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Je jünger, desto wichtiger: ÖPNV für die Wohnortwahl entscheidend

(29.4.2019) Für Arbeitnehmer im Raum Stuttgart ist das Pendeln Normalität. Laut einer repräsentativen Umfrage von Kantar TNS im Auftrag von Wüstenrot halten 51% der Befragten eine Anfahrtszeit zur Arbeitsstätte von bis zu 30 Minuten für zumutbar - über ein Viertel sogar von bis zu 45 Minuten. Zudem wurde festgestellt, das eine gute Verkehrsanbindung ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des Wohnorts ist.

Besonders der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) steht dabei im Zentrum des Interesses: Eine gute S- oder U-Bahn-Anbindung ist rund acht von zehn Menschen zwischen 14 und 64 Jahren wichtig. Selbst unter den Senioren ab 65 sind es noch knapp sieben von zehn Befragten. 86% der befragten Menschen zwischen 40 und 64 Jahren erwarten außerdem von ihrem Wohnort gute Fuß- und Fahrradwege. Auffällig ist zudem, dass der Wunsch nach guter Anbindung an Schnellstraßen oder Autobahnen für junge Menschen an Bedeutung verliert: Bei den Befragten zwischen 14 und 39 Jahren ist dies mit 56% nur einer knappen Mehrheit wichtig. Bei 40- bis 64-Jährigen steigt dieser Wert auf 63%, während der gute Zugang zu Schnellstraßen für 72% der Senioren wichtig ist.

Auto verliert bei jungen Menschen an Bedeutung

Bisher ist das Auto deutlich die erste Wahl für die individuelle Fortbewegung: 61% der Befragten nennen den Pkw zuerst, wenn es um hauptsächlich genutzte Verkehrsmittel geht. Dabei zeigen sich je nach Alter aber deutliche Unterschiede: Während unter den 14- bis 39-Jährigen nur knapp die Hälfte das Auto als Hauptverkehrsmittel nennt, sind es unter den Menschen zwischen 40 und 64 Jahren 70%. Bei den jungen Menschen nutzen zudem fast 40% der Befragten primär öffentliche Verkehrsmittel, bei den 40- bis 64-Jährigen hingegen nur 9%.

„Hier scheint es einen Generationenwandel zu geben. Bei jungen Leuten nimmt die Bedeutung für das eigene Auto offensichtlich ab. Wenn Städte und Gemeinden diese als Einwohner halten oder gewinnen wollen, braucht es verstärkte Investitionen in eine gute ÖPNV-Infrastruktur“, bewertet Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse AG, das Thema Wohnen mit Blick auf die Verkehrspolitik.

Viele würden gerne verstärkt ÖPNV nutzen

Naturgemäß zeigen sich darüber hinaus Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Wohnorten. In Stuttgart nutzt beispielsweise ein Drittel der Befragten primär die S- oder U-Bahn, in Ludwigsburg sind es noch zwölf Prozent.

Weitere Potenziale für den ÖPNV zeigt ein Blick auf die präferierten Verkehrsmittel. Wenn sich Menschen ihr Transportmittel aussuchen könnten, würden die öffentlichen Verkehrsmittel (S-/U-Bahn, Zug, Bus) mit 39% sogar knapp vor dem eigenen Pkw (38%) liegen. Auch hier zeigt sich die Jugend besonders aufgeschlossen gegenüber Bus und Bahn: 46% würden öffentliche Verkehrsmittel wählen, nur 28% den eigenen Pkw.

Fahrrad nur ein Baustein künftiger Verkehrskonzepte

Derzeit ist das Fahrrad für die meisten Befragten nicht der Ausweg aus der Verkehrskrise. Als tatsächliches Hauptverkehrsmittel wird es nur von gut jedem Zehnten genutzt. Selbst wenn sie es sich aussuchen könnten, würden nur 18% der Befragten das Fahrrad wählen.

„Wenn man sich die öffentlichen Diskussionen anschaut, erhält man manchmal den Eindruck, das Fahrrad sei das Allheilmittel gegen den viel zitierten Verkehrsinfarkt. Doch nur mit dem Ausbau von Fahrradwegen werden Städte und Gemeinden als potenzieller Wohnort für einen Großteil der Bevölkerung nicht attraktiv. Es braucht vielmehr ganzheitliche Verkehrskonzepte, die Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel intelligent miteinander vernetzen“, sagt Hertweck.

Minderheit der Bürger zu persönlichen Einbußen bereit

Die Bereitschaft zu persönlichen Einbußen für eine verbesserte Verkehrssituation am Wohnort fällt eher gering aus. Am ehesten nähmen die Befragten mit 41% noch Fahrverbote in Kauf. Höhere Preise für den ÖPNV-Ausbau würden 37% der Befragten akzeptieren; zusätzliche Gebühren für die Straßennutzung sind nur für ein Viertel denkbar.

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