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Stadtreparatur mit Rahmen: Keramikfassade an der Ostwall-Passage in Krefeld

(28.4.2022) Der Neubau für die Ostwall-Passage schenkt der Krefelder Innenstadt zwischen der beliebten Einkaufsstraße und dem ikonischen Behnisch-Haus ein neues Zentrum (siehe Google-Maps). Die Fassade aus profilierten Moeding-Keramikplatten und großen Öffnungen schafft einen hohen Wiedererkennungswert und soll für einen lebendigen Austausch im Quartier sorgen:

Fotos © Anke Müllerklein 

Im 18. und 19. Jahrhundert befand sich hier das Zentrum der Seidenindustrie. Noch heute zeugen das Krefelder Kunstmuseum, das Deutsche Textilmuseum und wertvolle Gründerzeit- und Jugendstilfassaden von der reichen Historie der einstigen „Samt- und Seidenstadt“. Ab 1919 prägte der Bauhausstil die Konturen der Häuser und seit einiger Zeit erfindet sich die Krefelder City als Erlebnisraum Innenstadt neu.

Stadtbaustein aus acht Einzelgebäuden

Neuester Anziehungspunkt im urbanen Dreiklang aus Shopping, Gastronomie und Kultur ist ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem Arztpraxen, Einzelhandel, Wohnungen, Gastronomie und Büros neben- und übereinander Platz finden. Die ARGE aus office03 und De Zwarte Hond hat das Ensemble „Ostwall Quartier Krefeld“ für die Wohnstätte Krefeld geplant und dabei mehrere Einzelparzellen wie aus einem Guss bebaut.

Dabei stellte sie sich der Aufgabe, den Neubau in eine gewachsene Blockstruktur aus heterogenen kleinmaßstäblichen Stadthäusern und großmaßstäblichen Architekturen zu integrieren und den Kontext synergetisch weiterzubauen. So ist ein Gebäudeensemble aus acht unterschiedlich hohen, klar ablesbaren Volumen entstanden, das die kleinteilige gewachsene Blockstruktur der Krefelder Stadthäuser fortführt und sich dabei als Einheit präsentiert.

Der insgesamt 17 unterschiedliche Nutzungseinheiten aufnehmende Stadtbaustein schließt die Lücke zwischen der neuen Straßenbahnhaltestelle „Unter der Uhr“ mit ihrer 125 m langen, gläsernen Architektur und dem 145 m langen, 2002 fertiggestellten Behnischgebäude (siehe Google-Maps). Eine Passage führt durch das Ensemble hindurch, macht Übergänge räumlich erlebbar und vermittelt dabei zwischen Alt und Neu. Zur Petersstraße hin öffnen Rücksprünge Plätze für die Außengastronomie. Gemeinsam stellen die Einzelgebäude mit ihrer auffälligen Fassadenstruktur den horizontal gegliederten Nachbargebäuden aus der Nachkriegszeit nicht zuletzt ein modernes Pendant zur Seite.

Eine Fassade aus gerahmten Fenstern

Möglich machen dies Keramikelemente, die jedes Geschoss bzw. jede Fenstereinheit wie Bilderrahmen umfassen. Dabei wird nicht zwischen unterschiedlichen Nutzungen bzw. zwischen Wohnen und Gewerbe differenziert. Vielmehr kommuniziert die abstrakte Fassade die Idee einer weitgehend nutzungsneutralen und flexiblen Gebäudestruktur.

Im Erdgeschoss laufen die vertikalen Stränge offen aus, das letzte Geschoss ist im Bereich der Attika mit kräftigeren Schlusssteinen betont. Insgesamt 2.918 in sieben verschiedene Typen untergliederte Keramikeinzelelemente gestalten so ein Fassadenbild mit 1.600 m² Fläche. Dabei vermitteln sie in ihrer Materialität und Farbigkeit zwischen benachbarten Naturstein- und Betonfertigteilfassaden - und passen sich der Umgebung an.


  

„Wir wollten durch die gleiche Behandlung der Fassaden ein Raumbündel aus ablesbaren Geschossen in ablesbaren Gebäuden schaffen“, beschreibt Architekt Dirk Waldmann von office03 die Idee hinter der ungewöhnlichen Außenhaut, die sich aus maximal 160 x 65 cm großen, reliefartig gestalteten Keramikplatten zusammensetzt. Horizontale Hutprofile, in denen Dauergerüstanker integriert wurden, trennen jeden Rahmen voneinander und betonen den Eindruck der geschossweisen Stapelung.

Die haptische Struktur der Keramik orientiert sich am textilen Prinzip der Raffung – eine Reminiszenz an die Historie der Stadt. Wo die geschlossenen Fassaden breiter sind, ist die Kannelierung weniger stark, wo sie schmäler sind, verdichtet sich die Raffung. So erinnert das Gesamtbild an Vorhänge, die sich um die jeweiligen Ebenen bzw. Fensteranlagen herumlegen. Um horizontale mit vertikalen Rahmenelementen zu verbinden, waren daher aufwändige Schrägschnitte notwendig, die in hoher Präzision ausgeführt werden mussten, um der Fassadenstruktur gerecht zu werden.

Flexibel und einzigartig

In einem hellen Grau gehalten, verändern die dreidimensional geformten Keramikelemente je nach Lichteinfall ihr Farbspektrum. Wenn die Sonne scheint, werfen die Kanneluren harte Schatten, die mit den sonnenbeschienenen hellen Flächen interessante Kontraste bilden. Bei Regen glänzen die Fassaden und wenn es draußen grau ist, gehen die Konturen scheinbar übergangslos in den Himmel über. Farbe und Glanz der Keramik wurden in mehreren Bemusterungsrunden vom Bauherrn gemeinsam mit dem Planungsteam festgelegt. „Bei der Glasur fiel die Entscheidung auf eine einfache, seidenmatte Einbrennglasur“, erinnert sich der Architekt.

Zur Montage wurden die vertikalen Keramikelemente in klassischer Top-Down-Montage auf einer Aluminium-Unterkonstruktion befestigt. Gehalten werden sie über Klammern, die in die Hohlkammern der stranggepressten Keramikplatten von MOEDING eingreifen. Das Anbringen der Eckelemente erforderte hingegen zusätzliche Ausfräsungen in den schräg angeschnittenen Keramikplatten, in denen die Klammern einrasten. Dazu brauchte es eine Zulassung im Einzelfall, da in der allgemeinen Normung lediglich die Verwendung von rechtwinkligen Platten geregelt ist. „Aufgrund der vielen Eck- und Winkelstöße musste außerdem sehr genau gearbeitet werden, damit die Gehrungen der Keramikrahmen perfekt ausfallen“, informiert Herr Waldmann.

Weitere Informationen zu Alphaton-Keramikplatten können per E-Mail an Moeding angefordert werden.

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