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Stiebel Eltron: „Heizungsindustrie ,Made in Germany‘ droht gegen China zu verlieren“

(30.7.2020) Auch dank der weltweiten Energiewende sind klimafreundliche Wärmepumpen auf dem Vormarsch. Vielleicht überraschend: Die Revolution im Heizungskeller findet in einem atemberaubendem Tempo statt - vor allem in China, Japan und in den USA: Mehr als 80% der neuen Wärmepumpen werden in diesen drei Ländern installiert. Mit Steuernachlässen und staatlichen Anreizen bauen die Hersteller in Asien und den USA ihre Marktposition für die Energiewende aus. In Deutschland wird dagegen die Heizungsbranche mit Steuer- und Abgabenlasten auf Strom beim Wärmepumpeneinsatz ausgebremst. Das kostet mittel- bis langfristig neu entstehende Arbeitsplätze. Und ohne einen starken Heimatmarkt fehlt der deutschen Heizungsindustrie die Basis für den internationalen Wettbewerb - siehe dazu auch den Beitrag „PwC-Studie im BWP-Auftrag zu Marktanteilen, Nachfragen und Strategien rund um Wärmepumpen“ vom 14.6.2020.

Der rasante Niedergang der deutschen Photovoltaik-Pioniere vor gut zehn Jahren führt vor Augen, wie schnell eine solide Wettbewerbsposition verloren gehen kann. Der deutsche Marktanteil von weltweit rund 20% stürzte 2008 fast vollständig ab: Staatlich subventionierte Firmen aus China machten das Rennen. Selbst Bosch löste seine Solarsparte am Ende vollständig auf - siehe Beitrag vom 24.3.2013. Auch Klagen gegen chinesisches Dumping bei PV-Modulen und Solarzellen nutzten letztlich nichts - siehe Beitrag 29.4.2015.

Das niedersächsische Holzminden an der Weser ist der Hauptsitz und zugleich der größte Produktionsstandort der Stiebel Eltron-Gruppe (Foto © Stiebel Eltron / Andreas Krukemeyer- Krukemeyer.co) 

Deutschland bremst Umwelt-Technologie

Aktuell bremsen die hohen Strompreise im Heimatmarkt die Zukunftstechnologie der deutschen Heizungshersteller aus: Die mit Strom betriebenen Wärmepumpen sind Öl- und Gasheizungen in der CO₂-Bilanz weit überlegen, können aber ihren umweltfreundlichen Vorsprung nicht voll ausspielen: Heute lasten hierzulande auf jeder Kilowattstunde Strom 17 Eurocent zusätzliche Abgaben - auf einer Kilowattstunde Erdgas dagegen nur 3 Eurocent.

„Und doch sind Wärmepumpen dank der viel besseren Effizienz gegenüber traditionellen Heizsystemen in der Lage, den unfairen Strompreisnachteil in Deutschland teilweise auszugleichen“, konstatiert Stiebel-Eltron-Geschäftsführer Kai Schiefelbein. „Würden die Kostennachteile von Strom gegenüber Erdöl und Gas aber aufgehoben, könnte sich die umweltfreundliche Wärmepumpe deutlich schneller gegen die fossilen Heizsysteme durchsetzen.“

„Ausland macht den Fehler nicht“

Dieser Fehler wird im Ausland nicht gemacht. In China, Japan und den USA treten die mit günstigem Strom angetriebenen Wärmepumpen den Siegeszug an. Die Hersteller dieser Länder bauen große Stückzahlen auf und können damit immer kostengünstiger produzieren.


Dr. Volker Breisig bei der Vorstellung der Studie „Chan­cen und Risiken für die deutsche Hei­zungs­in­dus­trie“ (Screenshot © baulinks/AO)

Fatale Folgen für den Standort Deutschland

Die Folgen für den Standort Deutschland könnten fatal sein. In besagter PwC-Studie „Chancen und Risiken für die deutsche Heizungsindustrie im globalen Wettbewerb“ stellt der Marktforscher Dr. Volker Breisig fest: „Globale Wettbewerber im Wärmepumpenmarkt werden den Vorteil großer Stückzahlen mit geringen Stückkosten nutzen. Die Hersteller aus den asiatischen Ländern profitieren davon, dass das Funktionsprinzip der dort weit verbreiteten Klimaanlagen mit den luft- und wassergeführten Wärmepumpen vergleichbar ist. Das macht den Markteintritt in Europa relativ einfach möglich. Schon jetzt drängen Hersteller aus dem asiatischen Raum auf den europäischen Markt. Wir müssen uns auf einen international umkämpften Markt einstellen“, so Dr. Breisig (im Bild rechts).

Skandinavien bei der Energiewende erfolgreich

In Europa werden die meisten Wärmepumpen derzeit in den skandinavischen Ländern installiert, wo die für den Betrieb wichtigen Strompreise niedrig sind: In Norwegen, Schweden und Finnland sind es mehr als 20 Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte - in Deutschland bisher nur gut 2.

Für die Zukunft schlagen die PwC-Experten vor, die regulatorischen Rahmenbedingungen anzugleichen und Deutschland für den internationalen Wettbewerb fit zu machen. Der von der Bundesregierung im Rahmen des Klimapakets für das kommende Jahr eingeführte CO₂-Preis sowie der nationale Emissionshandel seien ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Chance für deutsche Heizungsindustrie

„Deutschland hat jetzt noch die Chance, als technologischer Marktführer im Heimatmarkt sowie im internationalen Wettbewerb sehr erfolgreich zu sein“, erwartet Stiebel-Eltron-Geschäftsführer Kai Schiefelbein. „Das Potential für Arbeitsplätze bei den Herstellern von Wärmepumpen und beim Einbau im Heizungshandwerk sind enorm. Wie die Experten von PwC in der Wettbewerbsanalyse festgestellt haben, sollte die Politik in Deutschland die staatlichen Rahmenbedingungen aber schnell korrigieren, damit sich ein Szenario wie bei der Solarindustrie nicht wiederholen kann“, so Kai Schiefelbein.

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