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„Lungen der Stadt“ sollen in Eindhoven Feinstaub und Ruß reduzieren

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„Aufero“, die Luft­reini­gungsanlage von ENS Urban

(18.12.2017) Anfang Dezember wurde in Eindhoven ein Praxistest zur Verifizierung wissenschaftlicher Studien gestartet, nach denen es möglich sei, Feinstaub und Ruß mit Hilfe der Belüftung einer Tiefgarage großflächig aus belasteter Innenstadtluft zu entfernen. An dem Projekt „Lungen der Stadt“ beteiligen sich die Umweltinnovationsorganisation ENS Urban, die TU Eindhoven (TU/e), die Gemeinde Eindhoven und Air Liquide. Der Zweck des Versuches ist, eine großangelegte Lösung zur Reduzierung von städtischer Luftverschmutzung bereitzustellen.

Der Praxistest basiert auf einer Studie der Technischen Universität zur Wirksamkeit einer Technologie, die die Luft in Parkhäusern von Feinstaub und Ruß befreit und nach der Reinigung wieder in die Stadt entlässt. Die Forscher um Bert Blocken, Professor für Bauphysik, demonstrierten anhand von Computersimulationen und Modellen, dass die mögliche Verbesserung der Stadtluft über die direkten Bereiche hinausgeht, in denen die Luft gereinigt wird. Die Simulation umfasste den Einsatz von 594 Luftreinigungsanlagen und ergab an manchen Standorten Spitzenwerte der Schadstoffreduktion von 50%.

Projekt „Lungen der Stadt“

Als Standort für den Praxistest wurde die Tiefgarage unter dem Rathausplatz (siehe Google-Maps) ausgewählt, weil dort wegen des zähfließenden Verkehrs und des zumeist fehlenden Windes die Luftverschmutzung besonders hoch ist. „In den öffentlichen Bereichen der Stadt wird es erstmals Versuche geben, städtische Luft in großem Maßstab zu reinigen. Insofern ist es eine Weltpremiere“, sagt Prof. Blocken. Neben der Ausfahrt des Parkhauses werden dreißig Luftreinigungsanlagen (Bild rechts oben) aufgestellt, und Roel Gijsbers von der Umweltinnovationsfirma ENS Urban, die das Konzept entwickelt hat, ist sich sicher: „Dank unserer Luftreinigungstechnologie ist die Qualität der Luft, die die Tiefgarage verlässt, deutlich besser als die Luft, die in die Tiefgarage gelangt - Parkhäuser fungieren als ,Lunge der Stadt‘ und leisten einen positiven Beitrag zur Luftqualität der Stadt."

Im Rahmen des Projektes wird nach der Installation der Reinigungsgeräte ein umfangreiches Netzwerk hochwertiger Messgeräte die Konzentration von Feinstaub und Ruß in einem großen Bereich rund um den Rathausplatz vier Monate lang messen. Zusätzlich werden Wetterdaten gesammelt, einschließlich Windrichtung und -geschwindigkeit, um die Luftbewegung abzubilden.

Vielversprechend

Auch die Stadträtin von Eindhoven, Mary-Ann Schreurs bekräftigte ihre Unterstützung für die Validierung der wissenschaftliche Studie: „Weil die Luftqualität an verschiedenen Orten so schlecht ist, dass sie für die Gesundheit unserer Bewohner und Besucher eine Gefahr darstellt, müssen wir konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergreifen. Laut der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Umweltagentur ist Feinstaub die schädlichste Umweltverschmutzung in der städtischen Umwelt und sogar stark mit einem erhöhten Risiko des vorzeitigen Todes verbunden“. Es sei inakzeptabel, nur zu sagen, dass die Luftqualität laut Messungen schlecht sei. Die neue Technologie verspreche ein gesünderes Eindhoven, und sobald die Wirkung bewiesen sei, müsse sie in größerem Maßstab eingesetzt werden.

Simulation der Luftreinigung: Blau bedeutet weniger Feinstaub (Bild © TU/e)

Potenzial

Im Rahmen des Praxistests sollen die Luftströmungssimulationen der TU/e (Bild oben) mit den tatsächlichen Messungen verglichen werden. Darüber hinaus soll das Potenzial des Konzepts öffentlich demonstriert werden. „Wenn die bisherigen Resultate in der Realität erreicht werden, bieten die ,Lungen der Stadt‘ eine neue und bewährte Lösung für die großräumige Beseitigung der Luftverschmutzung in städtischen Gebieten", erwartet Gijsbers.

Außer in Tiefgaragen kann das Konzept auch zur Beseitigung von Feinstaub in und um Tunnel oder im Bereich von Bahn- und Busbahnhöfen, Viadukten und stark befahrenen Verkehrsknotenpunkten eingesetzt werden und so die bestehende Infrastruktur zur Luftverbesserung genutzt werden.

Offene Zusammenarbeit

„Diese Studie zeichnet sich durch eine offene Zusammenarbeit aus, die eine starke Kombination des Know-hows und der Kompetenz jedes Partners ermöglicht. Der Open-Innovation-Ansatz hilft bei der Identifizierung und Umsetzung von Lösungen zur Verbesserung der Luftqualität in großem Maßstab“, sagt Diederick Luijten, Vice Präsident Industrial Merchant Air Liquide Nordwesteuropa.

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