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Umweltbundesamt kürt steinigen, kalkhaltigen Mittelgebirgsbach zum Gewässertyp des Jahres 2020

(22.3.2020; Weltwassertag) Das Umweltbundesamt (UBA) kürt den Gewässertyp des Jahres traditionell am Internationalen Weltwassertag. Der diesjährige Weltwassertag ist dem Thema „Wasser und Klimawandel“ gewidmet. Die vergangenen Dürresommer haben gezeigt, dass der Klimawandel selbst in Deutschland die Wasserverfügbarkeit ändern kann. Ein bewussterer Umgang mit der Ressource Wasser und der Schutz unserer Gewässer wird folglich immer dringender.

Steinige und kalkhaltige Mittelgebirgsbäche führen oft nur direkt nach Regenfällen oder nach der Schneeschmelze Wasser. Klimatische Veränderungen der Niederschlagsmenge oder der Verdunstung können der Wasserführung dieses Bachtyps daher stark zusetzen. Von Natur aus sind die Bäche von Ufergehölzen überschattet. Die Beschattung sorgt im Hochsommer für eine natürliche Temperaturregulierung. Sommerkühles Wasser kann ferner mehr Sauerstoff aufnehmen; und die in den Bächen heimischen Tiere stellen wiederum hohe Ansprüche an den Sauerstoffgehalt. Typische Lebewesen dieses Gewässertyps sind die Elritze, die Masken-Köcherfliege und der Feuersalamander, gemeines Quellmoos und Blaualgen.

Foto © Dr. Guido Haas via UBA 

Strukturelle Degradation

Wimmelndes Leben ist in diesen Mittelgebirgsbächen selten geworden. Nährstoffe gelangen aus angrenzenden Flächen in die Bäche und können dort für ein übermäßiges Pflanzenwachstum und geringe Sauerstoffgehalte sorgen. Mit einer intensiven, großmaschinellen Nutzung des Gewässerumfelds geht darüber hinaus die Begradigung des Bachlaufs und oft auch die Abholzung der Ufergehölze einher. Die fehlende Beschattung sorgt folglich für höhere Temperaturen im Sommer, die viele Gewässerorganismen der Mittelgebirgsbäche nur schlecht vertragen. All diese Veränderungen machen die ursprünglich vielfältige Gewässerstruktur eintönig. Fachleute sprechen von „struktureller Degradation“.

Fachleute sind sich seit langem einig darüber, wie sich der Zustand des steinigen, kalkhaltigen Mittelgebirgsbachs sowie aller Flüsse und Bäche in Deutschland verbessern lässt: Bäche und Flüsse brauchen links und rechts genügend Platz, um ihre natürlichen Funktionen voll entfalten zu können. Davon profitiert nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch in Zeiten zunehmender Wetterextreme. So können Hochwasserwellen abgeschwächt werden. In Niedrigwasserzeiten dienen bachbegleitende Auen als Wasserspeicher. Weniger nackte Einöde am Gewässer bedeutet auch mehr Erholungswert. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb Gewässerentwicklungsflächen dort verbindlich auszuweisen, wo Nutzungen nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

Der Gewässertyp des Jahres 2020 ist nur ein Beispiel für Gewässer, die noch keinen guten Zustand aufweisen und deren Schutz besser werden muss. Dies zeigen die Studien des Umweltbundesamtes „Gewässer in Deutschland – Zustand und Bewertung“ und „Wasserwirtschaft in Deutschland“ sowie die Berichte zur EU- Wasserrahmenrichtlinie . Deshalb muss die Umsetzung dieser wichtigen EU-Richtlinie intensiviert werden.

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