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Projektbericht: Wohnhaus in homogener Ziegelbauweise

(25.7.2006) Energiesparender Wärmeschutz ist auch ohne Dämmstoffe möglich - das zeigt das Beispiel eines neu errichteten Wohnhauses im hessischen Schwalm-Eder-Kreis. Architekt und Bauherr legten beim Rohbau Wert darauf, dass die Außenwände aus "Unipor W 10"-Ziegeln bestehen, die eine Wärmeleitfähigkeit von lediglich 0,10 W/mK aufweisen. Eine kostspielige Zusatzdämmung konnte damit vermieden werden. Um die vielen Qualitäten des Ziegels voll auszuschöpfen, wurden auch Geschoßdecken und der Dachstuhl als Massivdach aus Ziegeln gefertigt.

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Dem Wunsch des Bauherren nach gebauter Individualität und harmonischer Einbindung in das ländlich geprägte Umfeld wird das Ziegelwohnhaus allemal gerecht: Das Gebäude wirkt fast wie ein Teil der Landschaft. So spiegelt beispielsweise die asymmetrische Form des Satteldaches die unterschiedliche Steigung bzw. Neigung der Hügel der umgebenden Topographie wider.

Alte Bauformen neu interpretiert

Dem Architekt gelang es, traditionelle Bauformen neu zu interpretieren. "Alte" Bauelemente wie Erker und Fensterläden aus Holz, fehlender Dachüberstand und grob verputztes Mauerwerk werden in den kompakten Baukörper integriert. Sie setzen individualisierende und gestalterische Akzente.

Der Baukörper mit seinen drei Gebäudeebenen ist optisch gesehen in den Hang hinein geschoben. Das Kellergeschoss wird von einer vorgelagerten Mauer geschützt und öffnet sich dank der Hanglage nach Südwesten. Die in den Hang gegrabenen Kellerräumen sowie die separat nutzbare Souterrainwohnung ermöglichen einen ebenerdigen Zugang. Dadurch ist ausreichender Tageslichteinfall in den zwei Zimmern des Untergeschosses gewährleistet.

Bedürfnisorientierter Grundriss

Der Grundriss und die Lage der einzelnen Räume im Erd- und Obergeschoss folgen keinem Standardschema, sondern orientieren sich ausschließlich an den individuellen Bedürfnissen der Bewohner. Der Zugang zum Erdgeschoss erfolgt von der südlichen oberen Hangseite. Ein großzügig zugeschnittener Flur führt direkt zur Küche, dem Hauswirtschaftsraum und zur Treppe ins Obergeschoss.

Raumfolge und Ausrichtung der Räume ergeben sich aus ihrer Funktion. Die Wohnräume öffnen sich durch große Fenstertüren zum Garten (Bild ganz unten), während der angebaute Erker zur Nordseite einen freien Ausblick bis hinunter ins Tal ermöglicht. Die im Obergeschoss befindlichen Räume gehen ohne Geschossdecke unmittelbar in den Dachraum über und wirken dadurch größer.

"Natürliche Klimaanlage"

Beim Wärmeschutz der Gebäudehülle setzte man auf die Vorteile des Naturbaustoffes Ziegel - wenngleich auch Ziegel nicht gleich Ziegel ist. Die Sägemehlporosierung des verwendeten Unipor W 10-Ziegels läßt eine Extra-Portion Wärmeschutz erwarten. Das als Zuschlagstoff dem Ton beigemengte Sägemehl verglüht im Brennprozess und hinterlässt unzählige kleine Poren. Die in den Poren eingeschlossene Luft sorgt in Verbindung mit dem ausgeklügelten Lochbild für die bemerkenswerten Wärmedämmeigenschaften. Ein weiterer Pluspunkt sind die beim Trockenungsprozess eines Ziegels entstehenden Kapillaren. Sie ermöglichen eine Zwischenspeicherung überschüssiger Raumfeuchte, die bei trockener Raumluft wieder abgegeben wird.

Die technischen Daten sprechen für sich: Die einschalige Ziegelaußenwand aus W 10-Planziegeln erreicht mit einer Wanddicke von 36,5 Zentimetern dank einer niedrigen Wärmeleitfähigkeit von λ=0,10 W/mK einen Wärmedurchgangswert der verputzten Fassade von 0,26 W/m²K. Der Einsatz eines Wärmedämmverbundsystems ist nicht erforderlich.

Sommerlicher Wärmeschutz durch Ziegeldachstuhl

Auf die bauphysikalische Qualität der Ziegelprodukte vertrauten Bauherr und Architekt auch bei Decken und beim Dachstuhl. Die homogene Bauweise verhinderte zusätzliche Heizkosten verursachende Wärmebrücken im Anschlussbereich von Bauteilen aus unterschiedlichen Baustoffen. Außerdem wurde durch den Einsatz von Ziegeldachplatten einer Überhitzung der im Obergeschoss zum Dach hin offenen Schlafräume im Hochsommer vorgebeugt. Die so genannten Klimaplatten speichern die durch Sonneneinstrahlung entstandene Wärme zwischen und geben sie erst während der kühleren Abendstunden an das Gebäude-Innere ab.

Die einheitliche Bauweise kam auch dem Putz zugute. Aufgrund des homogenen Putzuntergrundes und der vernachlässigbaren minimalen Verformung von Ziegeln sind Mauerwerksspannungen bei sachgemäßer Ausführung praktisch auszuschließen. Sie stellen einer der wesentlichen Ursachen von Mauerwerksrissen dar. Architekt wie Handwerker achteten deshalb bei Verwendung anderer Materialien darauf, sie von den Ziegelbauteilen zu trennen. Der Erker und alle anderen Anbauteile wurden als reine Holzkonstruktionen nur angehängt und durch Schattenfugen vom Ziegelmauerwerk getrennt.


Eine optische Besonderheit ist neben dem Holzerker der Außenputz: Der Kellenwurfputz mit grober Körnung (9 mm) ist eine alte Putztechnik und kann die Individualität des Bauwerks sehr gut unterstreichen. Die Fenster wurden zur optischen Abhebung mit einem glatten Faschenputz eingerahmt.

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