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Holcim Awards für nachhaltige Bauprojekte: Besonders viele Preisträger sind aus Deutschland

(7.12.2011) Berlin ist offenbar die Welthauptstadt des nachhaltigen Bauens - zumindest, wenn man die Resultate des renommierten Holcim-Awards-Wettbewerbs 2011 betrachtet: In drei von fünf Weltregionen ging der Hauptpreis an ein Projekt, dessen Autoren in Berlin leben und arbeiten. Darüber hinaus wurden auch drei weitere Projekte von deutschen Architekten und Ingenieuren ausgezeichnet.

Alle drei Jahre führt die Holcim Foundation for Sustainable Construction - eine Schweizer Stiftung initiiert durch den gleichnamigen Baustoffkonzern - einen weltweiten Wettbewerb durch: die Holcim Awards. Gesucht werden dabei herausragende Projekte in Architektur und Bauwirtschaft, die nachhaltige Antworten auf technologische, ökologische, sozioökonomische und kulturelle Herausforderungen geben. Der Wettbewerb findet in einer ersten Stufe parallel in fünf Regionen der Welt statt: in Europa, Afrika / Mittlerer Osten, Asien-Pazifik, Nordamerika und Lateinamerika. Die dabei ausgezeichneten Projekte sind für den Wettbewerb um die globalen Holcim Awards qualifiziert.


Holcim Awards 2011 Europe - Poster-Galerie im Palazzo del Ghiaccio, Mailand (Bild vergrößern)

6.000 Projekte aus 146 Ländern

Gegenwärtig läuft der dritte Zyklus des Wettbewerbs. Insgesamt reichten Architekten, Ingenieure und Bauherren rund 6000 Projekte aus 146 Ländern ein. 2251 davon erfüllten sämtliche Kriterien und wurden von unabhängigen Jurys in den entsprechenden Regionen beurteilt; insgesamt wurden 53 Preise vergeben. Entscheidend war dabei der Standort des Projekts und nicht jener seiner Autoren - der internationale Wissensaustausch soll bewusst gefördert werden. Mit sechs aus total 53 vergebenen Preisen schnitten deutsche Teilnehmer dabei außerordentlich gut ab; darunter sind drei von fünf Holcim Awards Gold - das ist der jeweilige Hauptpreis in den Weltregionen –, die nach Berlin gingen.

Region Europa

Bei der Preisverleihung in Mailand erhielt ein vom Berliner Architekten Tim Edler geführtes Team den mit 100'000 US-Dollar dotierten Holcim Award Gold. Ausgezeichnet wurde das Konzept, einen nicht mehr genutzten Spreearm bei der weltberühmten Museumsinsel zu einem nachhaltigen Flussbad umzugestalten – auf einer imposanten Länge von 745 Metern.

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Mit dem Flussbad wollen die Autoren auch ein Gegengewicht zur Entwicklung Berlins seit der Wende setzen. „In den letzten Jahren waren neue Projekte eher steif und repräsentativ”, so Tim Edler. „Unsere Idee ist spielerisch und rückt die Bedürfnisse der Bewohnenden in den Mittelpunkt.” Die Autoren sind überzeugt, dass das Flussbad Berlin eine neue Leichtigkeit verleihen könnte.

In Mailand gingen auch zwei Anerkennungspreise an Projekte mit deutscher Beteiligung. Ausgezeichnet wurde ein multinationales Team - bestehend aus Sauerbruch Hutton, Deutschland, Arup, Großbritannien, und Experentia, Italien – für ein aus Holz errichtetes Bürogebäude in Helsinki, Finnland. Das Gebäude vermeidet CO₂-Emissionen weitgehend.

Ein weiterer Anerkennungspreis ging an die deutschen Unternehmen Barkow Leibinger Architects, Schlaich Bergermann und Partner sowie Transsolar Energietechnik für ihr Projekt zur Errichtung kostengünstiger Wohnungen in Hamburg. Bei diesem Projekt werden innovative Techniken und Materialien angewandt, darunter vorgefertigte Leichtbetonelemente mit wiederverwertetem Schaumglas als innerem Zuschlagsstoff:

Region Afrika / Mittlerer Osten

Bei der Preisverleihung in Casablanca erhielt das Berliner Büro Kéré Architekten den Holcim Award Gold. Francis Kéré hatte das Projekt „Weiterführende Schule mit passiven Belüftungssystem” in Gando, Burkina Faso, eingereicht. Der Preisträger stammt ursprünglich aus diesem Ort und kam für sein Architekturstudium nach Berlin. Von hier aus hat er in den letzten Jahren alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seine für ganz Burkina Faso vorbildliche Schule aufzubauen. Die ursprünglich auf 800 Kinder und Jugendliche ausgerichtete Institution platzt aus allen Nähten. Gemeinsam mit der Bevölkerung baut Kéré nun eine weiterführende Schule, damit die Kinder das bereits Gelernte nutzen können.

Dabei setzt er auf nachhaltige und dem Klima gut angepasste Systeme – „weil sie weniger Unterhalt benötigen und kostengünstiger sind als High-Tech”, wie er praktisch argumentiert.

Ein weiteres Projekt mit deutscher Beteiligung gewann in Mailand den mit 25.000 US-Dollar dotierten Holcim Award Bronze: Die deutsche Architektin Anna Heringer und ihre Kollegen aus Österreich und Marokko erhielten die Auszeichnung für den Entwurf eines Trainingszentrums für nachhaltiges Bauen in Marrakesch, Marokko. Der Entwurf lehnt sich an marokkanische Bautradition an und präsentiert ein Gebäude, das mit einer harmonischen Abfolge von Innen- und Außenräumen nahtlos in die städtische Umgebung eingebettet ist. Beschattung und natürliche Belüftung sorgen für ein angenehmes Lernklima, den Energiebedarf decken vor allem Wärmepumpen und eine Photovoltaikanlage von 333 m² bei. Die Grundidee der Autoren war es, lokale Baumaterialien wie die vorhandene Erde und lokale Arbeitskräfte einzusetzen.

Region Asien / Pazifik

Auch bei der letzten der fünf regionalen Preisverleihungen hatte deutsche Fachleute die Nase vorn: der Architekt Eike Roswag vom Büro Ziegert, Roswag Seiler Architekten Ingenieure, Berlin gewann in Singapur den Holcim Award Gold für ein zweistöckiges Schulhaus in Pakistan.

Das Gebäude wird gegenwärtig aus einem speziellen Lehmgemisch und Bambus erstellt. Eike Roswag gehört - wie auch Anna Heringer und Francis Kéré - zu den international wichtigen Förderern des Lehmbaus. „Dass unser Gebäude zweigeschossig ist, löst in Pakistan sehr viel Aufmerksamkeit aus”, sagt er. „So etwas ist dort noch nicht verbreitet - und es zeigt auf, wie groß die Möglichkeiten des nachhaltigen Lehmbaus sind. Auch Pakistan leidet an einem großen Zersiedlungsproblem, und die traditionelle, aber zugleich weitergedachte Bautechnik der Schule könnte da wichtige Anstöße liefern.”

Alle 15 regionalen Gewinner der Holcim Awards Gold, Silber und Bronze haben sich nun für die zweite Runde qualifiziert: den Wettbewerb um die globalen Holcim Awards 2012. Im April 2012 gibt die globale Jury unter Leitung von Enrique Norten, Mexiko/USA, die Sieger bekannt. Sämtliche regionalen Preisträger – also auch jene der Anerkennungspreise und in der Nachwuchskategorie „Next Generation” – sind zudem für den Wettbewerb um die globalen Holcim Innovationspreise nominiert.

zur Erinnerung: „Stuttgart 21” war 2006 erster Gewinner des globalen Holcim Awards Gold

Über die Hälfte aller Projekte, die im Rahmen der ersten beiden Zyklen des Holcim-Awards-Wettbewerbs ausgezeichnet wurden, ist inzwischen ausgeführt oder befindet sich im Bau. Auf www.holcimprojects.org wird der Zustand früherer Gewinnerprojekte laufenden dokumentiert.

Beim einzigen in den beiden ersten Zyklen der Holcim Awards preisgekrönten Wettbewerbsbeitrags aus Deutschlang handelt es sich um ein besonders bekanntes Bauvorhaben, das erst jetzt umgesetzt wird: „Stuttgart 21”. Für das Herzstück dieses Städtebauprojekts, den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof, gewann der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven 2006 den ersten globalen Holcim Award Gold, nachdem er 2005 in der Region Europa den silbernen Preis erhalten hatte. Die Jury lobte seinerzeit, dass das Projekt zwei Quartiere verbinde, die bislang getrennt waren - und hob damit vor allem die städtebauliche Bedeutung von „Stuttgart 21” hervor.

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