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DAM Preis 2021 für WERK 12 in München


  

(5.2.2021) Der DAM Preis 2021 wurde an die ARGE MVRDV und N-V-O Nuyken Von Oefele Architekten für WERK 12 verliehen. Das Gebäude steht auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände. Das Areal entwickelt sich seit einigen Jahren zu einem experimentierfreudigen Stadtviertel (siehe Google-Maps).

Der neue Stadtteil Werksviertel liegt südöstlich des Ostbahnhofs. Hier entsteht seit etwa zehn Jahren ein transformierter Industriestadtteil, der deutliche Erinnerungen und bauliche Symbole an sein Vorleben stehen lässt. Hallen, Silos und Bahngleise zeugen von der Zeit, als hier nicht nur Pfanni-Knödel hergestellt wurden, sondern auch Zündapp-Motorräder, Kleidung und vieles mehr.

Fotos © Ossip van Duivenbode 

Die früheren Pfanni-Eigentümer vergeben freie Flächen nur im Erbbaurecht, statt sie zu verkaufen - wenn sie nicht selber als Entwickler auftreten. Und so „wuchert“ inzwischen eine bunte Mischung aus Gastronomie und Hotels, Start-Ups und Künstlerateliers, subkulturellen Bühnen bis hin zu neuen Wohnungen und Schulen an diesem Knotenpunkt der S-Bahn-Stammstrecke - nur drei Stationen vom Marienplatz entfernt. Die hohe Kultur in Form einer Konzerthalle für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks soll ebenfalls eines Tages dort realisiert werden.

Am zentralen Platz des Viertels, passenderweise Knödelplatz getauft, steht mit WERK 12 nun ein Bauwerk, das sich selbst als krasses Gegenstück zur Münchner Innenstadt inszeniert. Im Sommer 2020 wirkten manche der Elemente, die vor Jahren bereits entworfen wurden, besonders weitsichtig. So garantieren außen liegende, mehr als drei Meter breite Terrassen mit ihren einläufigen und klimatisch offenen Betontreppen einen wichtigen Aspekt der „Neuen Normalität“, die von vielen bevorzugte Nutzung des Außenraums zu Vermeidung einer Covid-19-Infektion. Besonders prägend für die Fassade und den frisch-frechen Auftritt des Gebäudes sind riesige Buchstaben mit Lautmalereien, die von Comics inspiriert sind.

Für das Konzept des Hauses aus fünf übereinander gestapelten doppelgeschossigen Plattformen war eine - mitsamt dem Aufzug - vollständig außenliegende Erschießung unerlässlich. So stand jedes Geschoss zur freien Verfügung offen - und das wurde weidlich genutzt, denn eigentlich sind durch Galerien im Wechselspiel mit doppelgeschossigen 5,50 Meter hohen Räumen sogar auf zehn Geschossen Nutzungsmöglichkeiten entstanden. Verglasungen vom Boden bis zur Sichtbetondecke schaffen dabei eine enge Verbindung zwischen innen und außen:

Hauptmieter ist ein über 4.500 m² großes Fitness-Studio, das sich über drei Geschosse erstreckt. Eine Nutzung, die perfekt zum Image von München als Hauptstadt des gehobenen Körperkults passt. Im Erdgeschoss wird dieses Studio von mehreren Gastronomiebetrieben unterfüttert.

Oben auf der Penthouse-Ebene blickt eine Mobilitätsforschungsgruppe von Audi in die Zukunft und möglicherweise bald auch eine Bar in die große Weite (deren Fläche aber wegen Corona beim Jurybesuch noch nicht vermietet war).

MVRDV haben mit ihrem Entwurf an ihre eigene Frühzeit angedockt: Der alte Niederländische Pavillon von der Expo Hannover 2000 hatte mit der gestalterischen Aussage von Wandelbarkeit und Flexibilität dem Bauherrn so imponiert, dass er Jacob van Rijs von MVRDV ursprünglich bat, diesen einfach nach München zu translozieren. So befruchtete der alte Traum der gestapelten niederländischen Landschaften die neuen gestapelten Landschaften im Münchner Körpertempel. Eine äußerst fruchtbare Verwandlung! Die sich in ebenso fruchtbarer Kooperation vollzogen hat: Das beteiligte Büro N-V-O war im Werksviertel bereits mit dem Umbau der Kartoffellagerhalle zum Theaterbau WERK 7 in unmittelbarer Nachbarschaft aktiv.

Architekturführer Deutschland 2021

Architekturführer Deutschland 2021
  

Die DAM Preis-Finalisten werden mit der Veröffentlichung des Architekturführers Deutschland 2021 und mit allen nominierten Bauten in einer handlichen gedruckten Version vorgestellt. Das bei DOM publishers verlegte Buch ist bereits erschienen:

  • Herausgeber: Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal
  • 2020
  • Softcover, 224 Seiten, 135 × 245 mm, 500 Abbildungen
  • ISBN: 978-3-86922-771-9
  • erhältlich u.a. bei Weltbild und Amazon

Kooperationspartner des DAM Preis ist seit 2017 die Albrecht JUNG GmbH & Co. KG.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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