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Finalisten des DAM Preises 2022

(8.11.2021) Seit 2007 werden mit dem DAM Preis für Architektur jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2022 wurde der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum sechsten Mal in Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner in einem gestaffelten Juryverfahren vergeben. Eine Expertenjury unter Vorsitz von Christiane Thalgott bestimmte jetzt aus dem Feld der Shortlist vier Projekte für die engere Wahl. Die Projekte sind den Bereichen Kultur und Bildung, Forschung, Arbeit sowie Wohnen zuzuordnen.

Genossenschaftliches Wohnhaus „San Riemo“, München

Auszug aus der Kritik von Christiane Thalgott: Das San Riemo bringt zur Heinrich-Böll-Straße (siehe Google-Maps) mit seiner gläsernen Fassade aus beweglichen Fenstertüren und einer vorgelagerten Schicht aus gewellten Polycarbonatplatten in die Nachbarschaft mit  den anderen, streng gestalteten Genossenschaftshäusern eine heitere Note. Türkisfarbene Deckenplatten, Vorhänge und Rahmungen der großformatigen Fenster im Erdgeschoss unterstreichen diesen Eindruck.

Foto © Florian Summa  Foto © Petter Krag

Das gemeinschaftlich genutzte Erdgeschoss ähnelt einer überdachten Spielstraße. Das Haus bietet darüber hinaus eine hohe Flexibilität dank interessanter Grundrisse. Von den drei Typen, dem sogenannten Basis-, Filial- und Nukleuswohnen stellt letzteres die experimentellste Form dar: Mehrere Wohnungen geben Flächen in einen „Pool“, dessen Nutzung wechselnd definiert werden kann.

John Cranko Ballettschule, Stuttgart

Auszug aus der Kritik von Katharina Matzig: Von Beginn an war es den Entwerfern ein Anliegen, die notwendigen Übungsräume - acht Ballettsäle, zudem Gymnastik-, Trai­nings- und Physiotherapieräume - der Nutzung entsprechend zu gestalten: „In Analogie zum Tanz ordnen und fügen sich die Räume im Grund- wie im Aufriss in Sequenzen, in rhythmischen Wiederholungen aneinander und in das Ganze ein.“ Und das auf anspruchsvollem Grund, dem Gelände des ehemaligen Wasserwerks:

Foto © Brigida Gonzalez 

21 mm beträgt der Höhenunterschied zwischen der oberen und der unteren Erschließung (siehe auch Google-Maps). Für den 90 mal 36 mm langen Baukörper mit gut 13.000 m² Grundfläche, der sich mit insgesamt zehn Ebenen den Hang entlang terrassiert, ergeben sich somit sinnfällig zwei Adressen, eine obere, wo das Internat liegt, und eine untere mit Probebühne, die auch für öffentliche Aufführungen genutzt wird.

Forschungshäuser Bad Aibling

Auszug aus der Kritik von Christoph von Oefele: Da stehen sie, in Reih und Glied, drei Häuser nebeneinander. Ein wenig römisch in der Anmutung, nicht nur wegen der systematischen Anordnung, sondern auch durch die flach geneigten Dächer, die tiefen Laibungen und die Rundbögen. Äußerlich wirken sie sehr ähnlich, jedoch ist eins aus Holz, eins aus Ziegel und eins aus Leichtbeton gebaut. Egal in welcher Bauweise, alle drei sollen mindestens 100 Jahre halten (auch sehr römisch!) und stehen entsprechend fest da. In diesem Fall sogar als Manifest.

Die eigentliche Bedeutung der drei Gebäude ist mit den Augen allein nicht sichtbar: Sie sollen nicht weniger als die Frage nach dem „Einfach Bauen“ beantworten, eine Frage von sehr hoher gesellschaftlicher Relevanz (siehe auch Google-Maps). Schließlich geht es auf sozialer Ebene um bezahlbaren Wohnraum und auf ökologischer Ebene um eine langfristig wirksame und verträgliche Strategie nachhaltigen Bauens und Wirtschaftens. „Einfach Bauen“ ist die Vereinfachung der Gebäudehülle und die radikale Abkehr von kurzlebigen, teuren und anfälligen Gebäudetechniksystemen. An ihre Stelle tritt die Konzentration auf eine flexible, langlebige Gebäudestruktur, auf eine robuste Gebäudehülle, auf die Kreislaufwirtschaft der Baustoffe und die Untersuchung der Auswirkungen des intuitiven Verhaltens der Nutzer im Alltag - einer kleiner Querverweis dazu: „Drei ähnliche Studentenwohnhäuser in München sollen ökologischen Trend setzen“ vom 25.8.2019.

Axel-Springer-Neubau, Berlin

Auszug aus der Kritik von Peter Cachola Schmal: „Der Wettbewerb für den neuen Axel-Springer-Campus stellte auch die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten wollen. Dafür hat der Beitrag von Rem Koolhaas eine spektakuläre Antwort vorgeschlagen, die den zukünftigen Nutzern eine Arbeits- und Kommunikationslandschaft eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat,“ so lobte der Juryvorsitzende Friedrich von Borries vor acht Jahren den Wettbewerbsgewinner OMA, der in der letzten Runde gegen seine beiden Konkurrenten BIG und Ole Scheeren gewonnen hatte.


Foto © Laurian Ghinitoiu

Heute steht der „schwarze Brocken“ und hält 3.000 Arbeitsplätze bereit (siehe Google-Maps). Wegen der andauernden Pandemie allerdings durften diese bisher noch nicht voll besetzt werden. Und so zeigte sich der Jury Ende August 2021 bei ihrem Ortsbesuch eine gespenstische Stille, die so gar nichts von dem schwirrenden Bienenstock der Zukunft hatte, in den man sich ja lebhaft hineinfantasiert hatte. Der Raumeindruck dagegen ist überwältigend: Da fließt ein gigantisches, von Brücken durchquertes Raumkontinuum bis unter das Dach, hinein schieben sich über mehrere Ebenen Terrassen mit Arbeitsplätzen und Aufenthaltsflächen. Die Architekten konnten zum Glück auch die gesamte Inneneinrichtung konzipieren. Von oben betrachtet kommt die Realität ihren früheren Renderings und Modellen ziemlich nahe.

Architekturführer Deutschland 2022

Die Finalisten werden mit der Veröffentlichung des Architekturführers Deutschland 2022 und mit allen nominierten Bauten in einer handlichen gedruckten Version vorgestellt. Das bei DOM publishers verlegte Buch ist bereits erschienen:

  • Architekturführer Deutschland 2022
  • Herausgeber: Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal
  • November 2021
  • 135 x 245 mm, 224 Seiten
  • 500 Abbildungen, Softcover
  • ISBN 978-3-86922-785-6
  • erhältlich u.a. bei Weltbild und Amazon
  • siehe Architekturführer Deutschland 2022

siehe zudem:

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