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Baustahl als Fassade: Besucherzentrum Gedenkstätte Berliner Mauer

  • Projektvorstellung mit freundlicher Unterstützung des Industrieverbandes für Bausysteme im Metallleichtbau e.V. (IFBS)

(25.11.2010) Berlins Gedenkstätte Berliner Mauer hat ein neues Gesicht. Die Gedenkstätte wurde um das Besucherzentrum innerhalb des Gedenkstättenareals entlang der Bernauer Straße, zwischen den Berliner Stadtbezirken Wedding und Mitte erweitert (siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps). Dort war ein Brennpunkt der deutsch-deutschen-Nachkriegsgeschichte. Der Bau der Berliner Mauer und seine Folgen für die Bewohner der geteilten Stadt wurden hier besonders dramatisch erlebt:

... auch als normales Foto

Das gesamte Gedenkstättenareal zieht sich über eine Länge von 1,3 Kilometern und auf einer Freiraumfläche von ca. 4,4 Hektar entlang des ehemaligen Grenzstreifens Bernauer Straße (Bing-Vogelperspektive). Es soll nach dem Entwurf der Berliner Planungsbüros ...

... bis zum Jahre 2012 in mehreren Bauabschnitten umgestaltet werden. Die bestehenden Reste und Spuren der Berliner Mauer werden erhalten. Am historischen Ort auf der Südseite der Bernauer Straße soll bis zum Jahr 2012 eine neuartige Erinnerungslandschaft entstehen, die die dramatische Ereignisgeschichte der Opfer von Mauer und Teilung dauerhaft demonstriert.

Geschichte von Mauer und Teilung

Seit dem 1. Dezember 2009 ist das neue Besucherzentrum für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Pavillon ist ein preisgekrönter Entwurf der Architekten Mola Winkelmüller BDA, Berlin, die die Gedenkstätte am 9. November 2009, dem 20. Jahrestag nach dem Mauerfall, an die Stiftung Berliner Mauer übergeben haben. In dem Besucherzentrum werden Grundinformationen darüber abgegeben, was den Besucher auf dem Gelände mit der künftigen Außenausstellung erwartet. Von hier aus gelangt man auch an die einzelnen Elemente der Gedenkstätte mit ihren vertiefenden Angeboten. Außerdem findet in dem Pavillon eine Vernetzung zu den übrigen Erinnerungsorten in Berlin statt.


Die Planung des Besucherzentrums

Das Gebäude besetzt die Ecke Bernauer Straße / Gartenstraße und markiert das Abknicken der ehemaligen Mauer nach Norden. Während das untere Geschoss des Pavillons sich parallel zum Straßen- und Mauerverlauf ausrichtet, dreht sich das obere Gebäudevolumen zum Gelände der Gedenkstätte und schiebt sich in den Straßenraum der Bernauer Straße. Die durch die Torsion des oberen Gebäudevolumens auskragende Ecke lässt einen überdachten Vorplatz entstehen, der den Besucher empfängt und Platz für Ausstellungen und wartende Gruppen schafft.

Tragwerk aus Stahlbeton und Stahl

Das Gebäude verfügt im Erdgeschoß über Abmessungen von etwa 25 x 21 m. Das Obergeschoss liegt im Grundriss verdreht auf dem Erdgeschoss auf und misst etwa 20 x 27 m. Daraus ergibt sich der überdachte Eingangsbereich des Erdgeschosses. Das Tragwerk besteht aus einer Mischkonstruktion aus Stahlbeton und Stahl. Alle tragenden Außenwände im Erdgeschoss sowie die Bereiche rund um den Treppenkern im Obergeschoss sind aus Stahlbeton als Massivbau ausgeführt. Der größte Teil der Dachkonstruktion des Obergeschosses (alle Dachflächen über den auskragenden Bereichen) wurde aus statischen Gründen als Stahlbau (Stahlträger mit Trapezprofildeckung) ausgeführt.

Wetterfester Baustahl als Fassadenmaterial

Die Außenhaut des Gebäudes bildet eine hinterlüftete Kassetten-Konstruktion aus wetterfestem Baustahl, die dem Gebäude seine prägnante Außenerscheinung verleiht. Die Wahl des wetterfesten Baustahls als Fassadenmaterial macht die Zuordnung zur Mauergedenkstätte für den Besucher auf den ersten Blick deutlich, da auch die Ausstellungskomponenten im Außenraum und Nachzeichnungen der historischen Spuren aus diesem Material gefertigt wurden (Bing-Vogelperspektive). Aus diesem Grunde kommen auch im Innenraum robuste Sichtbetonoberflächen zum Einsatz. Das robuste, puristisch gestaltete Erscheinungsbild versteht sich als Fortsetzung des Außenraums.

Den Auftrag für die Herstellung und Montage der Fassaden sicherte sich das Berliner Unternehmen Karl Dieringer, Inhaber Karl Kern; die Firma ist u.a. Mitglied im Industrieverband für Bausysteme im Metallleichtbau e.V. (IFBS) und ist damit Träger des IFBS-Qualitätszeichens. Dieses zeichnet Verarbeiter als Spezialisten für nachhaltiges Bauen mit vorkonfektionierten Metallleichtbauelementen aus.


Erstellung der Fassadenkonstruktion

Das Leistungsverzeichnis des Metallbearbeitungsbetriebes umfasste die Herstellung der kompletten Fassaden einschließlich der Stahlkassetten-Unterkonstruktionen, mit umlaufenden Attikaabdeckungen, Gitterrostflächen auf den Terrassen und der Auskragung für die Decke im Obergeschoss, die Herstellung der Unterdecke aus Aluminiumprofilen sowie die Herstellung des innenliegenden Entwässerungssystems, der Stützenbekleidungen und last but not least die aufwändige Montage aller Fertigungselemente.

In seinem Berliner Betrieb kantete der Verarbeiter die 3 mm starken Stahlteile zu Einzelelementen mit durchschnittlichen Größen von 1,35 x 3,60 m. Im wahrsten Sinne des Wortes keine leichte Bauaufgabe, denn schließlich wiegt das einzelne Element bis zu 100 Kilogramm. Hinzu kam die Umsetzung einer alternativen verdeckten, nicht sichtbaren Aufhängekonstruktion. Diese Eigenkonstruktion ermöglichte die Elementherstellung zusammen mit der Aufhängung in einem Stück. Gleichzeitig wurde eine Längenausdehnung der Fassadenelemente aufgrund von Temperaturschwankungen ermöglicht.

Montage nach IFBS-Richtlinie

Zur Montage brachten die Monteure zunächst eine 160 mm starke Mineralwoll-Dämmung auf die massiven Außenwände auf. Daran schlossen sich die gekanteten Stahlelemente an, die in die Unterkonstruktion eingehängt wurden. So entstanden plane Oberflächen, die die puristischen Ansichten rund um das Gebäude unterstreichen. Als weitere Herausforderung stellte sich die Entwässerung von Dach und Fassaden heraus. Um den Rostschleier im Fußboden der Auskragung zu vermeiden, entwickelten die Planer ein innenliegendes Entwässerungssystem. Über das das Fassadenwasser mittels einer nicht sichtbaren, horizontalen Rinne am Traufpunkt über die Unterdecke und der Stützenbekleidung kontrolliert abläuft.

Erinnerungsort der friedlichen Überwindung

Die Bernauer Straße ist nicht nur Mahnmal, sondern auch ein Erinnerungsort für die friedliche Überwindung der Teilung: In der Nacht vom 10. auf den 11. November 1989 wurden zwischen der Bernauer Straße und der Eberswalder Straße die ersten Segmente aus der Mauer gebrochen, um einen neuen Übergang zwischen Ost- und West-Berlin zu schaffen. Auch der offizielle Abriss der Grenzanlagen wurde im Juni 1990 an der Bernauer Straße, Ecke Ackerstraße begonnen. Heute befindet sich an diesem historischen Ort die Gedenkstätte Berliner Mauer. Der Neubau des Besucherzentrums entspricht den Anforderungen an die geltende EnEV, die zur Zeit der Erstellung der Gebäudehülle um ca. 30 Prozent unterschritten wurden.

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