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Flüsse haben schlechte Karten - besonders durch urbane Einflüsse

(28.9.2014) Flüsse durchströmen die meisten unserer großen Städte und übernehmen wichtige Funktionen für den Menschen. Damit sie auch in Zukunft nutzbar bleiben, fordert die EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 eine systematische Verbesserung aller europäischen Gewässer. Zum „Internationalen Tag der Flüsse“ am 28. September er­klärte Dr. Christian Wolter, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, warum dies vor allem in stärker besiedelten Gebie­ten nicht so ganz einfach ist: „Der urbane Einfluss lässt andere Verbesserungsmaß­nahmen oftmals wirkungslos erscheinen.“


Foto: FVB/Karisch (Bild vergrößern)

Ob plätschernder Bach oder reißender Strom – Flüsse dienen der Trinkwasserversor­gung, als Wirtschaftswege, der Freizeitnutzung sowie als Lebensraum für Tiere und Pflazen. Um all diese Funktionen zu sichern, wurde im Jahr 2000 die EU-Wasserrah­menrichtlinie aufgelegt. Seither ist neben der Wasserqualität auch der gute ökologi­sche Zustand aller Gewässer ein verbindliches Entwicklungsziel.

Flüsse unter Stress

Aktuell sind über die Hälfte der europäischen Flüsse in moderatem oder sogar schlech­tem Zustand. „Faktoren wie Flussbettveränderungen und Kanalisierungen verschlech­tern die Lebensbedingungen von Fischen und anderen aquatischen Lebewesen“, er­klärt Christian Wolter. Der Verlust von Uferbereichen mit ihrer typischen Vegetation bedeute für viele Tierarten, Schutz- und Lebensraum zu verlieren. Zusätzlicher Stress könne durch steigende Wassertemperaturen entstehen. Zudem hat der Klimawandel ein erhöhtes Hochwasserrisiko zur Folge, während hingegen in anderen Regionen Flüs­se aufgrund geringerer Niederschläge zu wenig Wasser führen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden alle größeren Flüsse reguliert und verändert, um beispielsweise dem Hochwasserabfluss oder der Schifffahrt zu dienen. Viele von ihnen werden auch heute noch in gleicher Weise genutzt. Aus diesem Grund sieht die Was­serrahmenrichtlinie Ausnahmen vor: Künstliche und erheblich veränderte Gewässer müssen geringere Umweltanforderungen erfüllen und ein gutes ökologisches „Poten­zial“ erreichen. Damit ist beispielsweisedie Artenvielfalt gemeint, die sich einstellt, wenn alle ökologisch wirksamen Maßnahmen angewendet werden, die die vorhande­ne Nutzungen nicht beeinträchtigen.

Versiegelte Flächen in Gewässernähe behindern verbessernde Eingriffe

Doch wo und in welchem Umfang sollten Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt wer­den, um die Wasserrahmenrichtlinie möglichst effizient umzusetzen? Um diese Frage zu beantworten, untersuchte ein IGB-Forscherteam, welche Einflüsse auf welchen räum­lichen Skalen relevant sind.

„Bezogen auf den jeweiligen Flussabschnitt fanden wir dabei heraus, dass für Fische naturnahe Uferzonen besonders wichtig sind“, so Wolter. „Für Wirbellose ist hingegen die Laufform der wichtigste Einflussfaktor, denn sie beeinflusst wiederum die Zusam­mensetzung der Sedimentstruktur, von der das Vorkommen der Tierchen in erster Li­nie bestimmt wird.“

Ebenso entscheidend für die „Gewässergesundheit“ sind allerdings Effekte auf Ein­zugsgebiets-Ebene. Urbanisierung oder Verstädterung, besonders die Bebauung und Versiegelung von Flächen, ist dabei die dominierende Einflussgröße: „Schon bei einer urbanen Landnutzung von 16 Prozent im Einzugsgebiet lässt sich ein guter ökologi­scher Zustand für Wirbellose nicht mehr erreichen - ganz unabhängig von den übrigen Einflussfaktoren“, Wolter weiter. Dieses Ergebnis zeige, wie großräumige Einflüsse den Erfolg lokaler Verbesserungsmaßnahmen beeinträchtigen können, aber auch, wie wich­tig es ist, bei der Planung und Umsetzung von Managementmaßnahmen das gesamte Einzugsgebiet zu berücksichtigen.

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