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Umweltzone Leipzig senkt Gesundheitsbelastung deutlich

Abschlussbericht zur Wirkung der Umweltzone Leipzig auf die Luftqualität
  

(18.12.2017) Seit Einrichtung der Leipziger Umweltzone am 1. März 2011 ist die Belastung mit den besonders gesundheitsgefährlichen Bestandteilen im Feinstaub deutlich gesunken - so das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS). Demnach ...

  • haben sich die Konzentrationen der krebserzeugenden Verbrennungspartikel von Dieselfahrzeugen um mehr als die Hälfte reduziert, aber andererseits ...
  • ist die Belastung mit Stickoxiden trotz der modernen Dieselkraftfahrzeuge nahezu konstant geblieben.

Auch wenn die Gesamtmasse des Feinstaubes durch die Modernisierung der Fahrzeuge nur wenig vermindert wurde, sind die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die anfangs heftig diskutierte Umweltzone deutlich zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung beiträgt.


Gebiet Umweltzone (Grafik: Stadt Leipzig), Quelle: Wolfram Birmili/TROPOS

In Leipzig wurde die Umweltzone von Beginn an mit der höchsten Regulierungsstufe eingeführt. Seitdem dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in die Umweltzone einfahren. Sie umfasst rund zwei Drittel der Stadtfläche bis an den Autobahnring und ist damit größer als Umweltzonen in anderen Städten. Für diese Maßnahme wurde die Stadt Leipzig damals heftig kritisiert.

Abschlussbericht „Wirkung der Umweltzone auf die Luftqualität“

Das Landesumweltamt Sachsen (LfULG) und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) stellten der Messestadt jedoch Mitte Dezember bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts zur „Wirkung der Umweltzone auf die Luftqualität“ eine positive Bilanz aus. Wissenschaftler beider Einrichtungen hatten die Einführung der Umweltzone von Anfang an mit einem Sondermessprogramm begleitet und über sieben Jahre wissenschaftlich untersucht. Insgesamt wurden 13 Messstationen in Sachsen einbezogen. An sieben von ihnen hat das Team zusätzlich Ruß und Ultrafeinstaub gemessen. Diese Messungen wurden im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchungen zusätzlich erfasst, weil sie gesetzlich nicht vorgeschrieben sind.

Um die Wirkung der Umweltzone besser beurteilen zu können, wurde die Minderung der Emissionen durch einen Vergleich der Konzentrationen an der Straße mit denen im städtischen Hintergrund ermittelt. Der größte Minderungseffekt für Ruß und Ultrafeinstaub konnte an der Messstation Leipzig-Mitte aufgezeigt werden. Diese Messstation liegt im verkehrsreichen Zentrum des Innenrings der Stadt. Dort sank ...

  • die Masse der krebserregenden Ruß-Partikel um etwa 60% und
  • die Anzahl der ultrafeinen-Partikel um etwa 70%.

 „Damit hat sich besonders der im Feinstaubmix enthaltene gesundheitsgefährdende Anteil der Partikel deutlich reduziert“, stellte Prof. Alfred Wiedensohler vom TROPOS fest. “Gemessen an der Feinstaubmasse entspricht das zwar nur fünf Prozent. Da diese aber zum hoch toxischen Anteil im Feinstaub gehören, wird das Gesundheitsrisiko der Bevölkerung deutlich reduziert. Die Umweltzone war damit eine sinnvolle und erfolgreiche Maßnahme der Stadtverwaltung Leipzig für den Schutz der Gesundheit ihrer Bürger“, resümierte der Luftexperte Dr. Gunter Löschau vom LfULG.

Auch die Stadt zog ein positives Fazit: „Die Einführung der Umweltzone in Leipzig war im Rahmen unserer gesetzlichen Verantwortung ein konsequenter Schritt, um eine deutliche Verbesserung des Gesundheitsschutzes der Leipziger Bevölkerung und Besucher der Stadt zu erreichen“, konstatierte Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig.

Stickoxide auf zu hohem Niveau

Mit der durch die Umweltzone beschleunigten Modernisierung der Fahrzeugflotte stieg jedoch der Anteil der in Leipzig zugelassenen Dieselkraftfahrzeuge zwischen 2010 und 2016 von 19 auf 26 Prozent an - mit negativen Folgen: Während bei den Partikeln die Zahlen nach unten gehen, stagnieren sie bei den gasförmigen Stickoxiden (NOx) nach wie vor auf einem Niveau, das zu hoch ist.

Die Anstrengungen dürften deshalb nicht nachlassen, die Luftqualität zum Schutz der Bevölkerung weiter zu verbessern, betonten die Wissenschaftler. Das gelte nicht nur für die Grenzwertüberschreitung für Stickstoffdioxid (NOe), sondern auch für Feinstaub. Es wäre falsch, sich darauf auszuruhen, dass der gesetzliche Grenzwert für Feinstaub (PM10) seit 2015 eingehalten wird. Nicht nur die Maßnahmen zur Luftreinhaltung, sondern auch die meteorologischen Bedingungen mit milden Wintern hätten daran einen Anteil.

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