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Neckarbrücke Benningen: Mit elegantem Schwung in Rekordzeit über den Neckar

(7.7.2021) Die Konstruktion der neuen Neckarbrücke bei Benningen stammt aus der Feder des Stuttgarter Tragwerksplaners Leonhardt, Andrä und Partner. Die 195 m lange Brücke bildet zusammen mit einer 107 m langen Stützwand die Grundlage für die neue, 1,2 km lange Ortsumfahrung (L 1138) zwischen Freiberg und Marbach (siehe Google-Maps, gegebenenfalls muss die „Globusansicht“ deaktiviert werden):

Fotos © : PERI Deutschland 

Ab 2022 soll so der Verkehr im Benninger Ortskern entlastet werden und der Schwerverkehr eine neue Option haben, den Neckar zu queren. Bauherr ist das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Regierungspräsidium Stuttgart (Baureferat West).

Beschwingte Herausforderung

Die neue Neckarbrücke ist eine Stahlverbundkonstruktion mit Hohlkasten. Der Stahlgurt geht übergangslos und monolithisch verbunden in die V-förmigen Flusspfeiler über. Die Ausführung als gevoutete Rahmenbrücke passt sich harmonisch an die von Weinbauhängen geprägte Landschaft an und ermöglicht zudem eine schlanke Konstruktion mit nur 1,90 m Bauhöhe in der Feldmitte über dem Neckar. Denn im Bereich der 86 m Stützweite des mittleren Flussfeldes musste ein 60 m breites und 6,30 m hohes Lichtraumprofil für die Binnenschifffahrt eingehalten werden.

Die architektonisch und statisch anspruchsvolle Brückenkonstruktion war auch für die Bauausführung herausfordernd: Die mit nur 4 m breiten Stahl-Hohlprofile wurden zum Teil direkt am Neckarufer vormontiert; das 145 t schwere Mittelstück wurde mit Hilfe eines Schwimmkrans in die Endlage eingehoben.

Durch die in zwei Achsen gekrümmte Brückengeometrie war auch der Betonüberbau mit entsprechenden Herausforderungen verbunden: Die Brücke geht von einer Wendeklothoide in einen Radius von 125 m über und ist in Längs- und Querrichtung bis zu 7,5% geneigt. Und im Bereich des Neckars war beim Bauen über Wasser alles ausschließlich von oben bedienbar.

Angepasste Baukastenlösung von PERI

Das Baukastensystem Variokit von PERI will wirtschaftliche Lösungen für den Großteil aller Anforderungen im Ingenieurbau ermöglichen. Im Fokus steht dabei ein hoher Anteil an mietbaren Kern- und Systembauteilen, die vielfältige Anwendungen im Tunnel-, Brücken- und allgemeinen Ingenieurbau abdecken. Auf dieser Basis haben der baustellenbegleitende PERI-Support und die Ingenieure des Weißenhorner Kompetenzzentrums „Infrastruktur“ und die Wolff & Müller Ingenieurbau GmbH ein projektspezifisch angepasstes Baukastenkonzept für die Benninger Neckarbrücke erarbeitet.

Im ersten Schritt diente eine abgehängte Variokit-Kragarmschalung der Herstellung des in 11 Abschnitte eingeteilten Brückenüberbaus (jeweils 15-20 m lang) im regelmäßigen Wochentakt. Die anschließende Aufbringung der Brückenkappen erfolgte mit Hilfe einer Variokit-Gesimskappenkonsole.

Überbau mit nahezu 4 m Kragarm

Zur Herstellung der bis zu 45 cm starken Beton-Fahrbahnplatte wurde die Variokit-Kragarmkonsole VCB verwendet. Trotz der großen Auskragung von beidseitig 3,95 m konnte mit einem großzügigen Konsolabstand von 90 cm gearbeitet werden. Ein weiterer großer Vorteil war, dass sich die Kragarmkonsolen fächerförmig mittels zweier unterschiedlichen Aufhängungsvarianten an die jeweilige Baustellensituation anpassen ließen:

  • In den Bereichen über Land konnte nach dem Betonieren und Aushärten die Aufhängung von unten gelöst werden.
  • Bei den Betonierabschnitten über Wasser war die Aufhängung so gestaltet, dass die Bühnen von oben gelöst und mit einem Kran umgesetzt werden konnten.

In beiden Fällen war der Überbau frei zugänglich, die bündig mit der Betonoberkante abschließende Spannstahlaufhängung vermied Störstellen, und durch den Einsatz von Rüttelbohlen war eine hohe Betoniergeschwindigkeit möglich: „In nur 12 Wochen war der 195 m lange Brückenüberbau in Rekordzeit fertig“, resümierte Bauleiter Hüseyin Aktas stellvertretend für das Wolff & Müller Baustellenteam.

Krönender Abschluss: Gesimskappe


  

Die einfach handhabbare Gesimskappenkonsole VGK war für die Brückenkappen der Neckarbrücke mit knapp 200 m Länge die wirtschaftlichste Lösung und ermöglichte zudem ein sicheres und effizientes Arbeiten. Durch die Verankerung der Bühneneinheiten an der Brückenunterseite konnten alle Arbeiten auf der Oberseite des Überbaus störungsfrei durchgeführt werden. Der durchdringungslose Bühnenbelag sorgte dabei für ausreichenden Schutz für die querenden Binnenschiffe und die dort trainierenden Wassersportler mit ihren Ruderbooten. Hinzu kam, dass sich die separate VGK-Schalungseinheit stufenlos an die geforderte Kappengeometrie problemlos anpassen ließ.

Weitere Informationen zum Baukastensystem Variokit können per E-Mail an PERI angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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