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39% der 2020 gebauten Wohngebäude heizen mit Erdgas

(17.10.2021) Mit dem Beginn der Heizperiode geraten die Kosten für die verwendeten Energieträger besonders in den Fokus - allen voran das Erdgas. Vor diesem Hintergrund erinnert das Statistische Bundesamt daran, dass von den im Jahr 2020 knapp 113.000 neu errichteten Wohngebäuden 39% mit einer Gasheizung ausgestattet. Damit war Erdgas hier die zweitwichtigste primäre Energiequelle nach Wärmepumpen.

Der Trend zum fossilen Energieträger Erdgas ist seit Jahren rückläufig: Im Jahr 2010 lag der Anteil der Neubauten, die mit Gas beheizt wurden, noch bei 53%, im Jahr 2000 sogar bei 74%. Weitere fossile Energieträger zum Heizen sind Öl und teilweise auch Strom. Ölheizungen stellen in neu gebauten Wohngebäuden mittlerweile eine Seltenheit dar: 2020 wurden lediglich 0,7% der Neubauten mit einer Ölheizung ausgestattet, 20 Jahre zuvor war es noch fast jede fünfte (20%).

Stattdessen gewinnen erneuerbare Energien immer mehr an Bedeutung. So waren 2020 Wärmepumpen die wichtigste primäre Energiequelle: In 46% der Neubauten wurden sie als Energiequelle zum Heizen genutzt. Erneuerbare Energien wurden im Jahr 2020 damit erstmals in mehr als der Hälfte (50,5%) der Neubauten zum Heizen eingesetzt.

Preissteigerungen bei Energieträgern betreffen vor allem Import- und Erzeugerpreise

Auch wenn sich im Neubau erneuerbare Energieträger mehr und mehr durchsetzen, spielt im Wohnungsbestand neben Erdgas auch Erdöl nach wie vor eine Rolle: Rund ein Viertel aller Wohnungen wird noch mit Öl beheizt. Für diese Energieträger sind seit einiger Zeit Preisanstiege in den vorgelagerten Wirtschaftsstufen erkennbar:

  • Zum einen macht sich die CO₂-Bepreisung seit Beginn des Jahres 2021 bemerkbar,
  • zum anderen spielen verschiedene Corona-Effekte, wie etwa die schnellere Erholung der Wirtschaft nach der ersten Lockdownphase, eine Rolle.

So stiegen etwa die Importpreise für Erdgas ab März 2021 deutlich an; im August 2021 lagen sie zuletzt um 177,5% höher als im Vorjahresmonat. Auch Erdöl war im August 2021 im Vorjahresvergleich mit einem Plus von 63,6% deutlich teurer, elektrischer Strom, der ebenfalls in geringem Ausmaß zum Heizen genutzt wird, um 136,1%.

Auch bei den gewerblichen Erzeugerpreisen waren zuletzt deutliche Steigerungen zu beobachten: Die Erdgaspreise lagen im August 2021 um 44,2% höher als im Vorjahresmonat, wobei deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Verbrauchsgruppen bestanden. Die Preise für leichtes Heizöl stiegen um 63,6%. Beim elektrischen Strom fiel die Steigerung hingegen deutlich niedriger aus (+20,4%).

Preisunterschiede bei Erdgas und Heizöl beruhen auf unterschiedlichem Zugang zum Energiemarkt

Bei den Verbrauchern sind die Preissteigerungen beim Erdgas nicht in dem Ausmaß sichtbar wie auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen: Erdgas war im September 2021 um 5,7% teurer als im Vorjahresmonat - der Preisanstieg lag damit nur vergleichsweise leicht über dem des Verbraucherpreisindex insgesamt (4,1%). Der Anstieg beim Erdgas resultiert dabei ...

  • nicht nur aus den Preissteigerungen auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen einschließlich der CO₂-Bepreisung,
  • sondern auch aus dem Basiseffekt durch die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze im Vorjahr.

Für leichtes Heizöl mussten die Verbraucher im September 2021 rund 76,5% mehr als vor einem Jahr bezahlen. Strom war im September 2021 um 2,0 % teurer als im Vorjahresmonat.

„Die unterschiedlichen Entwicklungen bei Erdgas und Strom einerseits sowie Heizöl andererseits sind auf den unterschiedlichen Zugang der Verbraucherinnen und Verbraucher zum Energiemarkt zurückzuführen“, so Christoph-Martin Mai, Leiter des Referats „Verbraucherpreise“ im Statistischen Bundesamt. „Während Heizöl zu aktuellen Preisen gekauft wird, gelten für Erdgas und Strom oftmals langfristige Verträge mit Energieversorgern. Preisanpassungen finden dort meist nur jährlich und mit einigem Vorlauf statt.“

Knapp 6 % der privaten Konsumausgaben wandten Haushalte für Energie auf

Die Ausgaben eines Durchschnittshaushaltes für Wohnenergie - also unter anderem für Strom, Gas und Heizöl - lagen im Jahr 2019 bei monatlich 150 Euro, das waren 5,8% der privaten Konsumausgaben. Den größten Anteil an den Ausgaben für Wohnenergie haben die Ausgaben für Strom. Im Jahr 2019 lagen diese im Schnitt bei 46% (rund 70 Euro im Monat).

Übrigens

Im Juni hatte das Statistische Bundesamt gemeldet, dass 68,8% der 2020 in Deutschland neu errichteten Wohngebäude ganz oder teilweise mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Das sei hier erwähnt, weil die Summe aus 68,8% „Heizen mit erneuerbaren Energien“ im Juni-Beitrag und 39% „Heizen mit Gas“ im heutigen Text über 100 Prozent liegt und vielleicht bei einem flüchtigen Blick falsch wirkt. Aber es gibt eben beispielsweise Gasheizungen, die zusammen mit einer Solarthermie-Anlage betrieben werden.

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