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„Lean Baumanagement“ neu an der TU Graz: Bewerbungsfrist endet am 16. August


  

(4.8.2019) Die Abwicklung komplexer Bauprojekte – von der Projektidee bis zur Inbetriebnahme – ist anfällig für Reibungsverluste: Überflüssige Arbeitsschritte, Missverständnisse in der Kommunikation oder schlecht geplante Materialflüsse wirken sich negativ auf die Zeitplanung sowie auf die Kosten und die Zufriedenheit aller Beteiligten aus. „Die Baubranche steht vor einem großen Umbruch, denn die traditionelle Abwicklung von Bauprojekten ist aufgrund zunehmender Komplexität nicht mehr effizient“, erinnert Gottfried Mauerhofer vom Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft der TU Graz.

Der „Lean Baumanagement“-Ansatz eröffnet hier neue Wege in der Bauprojektabwicklung und gewinnt daher zunehmend an Bedeutung in der Baubranche. „Vergleicht man den Trubel auf einer Baustelle mit den geordneten, perfekt geplanten Abläufen in Produktionshallen der Automobilindustrie, wird schnell deutlich: Bauprojekte können mit verschlankten Prozessen deutlich effizienter werden“, so Mauerhofer. Er ist der wissenschaftliche Leiter des berufsbegleitenden Masterlehrgangs „Lean Baumanagement“, den die TU Graz als erste Bildungseinrichtung im deutschsprachigen Raum ab September 2019 anbietet.

BER-Baustelle im Oktober 2011 (Foto vergrößern)

Konstante Informations- und Materialflüsse

Die „Lean“-Denkweise hat - ausgehend von der stationären Automobilindustrie - bereits vor Jahren Eingang in die Bereiche Maschinenbau und Produktion gefunden. Damit sollen Material- und Informationsflüsse möglichst konstant und verschwendungsfrei gehalten werden. Gottfried Mauerhofer gibt ein anschauliches Beispiel: „Es geht um baunahe Arbeitsabläufe und effiziente Logistik, damit lassen sich unnötige Transporte und Wartezeiten vermeiden. Wenn Baumaterial zum Beispiel ‚just in time‘ bestellt und geliefert wird, muss es nicht zwischengelagert und hin- und hertransportiert werden.“

Im Zentrum steht also nicht primär eine möglichst schnelle Umsetzung von Bauprojekten, sondern das strukturierte und effiziente Arbeiten in bestmöglicher Qualität. Die Devise lautet: Kein Handgriff zu viel oder zu wenig! Dafür braucht es einen möglichst freien Informationsfluss, eine partnerschaftliche Projektabwicklung und eine offene Fehlerkultur. „Im ‚Lean Baumanagement‘ werden die Ressourcen Mensch, Maschine und Material optimal eingeteilt und aufeinander abgestimmt“, so Mauerhofer. „Das funktioniert nur, wenn alle Beteiligten miteinbezogen werden und am selben Informationsstand sind.“ Zentral sind dabei von Projektbeginn an die wertschätzende Zusammenarbeit und intensive Kommunikation zwischen den Planungs-, Bau- und Betriebsteams, vom Vorarbeiter bis zur Bauleiterin, vom Nachunternehmen bis zum Auftraggeber.

Elbphilharmonie-Baustelle im Oktober 2013 

In vier Semestern und acht Modulen befassen sich die Teilnehmer des Universitätslehrgangs „Lean Baumanagement“ mit „Lean Management“ als grundlegendem Prinzip. „Lebenszyklusorientiertes Bauen“ und „Building Information Modeling (BIM)“, also Gebäudedatenmodellierung mit entsprechender Software stehen ebenso auf dem Lehrplan wie die Themen „Wissenschaftliches Arbeiten“, „Bau-Betriebswirtschaftslehre“ und „Bauprojektmanagement“. Die Vortragenden stammen zu einem Drittel von Universitäten und Hochschulen, der Rest kommt direkt aus der Praxis.

Nach dem erfolgreichen Verfassen einer Masterarbeit sowie einer kommissionellen Prüfung schließen die Teilnehmer den Lehrgang mit dem Titel „Master of Engineering in Lean Baumanagement“ ab. Die Ausbildung richtet sich an Berufstätige in Führungspositionen in der gesamten Bauwirtschaft mit theoretischen und praktischen Vorkenntnissen. Es gibt 20 Plätze, die bereits stark nachgefragt sind.

Eckdaten zum Lehrgang „Lean Baumanagement“:

  • Dauer: 4 Semester
  • ECTS-Anrechnungspunkte: 90
  • Abschluss: Master of Engineering (MEng in Lean und Baumanagement)
  • Unterrichtssprache: Deutsch
  • Studienort: Graz und Wien
  • Teilnahmegebühren: 27.900 Euro (Ab fünf Personen pro Unternehmen: 21.800 Euro pro Person)
  • Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 20
  • Lehrgangsstart: 23. September 2019
  • Bewerbungsfrist: 16. August 2019

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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