiche Menge an Solarenergie zu speichern. Das Volumen der Speichertanks wird entsprechend geringer (Es gibt noch keinen Beitrag zu genau diesem Thema; aber siehe beispielsweise PowerTank GmbH.)

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