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Biodiversitätsindikatorenstudie: Naturschutzfachliche Relevanz von Tongewinnungsstätten

(11.5.2022) Die Tongewinnungsstätten der Mitgliedsunternehmen der Deutschen Poroton bieten sehr gute Standortbedingungen für viele Tier- und Pflanzenarten. Insbesondere spezialisierte und gefährdete Arten finden dort schon während der Betriebsphase geeignete Lebensräume. Tongewinnung leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt - zu diesem Ergebnis kommen Landschaftsarchitekten, Biologen und Geographen von der Spang. Fischer. Natzschka. GmbH (SFN) in der ersten systematischen Biodiversitätsindikatorenstudie zu Tongewinnungsstätten.

Die Uferschwalbe lebt eigentlich an steilen Flussufern. Die Wände von Tongewinnungsstätten bieten geeigneten Ersatzlebensraum. Die Art ist in Deutschland streng geschützt. (Foto © Frank Vassen) 

Fünf Tongewinnungsstätten der Unternehmen Schlagmann Poroton in Bayern sowie Wienerberger in Thüringen und Baden-Württemberg wurden für die Studie untersucht. Auf Grundlage der erhobenen Werte wollen die Unternehmen weitere Maßnahmen für ein strategisches Lebensraum-Management der Flächen entwickeln.

Können Abbaustätten positive Effekte auf die Flora und Fauna vor Ort haben?

Aktive Gewinnungsstätten beherbergen laut der Biodiversitätsindikatorenstudie viele dynamische Lebensräume und eine große Biotoptypenvielfalt. Für Kulturlandschaften seltene Biotope wie Klein- und Kleinstgewässer wurden an allen Standorten gefunden. Zwischen 12 und 47% der aktiv genutzten Flächen sind mit Wanderbiotopen besetzt.

Diese Vielfalt an Lebensräumen schlägt sich auch in der Zahl der erfassten Arten nieder. Die untersuchten aktiven Gewinnungsstätten beherbergen meist ein Mehrfaches an Arten verglichen mit den anderweitig, vor allem für die Landwirtschaft genutzten Flächen in unmittelbarer Nachbarschaft. So wurden an vier Standorten bis zu 370% mehr Pflanzen- und bis zu 600% mehr Vogelarten gefunden.

Aktive Tongewinnungsstätten weisen deutlich mehr Amphibienarten auf als die umgebenden Flächen. 

Besonders stark profitieren wohl Amphibien und Libellen von den durch die Tongewinnung erzeugten Pfützen und Tümpeln: Die Artenzahl liegt der Studie zufolge bis zu 600% bzw. 900% über den umgebenden Flächen. Naturschutzfachlich besonders bedeutsame Arten treten fast ausschließlich in den aktiven Gewinnungsstätten auf. Kreuzkröte, Wechselkröte, Steinschmätzer und Flussregenpfeifer beispielsweise sind auf Biotope, die in Tongewinnungsstätten entstehen, angewiesen.

Diese Befunde lassen sich auch für stillgelegte Tongewinnungsstätten festhalten, die der Rekultivierung oder Renaturierung zugeführt sind. Die meisten untersuchten Flächen wiesen ein Mehrfaches an Biotoptypen und Arten auf, verglichen mit den umgebenden Flächen.

„Tongewinnungsstätten haben großes Potenzial für den Naturschutz, auch als Trittsteine im Biotopverbund. Bereits während der Gewinnungsphase bieten sie Lebensräume für seltene oder gefährdete Tier- und Pflanzenarten, deren ursprüngliche Lebensräume in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft kaum noch vorhanden sind. Viele dieser Arten wie die Uferschwalbe, der Bienenfresser und die Gelbbauchunke sind angewiesen auf eine hohe Lebensraumdynamik, eine hohe strukturelle Vielfalt, Rohböden oder unterschiedlich junge Stadien der Vegetationsentwicklung“, erklärt Dr. Werner Dieter Spang, SFN-Geschäftsführer.

Biodiversitätsindikatoren und -Management

Ziel der Studie war die Entwicklung und praktische Erprobung von Biodiversitätsindikatoren, die für die Anwendung in Tongewinnungsstätten geeignet sind. Biodiversitätsindikatoren sind rechnerisch ermittelte Kennzahlen auf Basis biologischer Messgrößen, um die Biodiversität von Flächen zu beschreiben und zu bewerten. Im Rahmen der Studie wurde erstmals ein Katalog von 22 zuverlässigen Biodiversitätsindikatoren speziell für Tongewinnungsstätten entwickelt. Der Praxistest erfolgte anhand von Daten aus der Kartierung des Biotop- und Artenbestandes an den fünf Werksstandorten. Die erarbeiteten Biodiversitätsindikatoren stellen auch eine gute Grundlage zur Optimierung des Biodiversitäts-Managements in Tongewinnungsstätten dar.

Mit Beginn des zweiten Quartals 2022 sollen die Ergebnisse der Kartierung in die Biodiversitätsdatenbank der Baustoff-Steine-Erden-Industrie bbs einfließen. Die Datenbank soll die Branche dabei unterstützen, ihren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu erfassen und zu dokumentieren.

„Mit der Studie liegt erstmals ein umfassender Beleg vor, dass die Tongewinnung an unseren Standorten einen positiven Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leistet. Unsere Mitglieder sehen darin einen Auftrag. Deshalb laufen aktuell noch ergänzende Kartierungsarbeiten, die uns weitere Daten zur Flora und Fauna in den Tongewinnungsstätten zur Verfügung stellen werden. Auf Grundlage dieser Daten werden wir an den Werksstandorten der Poroton Mitgliedsfirmen weitere Maßnahmen zum aktiven Le­bensraum-Management anstoßen“, resümiert Dipl.-Ing. Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer der Deutschen Poroton.

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