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Die wichtigsten Schutzschalter in einer häuslichen Elektroinstallation

(20.1.2020) In der Regel können elektrische Geräte und Installationen ohne Bedenken sicher betrieben werden. Ist allerdings ein Gerät defekt oder eine Leitung beschädigt, kann es schnell brandgefährlich werden. Für Sicherheit sorgt ein durchgängiges Schutzkonzept, bei dem die verschiedenen Komponenten der Elektroinstallation auf die Gefahrensituationen abgestimmt und miteinander koordiniert sind. „Viele Schutzeinrichtungen lassen sich in der Regel auch noch nachträglich installieren. Für die Planung und den fachgerechten Einbau sollten sich Bauherren und Modernisierer direkt an einen qualifizierten Elektrofachbetrieb wenden“, rät Ottmar Lehmann von der Initiative ELEKTRO+.

Foto © © Elektro+/Doepke  

Die wichtigsten Schutzeinrichtungen in einer Elektroinstallation

Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) schützen Kabel, Leitungen und die angeschlossenen Geräte vor den Folgen einer Überlastung oder eines Kurzschlusses. Die Überlastung kann beispielsweise entstehen, wenn besonders viele Elektrogeräte an einem Stromkreis betrieben werden. Die Leitung überhitzt sich dann und es entsteht ein Überlaststrom, der die Leitungsisolierung beschädigen kann. Der LS-Schalter unterbricht in solchen Fällen die Stromzufuhr, noch bevor der zu hohe Strom Schaden anrichten kann. Im Falle eines Kurzschlusses erfolgt die Auslösung des Schalters durch eine elektromagnetische Schnellauslösung.

Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) erkennen kleine Fehlerströme, unterbrechen in der erforderlichen kurzen Zeit den Stromkreis und retten so im Ernstfall Leben. So ein Fehlerstrom entsteht, wenn elektrische Geräte oder Leitungen beschädigt sind. Dann fließt ein Teil des Stromes nicht über die Installationsleitungen, sondern sucht sich andere Wege - zum Beispiel über einen Menschen, der ein defektes Elektrogerät in der Hand hält.

Fehlerstromschutzschalter sind heute für alle Stromkreise mit Steckdosen und/oder Beleuchtungsanschlüssen vorgeschrieben. Das gilt insbesondere bei Neubauten sowie für neuinstallierte Stromkreise im Rahmen einer Modernisierung:

  • FI-Schalter des Typs A bieten bei haushaltsüblichen Anwendungen ausreichenden Schutz vor Stromunfällen und erfassen die meisten der üblicherweise auftretenden Fehlerströme.
  • Kommen jedoch elektrische Geräte mit Frequenzumrichtern zum Einsatz - etwa moderne Waschmaschinen, modulierende Heizungs- und Wärmepumpen oder Induktionskochfelder, können bei einer Störung oder einem Defekt Fehlerströme mit Mischfrequenzen auftauchen. Sofern der Gerätehersteller dies in den Unterlagen fordert, ist dann ggf. ein FI-Schutzschalter Typ F einzusetzen.  Dieser ist nicht nur in der Lage, Fehlerströme mit Mischfrequenzen zu erfassen, sondern er ist auch unempfindlich gegenüber Stoßströmen, wie sie etwa bei Gewitter oder beim Einschalten bestimmter elektrischer Geräte vorkommen können.
  • Darüber hinaus gibt es die FI-Schalter Typ B. Diese können neben Fehlerströmen des Typs A und F auch Gleichfehlerströme erfassen und kommen zum Beispiel bei Photovoltaikanlagen oder Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge zum Einsatz.

FI/LS-Schalter sind eine Kombination aus Fehlerstrom- und Leitungsschutzschalter. Der kombinierte Schalter bietet gegenüber einem FI-Schalter, der vor mehreren LS-Schaltern sitzt, den Vorteil, dass bei einem Fehler nur der betroffene Stromkreis unterbrochen wird. Das erhöht die Verfügbarkeit der Elektroinstallation und die Übersichtlichkeit im Stromkreisverteiler.

Fehlerlichtbogen-Schutzschalter (AFDD) schützen vor gefährlichen Fehlerlichtbögen. Diese entstehen beispielsweise bei schlechten Kontaktstellen an Klemmen oder bei Beschädigungen von Leitungen. Hier kann es zu einer punktuellen Hitzeentwicklung kommen, die das umliegende Material thermisch belastet und im schlimmsten Fall einen Brand auslöst. AFDDs können dies verhindern, denn sie analysieren kontinuierlich mit einem eingebauten Mikrocontroller das Frequenzbild des Stromes und schalten bei Auffälligkeiten den angeschlossenen Stromkreis sofort ab. AFDDs ergänzen somit die smarte Brandprävention und schließen eine wichtige Sicherheitslücke - siehe auch Beitrag „Praxishilfe zur Risiko- und Sicherheitsbewertung von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen im Holzbau“ vom 8.12.2019.

Überspannungs-Schutzeinrichtungen stellen sicher, dass kurzzeitige Überspannungen, die durch Blitze oder das Schalten hoher Lasten wie beispielsweise Klimaanlagen entstehen, keine Schäden an der Installation, an den Betriebsmitteln oder den Endgeräten verursachen. Dafür kommen verschiedene Überspannungsschutzgeräte zum Einsatz, die von der Einspeisung bis zur Steckdose in die Elektroinstallation integriert werden. Sie sorgen im Rahmen eines abgestimmten Schutzkonzepts dafür, dass hochwertige und sensible elektrische Verbraucher wie Computer, Heizungssteuerungen oder Haushaltsgeräte nicht beschädigt werden und verhindern Folgeschäden durch einen möglichen Ausfall. Minimalanforderung ist der Einsatz eines Überspannungsschutzgerätes für die ins Gebäude eingeführten Stromversorgungsleitungen. Für ein umfassendes Schutzkonzept sollte gemeinsam mit dem Fachmann eine individuell abgestimmte Lösung gefunden werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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