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10 Thesen zu einer Neuorientierung unserer Städte

Hartmut Miksch, Architektenkammer Nordrhein-Westfalen NW, Stadtplanung, Städtebau, NRW, John Friedmann, Stadt, Kernstadt, Flächenverbrauch, Bauland, Baulandpreise, Baulücken(31.10.2005) Im Rahmen des 4. BDB-BBT-Junkers-Forums stellte Hartmut Miksch, Präsident der Architektenkammer in Nordrhein-Westfalen, 10 Thesen zu Zukunft der Städte in NRW vor. Hierbei spielte die Frage der "Rückkehr des Wohnens in die Stadt" eine besondere, wenn nicht die Schlüsselrolle!

Das Wohnen ist - neben Handel, Arbeit und Kultur - seit jeher eine Kernfunktion der Stadt. Stimmt aber die provokante These des bekannten Stadtplanungstheoretikers John Friedmann, der behauptet: "Die Stadt ist tot!"?

Problemaufriss

Auch wenn man die kritische Einschätzung von John Friedmann nicht teilt, ist nicht zu übersehen, dass viele Städte derzeit eine krisenhafte Entwicklung nehmen. Viele Städte verlieren demnach an Bedeutung. Gewachsene Strukturen lösen sich mehr und mehr auf: Wohnen verlagert sich zunehmend in den suburbanen Bereich der Vorstädte und Umlandgemeinden. Gewerbebetriebe verlassen ihren innerstädtischen Standort oder siedeln sich direkt in Gewerbegebieten außerhalb der Stadtgrenzen an. Die stetige Zunahme des Verkehrs nimmt öffentlichen Räumen ihre Aufenthaltsqualitäten. Das Leben in der Stadt werde (nicht nur) laut Miksch zusehends unwirtlich.

Ursachen

Die Faktoren für die skizzierte Negativentwicklung sind vielfältig. Für viele Bürger sind auch die fehlenden privaten Grünflächen in verdichteten Wohngebieten ein Anlass, Wohnraum außerhalb der Kernstadt zu suchen. Darüber hinaus wären es auch politische Steuerungsinstrumente, die Fehlentwicklungen begünstigt haben.

Ziele

Was angesichts der dramatischen Entwicklungen, die sich in vielen Städten derzeit vollzieht, dringend gebraucht werde, ist die Regeneration und die Revitalisierung der Städte. Unter ökologischen Gesichtspunkten sei eine nachhaltige Eindämmung des Flächenverbrauchs erforderlich. Hinzu kommen die Belastungen der Umwelt durch die Pendlerströme.

Aber auch volkswirtschaftliches Kalkül spricht dafür, die Stadtflucht einzudämmen: Die bereits vorhandene Infrastruktur in den Städten müsse genutzt werden.

Lösungsansätze

"Wenn wir die Städte erhalten wollen, müssen wir sie besser bewohnbar machen," stellt der Präsident der NRW-Architektenkammer fest. Das Wohnen in der Stadt müsse wieder attraktiv werden. Daraus leite sich die Frage ab, mit welchen Maßnahmen und Instrumenten sich diese Zielsetzung erreichen lasse. Im Folgenden hat Hartmut Miksch thesenartig einige Handlungsoptionen formuliert, mit denen sich die Bedingungen für eine "Neuorientierung unserer Städte " potenziell verbessern lassen.

  • These 1: Gemeinsame Raumentwicklungsziele definieren
    In einem ersten Schritt gilt es, gemeinsame Raumentwicklungsziele auf allen Handlungsebenen festzulegen.
     
  • These 2: Bedarfsgerechtes Angebot aller Wohnformen
    Die "Rückkehr des Wohnens in die Stadt" setzt ein bedarfsgerechtes Angebot aller Wohnformen voraus.
     
  • These 3: Baulandpreise senken
    Das Wohnen in der Stadt ist derzeit für breite Bevölkerungsschichten zu teuer. Aus diesem Grund müssen die Baulandpreise nachhaltig gesenkt werden.
     
  • These 4: Brachflächen nutzen
    Das große Potenzial innerstädtischer Flächen - wie Industriebrachen, ehemalige militärische Liegenschaften oder Bahnflächen - müssen für die Stadt als Wohnstandort nutzbar gemacht werden.
     
  • These 5: Baulücken schließen
    Eine weitere zentrale Forderung lautet: Baulücken schließen. Durch die Folgen des Krieges sind wir in Deutschland bis heute von dieser Problematik besonders betroffen. Baulücken sind eine Chance für die zukünftige Entwicklung der Stadt, weil sie nicht selten wertvolle Baugrundstücke in zentraler städtischer Lage darstellen.
     
  • These 6: Bauen im Bestand
    Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld ist das Sanieren und Modernisieren von Bestandsbauten. Hier geht es um Maßnahmen wie die Ertüchtigung von Siedlungen der Vor- und Nachkriegszeit, die Nachverdichtung, die Verbesserung des Grundrisses, das Zusammenschalten von Wohnungen, den Teilrückbau und die energetische Nachrüstung.
     
  • These 7: Stadtkerne und Innenstadtbereiche stärken
    Eine ganz wichtige Rolle im Kontext einer Rückgewinnung des urbanen Lebens kann die Unverwechselbarkeit der historischen Stadt als Identifikationsmerkmal spielen. Um den Status der Innenstadt als Aufenthalts- und Einkaufsort abzusichern und die Konkurrenzfähigkeit der Innenstadt zu Versorgungsflächen auf der grünen Wiese zu gewährleisten, ist ein aktives Stadtmarketing unter Beteiligung sämtlicher Interessensgruppen unabdingbar.
     
  • These 8: Öffentliche Räume attraktiver machen
    Eine weiteres Handlungsfeld ist der öffentliche Raum, der attraktiver gemacht werden muss. Hier gilt es, Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, die gut gestaltet, sicher und sauber sind.
     
  • These 9: Den Schrumpfungsprozess planen
    Die Politik und die Bürger dürfen nicht die Augen vor den Konsequenzen des Schrumpfungsprozesses, dem viele Städte ausgesetzt sein werden, verschließen. Schrumpfen muss auch als Chance erkannt werden, Defizite abzubauen.
     
  • These 10: Heraus aus den Fachzirkeln
    Insgesamt betrachtet ist die Neuorientierung unserer Städte aber eine Aufgabe, die nicht allein durch politische Steuerung gelöst werden kann. Sie ist kein Selbstzweck. Es ist vielmehr eine Gestaltungsaufgabe, an der alle gesellschaftliche Gruppen ebenfalls mitwirken müssen.

Hintergrund

Seit 2002 veranstaltet der BDB-Landesverband NRW gemeinsam mit BBT-Junkers Thermotechnik das jährliche Forum in Dortmund. Während in den Vorjahren z.B. Fragen der energetischen Sanierung der Gebäude oder anlagentechnische Neuerungen sowie neue Verordnungen im Vordergrund standen, war in diesem Jahr der thematische Bogen deutlich weiter gespannt.

Zum diesjährigen Forum haben sich rd. 450 Architekten, Bauingenieure sowie Vertreter der Wohnungswirtschaft angemeldet. Nicht alle Anmeldungen konnten berücksichtigt werden. An der fachlich hervorragend besetzten Tagung nehmen 270 Architekten, Stadtplaner und Bauingenieure teil.

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