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5 Projekte sind für den Ernst & Sohn-Ingenieurbaupreis 2022 nominiert


  

(29.11.2021) Am 12. November 2021 kam die Jury des Ernst & Sohn-Ingenieurbaupreises 2022 zu ihrer ersten Sitzung zusammen, um aus den eingereichten 32 Projekten die aussichtsreichsten Kandidaten zu nominieren. Fünf Wettbewerbsbeiträge haben es bis in die Shortlist geschafft, einer von ihnen wird in einer zweiten Jury-Sitzung zum Preisträger gekürt. Mit dem Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis werden zum 17. Mal besondere Ingenieurleistungen im Konstruktiven Ingenieurbau ausgezeichnet.

Eine Besonderheit stellte in diesem Jahr die Einreichung eines Software-Programms für das Echtzeit-Monitoring eines Brückenbauwerks (Digitaler Zwilling) dar, deren Eignung für den Ingenieurbaupreis von der Jury lange diskutiert wurde. Am Ende stand jedoch die Entscheidung, dass der Preis den Ingenieurleistungen rund um den Bau und Erhalt der eigentlichen Bauwerke vorbehalten ist und Computersoftware - obwohl dieses ein beeindruckendes Projekt war -  nicht berücksichtigt werden können.

Die Jury hat folgende fünf Projekte für die Shortlist zum Preis nominiert (ohne Rangfolge):

Djamaâ el Djazaïr – Die Große Moschee von Algier (Algerien)

Jurybegründung: „Das nach außen einheitliche Erscheinungsbild der Moschee besteht aus verschiedenen, geschickt gewählten Tragwerkssystemen. So wurde beispielsweise der hohe, schlanke Turm des Minaretts als duktile Stahlverbundkonstruktion ausgebildet und die Kuppel über dem Gebetssaal als effizientes stählernes Raumfachwerk entworfen.

Foto © Krebs+Kiefer  

Eine besondere Herausforderung stellte die Beherrschung der Bauzustände bei der Herstellung der Gründung in dieser sensiblen Erdbebenzone dar. Es ist den Entwurfsverfasser:innen nach Überzeugung der Jury gelungen, die hohen ästhetischen Ansprüche mit den technischen Anforderungen in Bezug auf die Erdbebensicherheit auf elegante Weise in Einklang zu bringen.“

Erneuerung Saaneviadukt und Doppelspurausbau Gümmenen (Schweiz)

Jurybegründung: „Die Erneuerung des Saaneviadukts überzeugte die Jury durch den respektvollen und subtilen Umgang mit dem Bestandstragwerk. Die neuen Tragelemente fügen sich unaufgeregt in das Bild des Gesamtbauwerks ein. Durch den maximalen Erhalt der Originalsubstanz leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum Denkmalschutz.

Foto © Fürst Laffranchi Bauingenieure GmbH 

Insbesondere aufgrund des Ausbaus von Einzel- auf Doppelspur und den damit verbundenen höheren Lasten ist der geringe Eingriff in die Natursteinkonstruktion bemerkenswert. Die bestehende alte Stahlfachwerkbrücke wurde durch eine neuzeitig interpretierte und dennoch klassische Lösung ersetzt. Die Jury würdigt den sorgfältigen und ressourcenschonenden Umgang mit dem Viadukt und ist beeindruckt von der Selbstverständlichkeit dieser komplexen und anspruchsvollen Umbaumaßnahme.

Hochmoselbrücke im Zuge des Hochmoselübergangs ‚B50 neu‘ bei Zeltingen-Rachtig (Deutschland)

Jurybegründung: „Die Jury würdigt die anspruchsvolle Arbeit der Ingenieur:innen, welche sich durch eine enge Abstimmung zwischen Gründung, Pylonen und Überbau auszeichnet. Die einseitige Vormontage und der Einschub ohne Hilfsstützen reduzieren den erforderlichen Landschaftseingriff.

Foto © Rene Legrand 

Die Hochmoselbrücke ist eine der größten Talbrücken Deutschlands, die sich nach Überzeugung der Jury elegant in die Mosel-Kulturlandschaft einbettet.“

Musée Atelier Audemars Piguet, Le Brassus (Schweiz)

Jurybegründung: „Die Idee, für die Ausstellung und Manufaktur des Uhrenherstellers eine eigene Identität zu erschaffen, spiegelt sich in der Architektur des Bauwerks wider. Die Geometrie mit gegenläufigen Kreisen simuliert die Unruh eines Uhrwerks. Nach Ansicht der Jury fügt sich das Gebäude durch die transparente Bauweise mit den begrünten Dachflächen ausgesprochen harmonisch in die umgebende Landschaft ein.

Foto © Audemars Piguet 

Das innovative Tragwerk nimmt sich zurück und ist durch seine aussteifenden, gekrümmten Glaselemente kaum wahrnehmbar. Den Ingenieur:innen ist es hervorragend gelungen, die tragende Struktur und raumbildende Fassade miteinander zu verschmelzen.“

Stuttgarter Holzbrücke an der Birkelspitze, Weinstadt im Remstal (Deutschland)

Jurybegründung: „Die Holzbrücke an der Birkelspitze beeindruckte die Jury damit, wie das Bauwerk in Form und Materialität überzeugend auf die örtlichen Randbedingungen reagiert. Der beidseitig eingespannte Holz-Beton-Verbundbalken ermöglicht eine überzeugende Schlankheit als integrale Geh- und Radwegbrücke. Die Seilnetz-Geländer­aus­fachung erzeugt Transparenz.

Foto © Burkhard_Walther 

Das Haupttragwerk aus Leimholzträgern wird durch die trageffiziente und dauerhafte Fahrbahn aus carbonfaserbewehrten Betonfertigteilen geschützt. Der Überbauträger wird mittels einer einfachen, originellen und robusten Fügung mit den Stahlbeton-Wi­derlagern verbunden. Insgesamt, so die Meinung der Jury, verdeutlicht die Brücke in bester Weise einen ganzheitlich-innovativen Ansatz, der einen schlüssigen Weg zum ressourceneffizienten Bauen anbietet.“

Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis 2022

Der Ingenieurbaupreis, ausgelobt vom Verlag Ernst & Sohn zeichnet herausragende Leistungen im Konstruktiven Ingenieurbau aus. Er soll das Wirken von Bauingenieuren und ihr Engagement für Baukultur ins öffentliche Bewusstsein rücken. Zugelassen sind Projekte deren Ingenieurleistung in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum erbracht wurde. Der Standort des Bauwerks kann sich weltweit befinden. Zugelassen sind auch Bauprojekte, die von ausländischen Ingenieur:innen in Deutschland gebaut wurden.

Der Preisträger des Ernst & Sohn Ingenieurbaupreises 2022 wird im Rahmen einer zweiten Jury-Sitzung ausgewählt, zu der die Einreicher weitere Unterlagen und vertiefende Informationen zur Verfügung stellen können. Die Bekanntgabe des Preisträgers und weiterer Auszeichnungen erfolgt im Januar 2022.

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