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Mit Kletterpflanzen begrünte Fassaden helfen gegen Feinstaub, Stickoxide, Hitze und Kälte

(20.8.2018) Wissenschaftler von der Uni Köln und dem Forschungszentrum Jülich haben aktuell untersucht, wie grüne Fassaden das Innenraumklima positiv beeinflussen und in welchem Umfang gesundheitsschädliche Stickoxide und Feinstaubpartikel absorbiert und gefiltert werden.

Professor Dr. Hans Georg Edelmann vom Institut für Biologiedidaktik der Uni Köln und sein Team haben die Tagestemperatur-Verläufe von Efeu-begrünten Fassaden und klassischen, verputzten Hausfassaden verglichen und dazu u.a. die fassadennahe Luftfeuchte über mehrere Wochen aufgezeichnet. Dabei zeigte sich, dass Efeu - wie auch andere (Kletter-)Pflanzen - im Sommer nachhaltig kühlend und im Winter wärmedämmend auf die Fassaden wirkt: Es gab bei weitem nicht so starke Temperaturunterschiede wie bei unbegrünten Hausfassaden. So zeigte die grüne bewachsene Fassade im Sommer Temperaturschwankungen von 10 bis 13°C am Tag, während die Temperatur von blanken Hausfassaden um bis zu 35°C variierte.

Zusammen mit dem Forschungsinstitut Jülich untersuchten die Kölner Forscher außerdem die Wirkung von Efeu auf die Absorption von Stickoxiden (NOx) und die Adsorption (Bindung und Anreicherung von Stoffen an die Blattflächen) von Feinstaub mit einer durchschnittlichen Größe von 2,5 Mikrometer (PM 2,5). Sie konnten zeigen, dass Efeu die gesundheitsschädlichen Stickoxide absorbierte und den Feinstaub filtrierte. Zudem hat die Bepflanzung einen positiven Effekt auf die Absorption des Treibhausgases CO₂.

Städte sind durch sehr hohe Verkehrsdichten sowie intensive Verbauung gekennzeichnet. Den wenigen freien Grünflächen steht ein Vielfaches an Asphalt-, Beton- sowie Dach- und Fassadenflächen gegenüber, die im Sommer intensiv aufgeheizt werden und im Winter recht schnell auskühlen. Das führt im Rahmen des Klimawandels neben anderen negativen Effekten (Stickoxidbelastung, CO₂-Belastung) zunehmend zu einer Überhitzung der Städte und zu einer Konzentrierung von Feinstaubpartikeln, deren gesundheitsschädliche Wirkung im Zusammenhang mit Krebs, Diabetes, Asthma, Herzinfarkt und weiteren Krankheiten wie Demenzerkrankungen diskutiert wird.

Kein gutes Image von Kletterpflanzen!?

„Begrünte Fassaden stellen eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel dar - nicht nur im Hinblick auf die Stadttemperatur, sondern auch hinsichtlich der Feinstaubproblematik“, erläutert Biologe Edelmann. Grundsätzlich trügen grüne Fassaden zu einer ganzen Reihe städteklimatisch vorteilhafter Eigenschaften bei, so Edelmann weiter: „Fassadenbepflanzung verbessert sowohl das Stadt- als auch das Raumklima, mindert Überhitzung und Smog, sie produziert Sauerstoff und trägt zur Erhaltung und Erhöhung der Artenvielfalt in der Stadt als Lebensraum für Fauna und Flora bei.“

Edelmann beobachtet: „Leider haben mit Kletterpflanzen bewachsene Fassaden zumindest in der deutschen Gesellschaft bislang kein gutes Image. Sie werden von vielen Menschen als Indikator für Vernachlässigung und Verfall von Gebäuden, als gebäudeschädigend und betreuungsintensive Gewächse angesehen.“ Im Kontext des Klimawandels und der zu erwartenden, noch stärkeren Aufheizung der Städte sowie der anhaltenden Verschlechterung der Luftqualität vor allem durch Autoabgase scheine sich dieses Image jedoch zu ändern.

Typische Fassaden-Kletterpflanzen sind der Efeu (Hedera helix) mit zahlreichen Sorten oder der Wilde Wein (Parthenocissus). Sie sind sehr anpassungsfähig und trockenheitsverträglich und gedeihen auch an verhältnismäßig kargen Standorten.

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