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Hauswärme-Studie von Shell und BDH: Energiewende im Wohnungssektor droht zu scheitern


  

(20.5.2013) Die Energiewende in deutschen Haushalten kommt nicht voran. Die Heiztechnik wird zwar immer effizienter, die Heizungen aber immer älter. Nur 20% aller Heizgeräte in deut­schen Kellern entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Bei über 5 Mio. alten Heizanlagen entweicht jeder dritte Cent ungenutzt durch den Schornstein. Durch eine beschleunigte Heizungsmodernisierung, neue Heiztechniken und die verstärk­te Nutzung erneuerbarer Energien ließen sich die Treibhaus­gasemissionen des deutschen Wohnungssektors bis 2030 um rund 30% reduzieren - das sind die wichtigsten Erkenntnisse der gemeinsamen Haus­wärme-Studie, die Shell und der Bun­desindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelt­technik (BDH) in Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und dem Institut für Techni­sche Gebäudeausrüstung (ITG) unter dem Titel „Klimaschutz im Wohnungssektor - Wie heizen wir morgen? Fakten, Trends und Perspektiven für Heiztechniken bis 2030“ erstellt haben.

Schwerpunkte der Studie waren ...

  • zum einen eine Analyse der Potenziale aktueller und neuer Heiztechniken und Energien und
  • zum anderen die Untersuchung von Szenarien, wie sich Heiztechniken - neben Gebäudesanierung - im Wohnungssektor in den kommenden 20 Jahren entwi­ckeln und welche Beiträge sie zu Energie- und Klimazielen der Politik leisten können.

Dabei werden zum einen aktuelle Trends (Trendszenario) fortgeschrieben, zum ande­ren Alternativszenarien mit ambitionierten politischen Rahmenbedingungen entwickelt. „Ohne Effizienzgewinne im Hauswärmebereich können die Energie- und Klimaziele nicht erreicht werden und ist die Energiewende nicht zu schaffen“, machte Dr. Jörg Adolf, Chefvolkswirt, Shell Deutschland bei der Vorstellung der Studie in Hamburg deutlich.

Einzelaspekte / Festellungen der Hauswärme-Studie

Wohnungssektor: Mit der Zahl der Haushalte steigt auch die Zahl der Wohnungen - von heute 40,3 Mio. auf 41,9 Mio. Wohneinheiten im Jahr 2030, vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern. Über 70% der Wohnfläche sind vor 1979 erbaut. Sie genügen oftmals nur geringen Gebäudeeffizienzstandards.

Hauswärme: Der Haushaltssektor ist mit einem Endenergieverbrauch von 625 Mrd. kWh sowie einem Anteil von rund 25% einer der großen Endverbrauchssektoren. 71% des häuslichen Energieverbrauchs werden für Raumwärme und 14,5% für Warmwasser benötigt.


Altersstruktur der Gas- und Öl-Kessel in Deutschland
(Bild vergrößern)
 

Veraltete Heiztechnik: „Die Modernisierung häuslicher Wär­meerzeuger liegt seit 2007 bei nur etwa 3% pro Jahr. Hält das geringe Modernisierungstempo an, wird ein Großteil der Heizun­gen im Jahr 2030 über 30 oder gar 40 Jahre alt und entspre­chend ineffizient sein“, unterstrich Andreas Lücke, Hauptge­schäftsführer des BDH. Dabei seien von den aktuell 21,3 Mio. Wärmeerzeugern schon 2,7 Mio. über 25 Jahre alt. So befän­den sich im Heizungsbestand heute noch rund 2,5 Mio. Gas- und Öl-Standardkessel, obwohl sie seit etwa 15 Jahren nicht mehr eingebaut werden dürften. Nur 20% aller Heizgeräte in deutschen Kellern entsprächen dem Stand der Technik.

Diversifizierung Heiztechnik und Energieträger: Von den heute 21,3 Mio. Wärmeerzeugern in Wohngebäuden sind 18,4 Mio. bzw. 86% Gas- oder Öl-Heizkessel. Im Trend werden sich die Heiztechnik und damit auch die Heizenergieträger bis 2030 zunehmend diversifizieren. Die Zahl alternativer bzw. erneuer­barer Wärmeerzeuger - wie Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung, Holzfeuerungen - wird sich von heute weniger als 3 Mio. auf 6,3 Mio. mehr als verdoppeln. Die Zahl der Solarwärmeanlagen könnte sich von heute 1,6 Mio. auf über 7 Mio. fast verfünffachen.

Marktentwicklung Wärmeerzeuger 2002-2012 (Grafik vom BDH vergrößern)

Erneuerbare Energien: Mit der Zunahme alternativer bzw. neuer Heiztechniken wächst auch der Anteil erneuerbarer Energien am Heizenergieträgermix. Heute liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei 12,5%, bis 2030 könnte er bei trendmäßiger Ent­wicklung auf 24%, unter ambitionierten Bedingungen der Alternativszenarien auf 29 bis 31% zulegen. Holz ist und bleibt der mit Abstand bedeutendste erneuerbare Ener­gieträger; künftig gewinnen Solarwärme sowie Umweltwärme jedoch relativ an Bedeu­tung. Umweltwärme wird der Umgebung durch Wärmepumpen entzogen und dann zur Beheizung genutzt.

Schlüsseltechnologie Gas-/Öl-Brennwerttechnik: Dennoch werden auch im Jahr 2030 zentrale Gas- und Öl-Heizkessel das Rückgrat der Hauswärmeversorgung stellen. Ihr Anteil an den zentralen Hauswärmeerzeugern fällt von 85% leicht auf 81% (Trend) bzw. deutlich auf 72% (Alternativ) im Jahr 2030; von dann 22,5 Mio. Heizanlagen wer­den 2030 18,2 bzw. 16,2 Mio. Gas-/Öl-Heizkessel sein. Dabei wird sich die Zahl der Brennwertgeräte von heute 4,1 Mio. auf 10,6 Mio. (Trend) bzw. 11,7 Mio. (Alternativ) nahezu verdreifachen. „Brennwerttechnik wird bis 2030 Schlüsseltechnologie bleiben. Systeme, die zusätzlich erneuerbare Energien einkoppeln, werden stark an Bedeutung gewinnen,“ ist sich Lücke sicher.

Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen: „Im Trend sinken der jährliche Endenergieverbrauch um 14,5% und die jährlichen Treibhausgasemissionen um 22%. In den beiden Alternativszenarien geht der Endenergieverbrauch um 18 bzw. 23% zurück, die Treibhausgasemissionen um 31 bzw. 36%“, betonte Shell Experte Adolf. Auch wenn hiermit die Zwischenziele der Energie- und Klimapolitik erreicht werden könnten, bliebe ein nahezu klimaneutraler Wohnungsbestand im Jahr 2030 noch deutlich entfernt.

Forderungen

„Um die Ziele der Energiewende im Hauswärmesektor zu erreichen, müssen deutlich mehr Heizungen modernisiert werden“, unterstrich Andreas Lücke. Von zentraler Be­deutung sei es, Planungssicherheit für die Haushalte zu schaffen und dabei realisti­sche Ziele einschließlich eines ausgewogenen Energiemixes anzustreben. Von der Po­litik verordnete Maßnahmen müssten das Wirtschaftlichkeitsgebot beachten, gleich­zeitig müsse die Akzeptanz der Verbraucher sichergestellt werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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