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Techem-Verbrauchskennwerte-Studie: Energieeffizienz in vielen Immobilien nicht ausreichend

(4.10.2022) Deutschland und Europa steht ein harter Winter bevor. Der Klimawandel, die Energiewende und die Sicherstellung der Energieversorgung fordern die ganze Aufmerksamkeit sowie schnelles Handeln aller. Seit dem Ausbruch der Versorgungskrise geht es bei der Energiewende nicht mehr nur um die Dekarbonisierung, sondern auch um die europäische Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland. Auch die Te­chem-Verbrauchskennwerte-Studie (VKW-Studie) 2021 bestätigt: Noch immer werden gut 52% der Wohnungen in Deutschland mit Erdgas beheizt. Die Studie liefert umfassende Ergebnisse und Einblicke in die Ist-Situation. Sie basiert auf der Auswertung und Analyse von Daten zu Endenergie- und Wasserverbrauch sowie Kosten für Heizung und Warmwasser aus 2,1 Mio. deutschen Wohnungen in rund 176.000 Mehrfamilienhäusern.

Viel Luft nach oben

Die Auswertungen von Techem zeigen, dass ein Großteil der untersuchten Immobilien eine verbesserungsbedürftige Energieeffizienz aufweist. Auch das Alter der Heizungsanlagen ist weiterhin teilweise hoch. Ein Drittel ist älter als 25 Jahre und entsprechend ineffizient. Dieses erhebliche Potenzial für die Erneuerung oder den Umstieg auf effiziente Technologien bei der Wärmerzeugung geht wiederum aus der Auswertung der Daten von rund 92.000 aktuell erstellten Energieausweisen hervor.

Darüber hinaus ist ein effizienter und hochautomatisierter Heizungsanlagenbetrieb entscheidend für einen emissionsarmen Immobiliensektor. So gegen Experten davon aus, dass allein durch kontinuierliches Heizungsmonitoring sowie eine optimierte Betriebsführung eine Effizienzsteigerung in der konventionellen Wärmeerzeugung im Bestand von etwa 15% möglich sein sollte. Optimale Dämmung der Gebäudehülle wiederum verspricht Einsparpotenziale von 30 bis 50%. Das auf Energieeinsparung ausgerichtete Nutzerverhalten, insbesondere beim Lüften, ermöglicht noch einmal 10 bis 15% Verbrauchsreduktion.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Rande der aktuell laufenden Expo Real in München erläuterte Techem CEO Matthias Hartmann: „In Zeiten der Gaskrise und angesichts notwendiger Dekarbonisierung im Gebäudebestand müssen alle Marktteilnehmer zusammenrücken und gemeinsam Energieeffizienzlösungen entwickeln. Hier ermöglichen uns wissenschaftliche Arbeiten, Energieeinsparpotenziale zu erkennen und dringend notwendige Handlungsempfehlungen abzuleiten. Unsere Techem Verbrauchs­kenn­werte-Studie zeigt die Handlungsfelder auf. Auch Forschungsprojekte wie Balt­Best, welches wir u.a. in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) durchgeführt haben, gibt weitere Handlungsempfehlungen. Die dabei gewonnen Daten helfen uns, gemeinsam mit starken Partnern, wie der GWH Immobilien Holding GmbH, Projekte zur Reduktion des Wärmeenergieverbrauchs umzusetzen. Mit dem Ziel, die eingesetzten Maßnahmen stetig weiterzuentwickeln. Für einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045.“

CO₂e-Emissionsreduktion - Stagnation bei Verbrauch für Raumheizung

Die Relevanz des Nutzerverhaltens wird einmal mehr deutlich beim Blick auf die emittierten Kohlendioxid-Äquivalente (CO₂e), die durch Raumheizung und Trinkwassererwärmung in Mehrfamilienhäusern entstehen. Diese sind witterungsbereinigt im Jahr 2020 gegenüber 2018 um etwa 13% - bezogen auf Wohnfläche bzw. pro Nutzeinheit - gesunken, obwohl die Verbräuche für Raumheizung und Warmwasser in diesem Zeitraum nahezu stagnierten. Die Ursache für diese Emissionssenkung liegt folglich nicht im geänderten Verbrauchsverhalten, sondern im veränderten Energiemix und den damit verbundenen veränderten Emissionsfaktoren.

„Auf dem Weg zu einer höheren Energieeffizienz kommen wir nicht an den Mietenden vorbei", betonte auch Dr.-Ing. Arne Kähler, Leiter des Techem Research Institute on Sustainability (TRIOS) und einer der Autoren der Studie. „Unser Ziel muss es daher weiterhin sein, Energie mit durchdachten digitalen Lösungen einzusparen, erneuerbare und CO₂-neutrale Energiequellen sowie die dafür erforderlichen Infrastrukturen auszubauen, in der Breite zu etablieren sowie die Nutzung der Energie kontinuierlich durch Effizienzsteigerungen zu verbessern und dabei die gesamte Wärmekette im Gebäude von der Wohnung bis in den Keller im Blick zu haben“, erläuterte Herr Kähler.

Wärmepumpen bieten erhebliches Potenzial für Betriebsoptimierung

Bei der Energiewende und der erforderlichen Verminderung der Abhängigkeit von Erdgas sowie anderen fossilen Energieträgern spielen elektrisch betriebenen Wärmepumpen eine Schlüsselrolle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren 2021 Wärmepumpen mit einem Anteil von 50,6% das bevorzugte primäre Wärmeerzeugungssystem - siehe auch Beitrag „Mehr als die Hälfte der 2021 gebauten Wohngebäude heizt mit Wärmepumpen“ vom 2.6.2022. Während der Anteil bei Ein- und Zweifamilienhäusern bei 53,9% lag, waren es bei Mehrfamilienhäusern immerhin 30,6%. Es ist zu erwarten, dass diese Werte in den nächsten Jahren weiter deutlich ansteigen werden. Die Techem-Studie zeigt, dass das schlummernde Effizienzpotenzial bei Wärmepumpen im Bestand enorm ist.

„Durch die Kombination aller Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudehülle, des Verhaltens der Nutzenden sowie der Anlageneffizienz könnte - das zeigen uns die vorliegenden Daten auf - sogar ein Gesamtpotential zur Vermeidung von ca. 20 Mio. t CO₂e im deutschen Mehrfamilienhausbestand erschlossen werden“, resümierte Herr Hartmann abschließend.

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