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PwC-Analyse: Luftseilbahnen als umweltfreundliche Alternative im Stadtverkehr


  

(16.8.2022) Staus und dichter Pendlerverkehr, Abgas- und Lärmbelästigung gehören gerade in größeren Städten zum Alltag. Eine der wichtigsten Alternativen, der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), stößt vielerorts an seine Kapazitätsgrenzen. Gefragt sind daher Konzepte, jenseits des Tellerrandes. Dazu zählen Seilbahnen.

Seilbahnen sind förderfähig

Seilbahnen könnten den ÖPNV künftig auch in Europa und Deutschland als umweltfreundliches und wirtschaftliches Verkehrsmittel ergänzen - zumal das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) Seilbahnen seit 2020 dem förderfähigen Teil des ÖPNV zurechnet. In der Studie „Urbane Seilbahnen im ÖPNV. Innovativ, nachhaltig - und ein sinnvoller Lösungsansatz?“ beschreibt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland die potenziellen Nutzen von Seilbahnen als Verkehrsmittel sowie die technischen und wirtschaftlichen Aspekte.

Verkehrsmittel mit Tradition

Seilbahnen sind ein Verkehrsmittel mit Tradition: Schon seit dem 15. Jahrhundert halfen an Seilen befestigte Körbe den Menschen über Flüsse und Schluchten hinweg. Im 20. Jahrhundert waren Seilbahnen vorwiegend touristische Attraktionen, bevor sie zur Jahrtausendwende immer häufiger als städtische Verkehrsmittel zum Einsatz kamen, vor allem in Metropolen in Südamerika und Asien. Nun geraten sie wieder zunehmend in den Fokus von Stadtplaner:innen, bieten sie doch gegenüber anderen Verkehrsmitteln technisch und wirtschaftlich zahlreiche Vorteile. Dies gilt insbesondere für Luftseilbahnen bzw. Seilschwebebahnen gegenüber Standseilbahnen, die eher Zahnradbahnen ähneln.

Enorme Transportleistung

Maximilian Rohs, Senior Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland, stellt fest: „Luftseilbahnen haben eine hohe maximale Taktdichte, die Unfallwahrscheinlichkeit ist sehr gering, was sie zu einem sehr pünktlichen Verkehrsmittel macht.“ Seilbahnen transportieren rund 6.000 Fahrgäste pro Stunde. Das entspricht etwa einer Metro. Demgegenüber können Straßenbahnen etwa 2.000 bis 3.000 Personen pro Stunde bewegen, Busse 600 bis 1.000.

Seilbahnen fahren allerdings recht langsam und eignen sich daher eher schlecht für längere Strecken. Außerdem sind sie recht wetterabhängig und lassen sich beispielsweise bei starkem Wind nicht oder nur eingeschränkt betreiben.

Vergleichsweise geringe Investitionskosten

„Ihr größter Vorteil ist sicherlich der geringe Bauaufwand. Tunnel und Brücken sind nicht erforderlich - und sie bieten natürlich ein attraktives Fahrerlebnis“ erinnert PwC-Verkehrsexperte Maximilian Rohs.

Zentrales technisches Merkmal ist neben dem Seilsystem und der Antriebsart die Kabinengröße bzw. ihr Fassungsvermögen zwischen 6 und 200 Personen. Um mit Seilbahnen den ÖPNV sinnvoll zu ergänzen, sollten die Fahrgäste Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle mitnehmen können.

Wirtschaftlich attraktiv macht die Seilbahn neben den genannten Vorteilen die erwähnte Förderrichtlinie. So fördert das Land Nordrhein-Westfalen die Investition beispielsweise mit bis zu 90%. Die Kosten für Seilbahnsysteme pro Kilometer betragen etwa 10 bis 20 Mio. Euro - etwa so viel wie bei Straßenbahnen. Dadurch, dass kein Betriebshof und keine Signal- und Verkehrsleittechnik erforderlich sind, sind die gesamten Investitionskosten im Verkehrsmittelvergleich gering. Ein weiterer Vorteil: Seilbahnen erfordern zwar ein Planfeststellungsverfahren, doch ist ihre Bauzeit mit nur 12 bis 18 Monaten kurz. U-Bahn-Projekte etwa sind meist erst nach fünf bis zehn Jahren abgeschlossen.

Betrieb und Instandhaltung sind günstig

Noch größer sind die wirtschaftlichen Vorteile von Seilbahnen bei den Betriebskosten. Maximilian Rohs konstatiert: „Sowohl die Personalkosten als auch die Energiekosten sind niedriger als bei allen anderen Systemen. Das liegt vor allem am hohen Automatisierungsgrad. Menschen müssen lediglich den Betrieb überwachen.“

Und Seilbahnen verbrauchen relativ wenig Energie: durchschnittlich lediglich 5,8 (kWh) pro 100 Passagierkilometer. Zum Vergleich sind es ...

  • bei U-Bahnen 11,6 kWh und
  • bei Straßenbahnen 12,5 kWh.

Weil Seilbahnen wenig Verschleißteile haben, sind auch die Instandhaltungskosten niedrig. „Müssen jedoch einzelne Komponenten gewartet werden, müssen Betreiber in der Regel das gesamte System zeitweise stoppen“, gibt PwC-Experte Maximilian Rohs zu bedenken.

Sicher und umweltfreundlich - aber auch umsetzbar?

Für Seilbahnen sprechen auch Sicherheits- und Umweltaspekte. Rechnerisch verunfallen Straßenbahnen beispielsweise alle 225.000 Betriebskilometer und Busse alle 616.000 Kilometer. Bei Seilbahnen ist die Unfallwahrscheinlichkeit deutlich geringer - ein Unfall geschieht statistisch lediglich nach rund 17 Mio. Betriebskilometern. Maximilian Rohs von PwC ergänzt: „Seilbahnsysteme sind sehr klimafreundlich, sie belasten die Umwelt fast überhaupt nicht. Und sie brauchen wenig Fläche und sind sehr leise - auch das wirkt sich positiv auf ihre Umweltbilanz aus.“

Inzwischen gibt es zahlreiche Seilbahnprojekte in ganz Europa, Planung und Umsetzung sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Für Deutschland beispielhaft zu nennen sind Projekte in Koblenz (im Einsatz, bisher ohne tarifliche Integration), in Bonn (in Planung), in Stuttgart (Pilottrasse in Planung) sowie Überlegungen in Berlin und Köln. „Ob Seilbahnen, bei allen Vorteilen, das Verkehrsmittel der Wahl sind, lässt sich nur im Einzelfall beantworten“, kommentiert PwC-Experte Maximilian Rohs. „Mitunter lehnen Bürgerinnen und Bürger solche Projekte ab, auch weil Seilbahnen das Stadt- bzw. Landschaftsbild recht stark verändern.“

Zweifelsohne könne es nicht zuletzt für Logistikunternehmen sehr interessant sein, wenn die Bahnen für den Personen- und den Gütertransport im Einsatz sind.

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