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Trinkwasserinstallationen - moderne Technik hinter der Wand

(22.3.2010; SHK-Bericht; Weltwassertag) Weltweit hat sich Wasser in den letzten Jahren zu einem wertvollen Gut entwickelt. Die zunehmende Verknappung lässt erwarten, dass sauberes Trinkwasser einer der wichtigsten Rohstoffe der Zukunft sein wird, vergleichbar etwa mit Öl oder Gas. Die nachhaltige Schonung dieser kostbaren Ressource sollte deshalb auch für ein wasserreiches Land wie Deutschland ein vorrangiges Ziel sein. Vor diesem Hintergrund hat auch die Entwicklung moderner Trinkwasserinstallationen in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung genommen: Der Einsatz innovativer Werkstoffe und neuer Technologien macht wasser- und energieeffiziente Systeme möglich, welche die natürliche Güte des Trinkwassers auf dem Weg zur Entnahmestelle nicht beeinträchtigen.


Überblick: Die Zeichnung zeigt eine komplette häusliche Trinkwasserinstallation mit ihren unterschiedlichen Komponenten. Durch die anschauliche Darstellung soll sie dazu beitragen, den gesamten Aufbau einer Installation und die Folgen von Fehlfunktionen einzelner Teile transparent zu machen. Die zentrale Botschaft: Sauberes Trinkwasser ist keine Selbstverständlichkeit. (Bild vergrößern)

Gesetzesänderungen erfordern High-Tech-Werkstoffe

"Entscheidend für die Qualität des Trinkwassers an der Entnahmestelle ist neben dem Zustand der hauseigenen Installation auch das verwendete Material", wissen Experten wie Rupprecht Kemper, Vorsitzender des VDMA Fachverbandes Armaturen. "Denn von den Werkstoffen dürfen keine negativen Auswirkungen auf die Wasserversorgung eines Gebäudes ausgehen." Die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV) schreibt die Verwendung bestimmter Werkstoffe zwar nicht zwingend vor, jedoch dürfen die eingesetzten Materialien keine unzulässige Veränderung der Trinkwasserqualität zur Folge haben. Das gestiegene Umweltbewusstsein in der Bevölkerung sowie die Novellierung der EU-Trinkwasser-Richtlinie zum Jahr 2013, die eine Begrenzung des Bleianteils von derzeit 25 auf 10 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser vorsieht, hat deshalb auch direkte Folgen für die Sanitärindustrie. In der Praxis bedeutet dies, dass die Verwendung bestimmter Metalle wie Blei oder Nickel in Rohren und Armaturen zeitlich befristet ist. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat bereits zum Jahresbeginn 2010 die Verwendung von Blei in Sanitärarmaturen vollständig untersagt.

Komponenten mit guten Ökobilanzen

Die deutschen Hersteller haben frühzeitig auf diese gesetzlichen Vorgaben reagiert, indem sie neue, alternative Materialien für die Bestandteile von Trinkwasserinstallationen entwickelt haben - siehe z.B. Beitrag "Wielands Initiative 'bleifreie Installation für die Sanitärindustrie'" vom 23.3.2009. Zwar werden derzeit aus technischen Gründen häufig noch geringe Mengen von Schwermetallen in der Armaturenproduktion verwendet werden, jedoch haben sich die Ökobilanzen der Produkte insbesondere dank intensiver Forschung erheblich verbessert. So weisen inzwischen nicht nur Kupferrohre, die aufgrund ihrer Recyclingeigenschaften insgesamt als umwelt- und ressourcenschonend geschätzt werden, sondern auch moderne nickelfreie Edelstahlrohre, Aluminium-Kunststoff-Rohre oder reine Kunststoffrohre sehr gute Umweltwerte aus.

Schlanke Trinkwasserinstallationen sichern Wasserqualität

Aus hygienisch-wirtschaftlicher Sicht empfiehlt Kemper möglichst schlanke Installationen, das heißt kleiner dimensionierte Rohrleitungssysteme in Kombination mit strömungsgünstigen Bauteilen. Insbesondere um einen regelmäßigen und vollständigen Wasserwechsel im bestimmungsgemäßen Betrieb zu ermöglichen, gilt es, die sinnvolle Anordnung der Entnahmestellen auf jeder Etage zu berücksichtigen. Dies setzt bereits in der Planungsphase eine exakte Bedarfsermittlung der tatsächlichen Wasserentnahmen im jeweiligen Objekt voraus. Auf diese Weise wird einerseits ein erhöhter Materialaufwand vermieden, andererseits die Wassermenge in den Rohrleitungen verringert und eine Überdimensionierung der Anlage verhindert. Darüber hinaus lassen sich über die innerhalb einer gewissen Bandbreite variablen Werte, wie beispielsweise die Fließgeschwindigkeit unter Berücksichtigung realer Druckverluste, die Dimensionen in Rohrnetzen deutlich verringern. Durch die Verwendung druckverlustarmer Absperrarmaturen kann zusätzliches Druckpotenzial genutzt werden.

Wasserwechsel vermindert die Keimbildung

Daneben hat die Entwicklung von Zirkulationsleitungen im Warmwasser- sowie der in jüngster Zeit auch im Kaltwasserbereich verbesserte Wasserwechsel zu einer deutlichen Hygiene-Steigerung innerhalb der Trinkwasserinstallation beigetragen. Denn die ständige Umwälzung des 55° bis 60°C warmen Wassers verhindert die Bildung von Stagnationswasser und damit die Entstehung gefährlicher Keime wie Legionella pneumophila (Legionellen). Diese Technik wird inzwischen auch erfolgreich im Kaltwasserbereich verwendet und verringert das Risiko einer ungewollten Erwärmung des Wassers durch Heiz- oder Außenwärme. "Moderne Zirkulationsleitungen in Trinkwasserinstallationen vermindern das Risiko einer Keimbildung, die sich insbesondere im Temperaturbereich zwischen 25° und 45° C vollzieht. Vor allem die Systeme öffentlicher Gebäude wie Krankenhäuser und Schulen können damit wirkungsvoll geschützt werden", erläutert Kemper. "Eine weitere Verbesserung der Trinkwasserhygiene kann durch Dämmung der Warm- und Kaltwasserleitungen erreicht werden", so Kemper weiter - siehe auch Beiträge "Stagnationswasser nicht trinken!" vom 13.8.2008 sowie "Bewegung hält gesund - das gilt auch für Kalt- und Warmwasser" vom 29.5.2007.

Initiative "Blue Responsibility" propagiert nachhaltige Wassernutzung

Um Themen rund um Trinkwasserhygiene, Werkstoffe, Produktlanglebigkeit, Montagefreundlichkeit und effizientere Wassernutzung auch in der Öffentlichkeit offensiver zu behandeln, hat die deutsche Sanitärindustrie im Jahr 2009 unter Federführung des VDMA Fachverbandes Armaturen und des IndustrieForums Sanitär (IFS) die Initiative "Blue Responsibility" ins Leben gerufen - siehe auch Beitrag vom 22.3.2009:


Gründe für diesen Schritt sind vor allem die oftmals fehlende Sensibilisierung für die Problematik wie auch die teilweise mangelhaften Kenntnisse von Immobilienbesitzern und -vermietern hinsichtlich einer nachhaltigen Wassernutzung. Dies äußert sich in zum Teil jahrelangen Überschreitungen von Serviceintervallen, einer unzureichend ausgelegten Hydraulik im Warmwassersystem oder einem mangelhaften Wasseraustausch. "Genau hier liegt jedoch in der Kette von der Quelle bis zum Wasserhahn oftmals das größte Problem. Es ist paradox, dass gerade Immobilienbesitzer und -vermieter oft nur über unzureichende Kenntnisse der Trinkwasserverordnung, des entsprechenden Regelwerks und des tatsächlichen Zustands der Installationen verfügen", bedauert Kemper. Aufklärung und Information gehören daher zu den wichtigsten Zielen der Kampagne "Blue Responsibility".

Moderne Trinkwasserinstallation online

Beispielhaft hat die Initiative nun zum ersten Mal die Komplexität einer Trinkwasserinstallation online dargestellt. Auf der Website blue-responsibility.com findet sowohl der Experte als auch der interessierte Laie leicht verständlich und anschaulich den gesamten Aufbau einer Trinkwasserinstallation erklärt. "Nach der Vorstellung unseres Modells auf der ISH Frankfurt 2009 haben wir das aktuelle Modell einer Trinkwasserinstallation um ein Vergleichsmodell aus dem Jahr 1970 ergänzt. Damit können wir nun auch einer breiteren Öffentlichkeit die Vorteile einer modernen Trinkwasserinstallation näher bringen", erklärt Kemper in seiner Funktion als Sprecher der Initiative, den Ansatz von "Blue Responsibility".

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