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Leichte Innenwände bei der Modernisierung erhaltenswerter Bausubstanz

  • Autor: Dipl.-Ing. (FH) Olaf Schröder, Vertriebsingenieur bei der Porit GmbH

(4.10.2007) Deutschlands Ein- und Mehrfamilienhäuser kommen in die Jahre. 60 Prozent der 34 Millionen Wohnbauten sind mehr als fünfzig Jahre alt, lassen sich aber durch Sanierung, Um- und/oder Anbau heutigen Nutzungsanforderungen anpassen. Der Jahresumsatz der Bauwirtschaft wird nicht mehr in erster Linie im Neubaubereich gemacht, sondern zunehmend beim Bauen im Bestand. Um Umfang und finanziellen Aufwand einer Modernisierung konkret planen zu können, ist eine Bestandsaufnahme durch einen Fachmann, z.B. einen Architekten, dringend angeraten. Nur aus Expertensicht sollte beurteilt werden, welche Wände ohne Beeinträchtigung der Standsicherheit entfernt werden dürfen und welcher Baustoff sich für den Einbau neuer Zwischenwände eignet.

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Bild: Bundesverband Porenbeton

Als Baustoff für Modernisierungsmaßnahmen hat sich seit Jahren Porenbeton bewährt. Dieser ökologische, mineralische Baustoff, der aus Kalk, Sand, Wasser und 0,1% Aluminium zur Porenbildung besteht, wird in den Druckfestigkeitsklassen 2, 4 und 6 und in Rohdichteklassen von 0,35 bis 0,70 produziert. Aufgrund des hohen Anteils fest gebundener Luftporen - sie machen ca. 80% aus - und nur etwa 20% Feststoffen besitzt er eine geringe Wärmeleitfähigkeit (zwischen 0,09 bis 0,21 W/mK) und damit hervorragende Dämmeigenschaften - Vorteile, die für seine Verwendung für nichttragende Innenwände zwischen beheizten und unbeheizten Räumen sprechen. Die Entwicklung und Einführung weiter verbesserter Wärmeleitzahlen ist bereits absehbar. Die Formatpalette reicht von Bauplatten in den Wandstärken 5, 7,5 sowie 10 cm über Plansteine mit 11,5, 15, 17,5, 20, 24, 30 und 36,5 cm Wandstärke bis zu großformatigen XL-Elementen mit einer Schichthöhe von 50 bzw. 62,5 cm. Ab Wandstärke 11,5 cm werden die Steine mit einem Nut- und Feder-System angeboten.

Massiv, vielseitig, leicht - Trennwände aus Porenbeton

Nichttragende innere Trennwände werden nach DIN 4103-1 als scheibenartige Bauteile definiert, die keine statischen Aufgaben für die Gesamtkonstruktion zu erfüllen haben. Sie müssen lediglich ihre Eigenlast, einschließlich Putz und Bekleidung, sowie die auf ihre Fläche wirkenden Lasten aufnehmen und sie an angrenzende Bauteile, wie Wände, Decken und Stützen, abtragen können.

Die Berücksichtigung der in die Geschoßdecken eingeleiteten Lasten wird in zwei Schritten durchgeführt. Zuerst wird das Flächengewicht nach DIN 1055-1 (Wichten und Flächenlasten von Baustoffen, Bauteilen und Lagerstoffen) ermittelt. Mit dem zweiten Schritt erfolgt die Berechnung der Last je m Wandlänge. Denn nach DIN 1055-3 (Eigen- und Nutzlasten für Hochbauten) gibt es einen Trennwandzuschlag für leichte Trennwände. Beträgt das Wandgewicht max. 3,0 kN/m Wandlänge, werden bei der Deckenbemessung 0,8 kN/m² zur Nutzlast hinzugezogen, bis 5,0 kN/m sind es 1,25 kN/m².

Rechenbeispiel Wandflächengewicht für eine 10 cm dicke Innenwand aus Porit-Planbauplatten (PPpl 0,6) inklusive Putz - regionales Lieferprogramm ist zu beachten:

  • Rechenwert der Eigenlast: 7,0 kN/m³ (nach DIN 1055-1)
  • Mauerwerk: 7,0 x 0,10 = 0,70 kN/m²
  • Putz: 10 mm Gipsputz = 2 x 0,1 kN/m²
  • Ergibt 0,90 kN/m² gesamt x 2,75 m Wandhöhe = 2,48 kN/m
  • Zuschlag: 0,8 kN/m²

Selbst nichttragende Innenwände, die aufgrund von beispielsweise bauphysikalischen Vorgaben mit größeren Wandstärken ausgeführt werden müssen, erfüllen die gestellten Anforderungen leicht.

Rechenbeispiel Wandflächengewicht für eine 24 cm dicke Innenwand aus Plansteinen (PPW2/0,4):

  • Rechenwert der Eigenlast: 7,0 kN/m³
  • Mauerwerk: 5,0 x 0,24 = 1,2 kN/ m²
  • Putz: 2 x 0,10 = 0,20 kN/m²
  • Ergibt 1,4 kN/m² gesamt x 2,75 m Wandhöhe = 3,85 kN/ m.
  • Zuschlag: 1,25 kN/m²

Zu den Lasten, die die nichttragenden Wände aufnehmen müssen, gehören leichte Konsollasten von 0,4 kN/m, in der Regel für Regale ausreichend. Abhängig vom Einbaubereich wird die Biegegrenztragfähigkeit in 90 cm Höhe überprüft. Denn durch Menschengedränge oder "Anlehnen" entstehende Horizontallasten sollen sicher aufgenommen werden. Weiterhin müssen Trennwände sowohl weichen Stößen, wie beim Anprall eines menschlichen Körpers, als auch harten, wie beim Möbelrücken, widerstehen.

Standsicherheit - eine Frage der Ausführung und der Wandanschlüsse

Ihre Standsicherheit erhalten die nichttragenden Wände aus Porenbeton u.a. durch starre oder elastische Anschlüsse an die angrenzenden Bauteile. Ist mit erhöhten Spannungen durch Verformung der angrenzenden Bauteile zu rechnen, muss elastisch angeschlossen werden. Das verringert die Gefahr unplanmäßiger Krafteinleitungen. Ausgeführt werden sie im Wand-Wand-Anschluss, z.B. durch Maueranschluss-Schienen. Die Fuge zwischen den Bauteilen wird mit Mineralwolle verschlossen. Bestehen Anforderungen an den Brandschutz, muss die Mineralwolle in Baustoffklasse A, mit einem Schmelzpunkt ≥ 1000°C und einer Rohdichte ≥ 30 kg/m³ eingebaut werden.


seitlich, gleitfähiger Anschluss ... seitlich, starrer Anschluss ... ... jeweils im Horizontalschnitt

Ein starrer Anschluss mit Mörtelfuge ist dann angebracht, wenn nur mit geringen Verformungen aus den flankierenden Bauteilen zu rechnen ist und die Wandlängen maximal 5 m betragen. Die seitliche Verbindung zwischen Innenwand und angrenzendem Bauteil erfolgt durch Stumpfstoß mit einer Mörtelfuge in MG III bzw. Dünnbettmörtel oder Profile.

Ähnlich verhält es sich mit dem Deckenanschluss. Ein starrer Anschluss ist nur bei geringem Durchbiegen der Decken möglich. Häufig empfiehlt sich eine elastische Ausbildung des oberen Anschlusses. Dazu endet die Wand 2 cm unterhalb der Decke, die entstehende Fuge wird mit Mineralwolle geschlossen. Wird eine obere Halterung notwendig, erfolgt der Anschluss mit geeigneten Profilen. In Absprache mit dem Tragwerksplaner kann die obere Fuge nachträglich vermörtelt werden, wenn aus Verformungen der darüber liegenden Bauteile keine Lasten in die Trennwand eingeleitet werden.

Die erste Steinschicht der Trennwände wird immer in eine Mörtelfuge aus Zement- oder Kalkzementmörtel (MG IIa bzw. III) gesetzt. Bei größeren Deckenspannweiten ab ca. 5 m wird zusätzlich eine Gleitschicht in die Fuge eingelegt (Bild rechts), um Spannungen und daraus resultierende Risse in Folge von Deckendurchbiegungen zu reduzieren - das Mauerwerk wird von der Decke abgekoppelt. Die Steine werden im Verband vermauert. Das Fugenüberbindemaß sollte möglichst groß sein, d.h. bestenfalls 0,5 x Steinhöhe betragen. Um eine hohe Haftscherfestigkeit und eine vollfugige Vermauerung zu erreichen, ist es wichtig, bei der Verarbeitung des Dünnbettmörtels die von den Porit-Herstellern empfohlene Konsistenz und Auftragsstärke von 1 bis 3 mm einzuhalten. Bei Wänden mit oberem freien Rand müssen generell die Stoßfugen vermörtelt werden, auch bei Steinen mit Nut und Feder - eine Forderung, die grundsätzlich für alle Steinmaterialien gilt. In der Praxis wird das aus Unkenntnis häufig missachtet.

Schneller Baufortschritt

Die Verarbeitung der Porenbetonsteinen verspricht einen schnellen Baufortschritt. Auf der Baustelle lassen sich Passstücke unkompliziert und genau sägen. Jegliche Maße, wie Höhen- und Gehrungsschnitte, sind problemlos möglich. Die Verarbeitung der Plansteine im Dünnbettmörtel sorgt für einen geringen Feuchteeintrag. Der Auftrag des Mörtels kann wirtschaftlich mit geeigneten Dünnbettmörtelkellen oder Mörtelschlitten erfolgen (siehe Beitrag "Porit-Porenbeton  im Dünnbettverfahren" vom 17.3.2006). Aufgrund der hohen Maßgenauigkeit der Steine kann der Putz als Dünnputz mit 10 mm bzw. häufig sogar als Dünnlagenputz ausgeführt werden. Durch präzise Bearbeitung und Zuschnitte fällt weniger Bauschutt an. Der Aufwand bei Folgearbeiten wie Schlitzen und Bohren ist gering. So können Leitungsschlitze mit einem Rillenkratzer hergestellt und Aussparungen für Steckdosen und Schalter gebohrt werden. Aufwendige Stemmarbeiten entfallen. Aufgrund der planebenen Wandoberflächen lassen sich Fliesenbeläge direkt auf das Mauerwerk verlegen.

Hoher Brandschutz und Schallschutzbonus als weiteres Plus

Für die Wahl des Baustoffs Porit sprechen die ausgezeichneten bauphysikalischen Eigenschaften sowie die gute Verarbeitbarkeit. Neben exzellenten Wärmedämmwerten zeichnet sich Porit durch gute Brand- und Schallschutzeigenschaften aus: Bereits eine 7,5 cm dicke, beidseitig verputzte Innenwand erfüllt die Brandschutzklassifizierung F90-A. Schon ab 24 cm Wanddicke, Festigkeitsklasse 2 und Rohdichte 0,4, ist die Anforderung einer Brandwand erfüllt. Zu beachten ist hierbei die Einhaltung bestimmter Randbedingungen gemäß DIN 4102-4, z.B. vermörtelte, glatte Stoßfugen (siehe auch Beitrag "Neuauflage der Porit-Broschüren: Mauerwerk und Brandschutz" vom 23.10.2006).

Schallschutz-Untersuchungen wiederum haben ergeben, dass Porenbeton aufgrund innerer Materialdämpfung einen um 2 dB günstigeren Schallschutzwert aufweist als vergleichbare Baustoffe. Dies gilt für Wände mit einer flächenbezogenen Masse < 250kg/m².

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