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Seen des Jahres

(22.3.2017; Weltwassertag) Anlässlich des Weltwassertages haben die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland (NLSD) das Steinhuder Meer zum „Lebendigen See des Jahres 2017“ ernannt. Außerdem hat das Umweltbundesamt (UBA) ebenfalls anlässlich des Weltwassertages den tiefen, großen, kalkarmen Mittelgebirgssee zum „Gewässertyp des Jahres 2017“ gekürt. Alle 26 Vertreter dieses Typs in Deutschland sind übrigens Talsperren.

Das Steinhuder Meer ist der „Lebendige See des Jahres 2017“

Das Steinhuder Meer ist mit knapp 30 km² der größte See Niedersachsens und Nord-West-Deutschlands (siehe Google-Maps). Der See wird umgeben von einer malerischen Landschaft mit Feuchtwiesen, Mooren, Dünen und Wäldern. Er ist aber auch ein Paradies für Wassersportler, Badegäste, Wanderer und Radfahrer. Das macht diese Region zu einem attraktiven Ausflugs- und Urlaubsziel, vor allem für Tagestouristen der nahe gelegenen Landeshauptstadt Hannover.

Steinhuder Meer ist „Lebendiger See des Jahres 2017“
Das Steinhuder Meer ist „Lebendiger See des Jahres 2017“ (Foto © Bernhard Volmer)

Um den Nutzungsdruck auf den See und die besonders sensiblen Lebensräume in seiner Umgebung durch die zahlreichen Touristen und Tagesausflügler während der Hochsaison zur reduzieren, wurde ein dezidiertes Konzept für einen nachhaltigen Tourismus entwickelt. Zu den vielen wichtigen Maßnahmen, die bisher umgesetzt wurden, zählen zum Beispiel ...

  • Winterfahrverbote und
  • die Verlagerung von Wegen.

Die Besucherströme durch den Naturpark Steinhuder Meer werden nach dem Honigtopfprinzip gelenkt und auf ausgewählte, weniger empfindliche Gebiete konzentriert: Vom Rundweg aus ist es über Erlebnispfade und Aussichtspunkte möglich, die Naturschätze behutsam zu erleben. Sensiblere Lebensräume bleiben somit ungestört. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungskampagnen führten nach anfänglicher Kritik zur Akzeptanz der neuen Regeln in der Bevölkerung. Der Naturpark Steinhuder Meer gilt mittlerweile als bundesweit anerkanntes Vorzeigemodell für vorbildliche, erfolgreiche Besucherlenkung. Zweimal erhielt er die Auszeichnung „Qualitäts-Naturpark“.

Das Steinhuder Meer ist ein Beispiel dafür, dass behördlicher Naturschutz und Verbandsnaturschutz viel erreichen, wenn die Zusammenarbeit funktioniert. Der Stationstisch, an dem alle beteiligten Behörden der Landkreise, der Region Hannover und des Landes seit 1991 viermal im Jahr zusammensitzen, ist dafür ein Beleg. Die Erfolge dieser Entwicklung können sich sehen lassen: 2000 siedelte sich das erste Seeadlerpaar an. Im selben Jahr brüteten Kraniche erstmals seit 100 Jahren am Steinhuder Meer. Die Zahl der rastenden Wasservögel, zu Beginn der 1990er Jahre auf dem Tiefststand, hat sich inzwischen verfünffacht. Fischadler, Wachtelkönig und Flussseeschwalbe konnten sich aufgrund zahlreicher effektiver und gut geplanter Schutzmaßnahmen nach Jahrzehnten Abwesenheit wieder ansiedeln und der Rückgang von Bekassine, Kiebitz, Ringelnatter, Moorfrosch, Krebsschere & Co. konnte gestoppt werden.

Gewässertyp des Jahres 2017

Pünktlich zum Internationalen Weltwassertag hat das Umweltbundesamt (UBA) den Gewässertyp des Jahres 2017 gekürt: den tiefen, großen, kalkarmen Mittelgebirgssee. Erfreulich ist die Entwicklung der Seen unter ökologischen Maßstäben: Rund 80% erreichen das „gute“ ökologische Potenzial nach den Kriterien der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Alle 26 Vertreter dieses Typs in Deutschland sind übrigens Talsperren. Beispiele sind die Leibis-Lichte-Talsperre in Thüringen, Muldenberg und Eibenstock in Sachsen, Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt, Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen, Granetalsperre in Niedersachsen und Förmitztalsperre in Bayern.

Talsperre Lehnmühle
Talsperre Lehnmühle in Sachsen (Foto © Landestalsperrenverwaltung Sachsen)

Naturnahe Gewässer wie Talsperren haben sich als äußerst wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von Arten erwiesen. Typische Bewohner sind der Flussbarsch (Perca fluviatilis), ein sehr anpassungsfähiger Fisch, der bis 70 cm lang werden kann und sich u.a. von Insekten ernährt, die er an der Wasseroberfläche erbeutet. Auch gefährdete „Rote Liste-Arten“ wie die biegsame Glanzleuchteralge (Nitella flexilis) kommen in diesen Talsperren vor. Glanzleuchteralgen überwuchern die Gewässerböden oft wie ein dichter Rasen, der Jungfischen ein ideales Versteck vor Fressfeinden bietet. Dem Haubentaucher und anderen Wasservögeln dienen Algen oder die im Algenrasen lebenden Kleintiere als Nahrung.

Die Einzugsgebiete der Talsperren sind oft sehr waldreich, die Uferbereiche und Böschungen sehr steil. An den Staumauern dominieren Steinschüttungen und große Blöcke, an den Zuläufen und Uferbereichen feine Kiese und Sande. Durch den Einfluss von Mooren und sauren Waldböden im Einzugsgebiet haben Talsperren meist erhöhte Gehalte an Huminstoffen, welche den pH-Wert senken und damit maßgeblich die Artenzusammensetzung bestimmen.

Talsperren dienen vorrangig der Trinkwassergewinnung, dem Hochwasserschutz sowie der Stromerzeugung. Hinzu kommen in einigen Talsperren (Biggetalsperre, Sösetalsperre) die Fischerei und eine beschränkte Freizeitnutzung.

Der Gewässertyp des Jahres 2017 hat damit einen Vorbildcharakter für andere deutsche Gewässer, die weitgehend noch keinen guten ökologischen Zustand aufweisen. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes mit dem Titel „Die Wasserrahmenrichtlinie - Deutschlands Gewässer 2015“. Ein wichtiger Schlüssel, die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, ist eine umweltschonende und auf die Trinkwassernutzung ausgerichtete Bewirtschaftung.

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