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Lebensdauer von Vakuum-Isolierglas


Prüfung von Vakuum-Isolierglas nach ift-Haus­ver­fahren: Künstliche Alterung durch mechanische Belastung (Foto © ift Rosenheim, Foto vergrößern)
  

(6.5.2019) Zur Jahrtausendwende schien Vakuum-Isolierglas (VIG) das Produkt der Zukunft zu werden. Allerdings scheiterte die breite VIG-Etablierung schon bevor es richtig los ging u.a. an ...

  • der Verfügbarkeit,
  • den kleinen herstellbaren Abmessungen sowie an
  • dem fehlenden Nachweis der Dauerhaftigkeit.

Insbesondere in Deutschland kam die Problematik hinzu, dass die Losgröße 1 im individuellen Fensterbau eine in der Technologie schwer umsetzbare Marktforderung ist.

Und nach wie vor ist Vakuum-Isolierglas in Europa ein ungeregeltes und nicht harmonisiertes Bauprodukt. Ferner berücksichtigt die inzwischen im Rahmen der ISO-Normung erarbeitete ISO 19916-1:2018-10 „Glas im Bauwesen - Vakuum­glas - Teil 1“ nicht die einseitig wirkende Klimalast, also Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außenscheibe, und die zusätzlichen Überlagerungen durch Winddruck und Soglasten. Darum entwickelte das ift Rosenheim bereits vor der Veröffentlichung des finalen ISO-Normentwurfs ein Prüfverfahren zum praxisgerechten Nachweis der Dauerhaftigkeit von VIG.

Eine CE-Kennzeichnung ist nach wie vor nicht möglich. Vielmehr ist eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung (früher: Zustimmung im Einzelfall) notwendig - einzig basierend auf Messungen des Ug-Werts im Neuzustand. Doch sagt dies nichts über die Dauerhaftigkeit des Produktes aus, die von Bauherren berechtigterweise gefordert wird.

Bei Versuchen am ift Rosenheim kam es zu großen Scheibendurchbiegungen und somit zu entsprechend großen Scherlasten im Randverbund. Daher entwickelte das ift Rosenheim ein Prüfverfahren, das auf der neuen ISO basiert und zusätzliche Einwirkungen zum praxisgerechten Nachweis der Dauerhaftigkeit berücksichtigt. Inkludiert sind hierbei die Ermittlung der Wärmedurchgangskoeffizienten Ug der Vakuum-Isoliergläser sowie klimatische und mechanische Belastungen in einer Musterfassade im Labor.


  Foto © ift Rosenheim
  

Zusätzlich wird bei kleinformatigen Scheiben die Dauerbelastung durch Feuchte und UV-Strah­lung geprüft. Abschließend findet ein Vergleich der Wärmedurchgangskoeffizienten der Gläser vor bzw. nach den Belastungen statt. Auch die Schalldämmung kann optional geprüft und bewertet werden.

Zur Validierung des Prüfverfahrens erfolgt parallel zu den Laborprüfungen eine In-situ-Belas­tung der Gläser in einer hauseigenen Musterfassade (Bild rechts). Nach ein, zwei und drei Jahren werden die Verglasungen ausgebaut, ihr Ug-Wert im Labor geprüft und die Veränderung gegenüber dem Anfangszustand beurteilt sowie mit den Ergebnissen der Kurzeitprüfungen verglichen.

Neue Produktionsstätten in Europa werden die Lieferzeit verbessern und so Vakuum-Isolierglas einen Aufwärtstrend bescheren. Vor allem im Bereich der Renovierung, bei Denkmalfenstern und bei großen Glasflächen kann VIG dank seines niedrigeren Gewichtes und der geringeren Bautiefe Vorteile für sich reklamieren. In einigen Bauvorhaben in Europa wurden bereits VIG eingebaut. Damit ist ein weiterer Schritt in Richtung praktischer Umsetzung erfolgt.

Einsatz von Vakuum-Isolierglas im Neubau (Foto © Schwarz Architekten / GlassX) 

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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