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Preisgekrönte Schnapsidee: Täuschend echt wirkende Holzbohlen aus schwarzem Beton

(10.6.2020) Das neue Lagergebäude der nördlichsten Gin- und Whisky-Brennerei der Welt könnte auf den ersten Blick mit alten, verkohlten Holzbohlen verschalt sein. Tatsächlich hat das Fasslager der Kyrö Distillery in Finnland aber eine rabenschwarz pigmentierte und strukturierte Betonfassade. Die mit dem finnischen Beton-Architektur­preis ausgezeichnete Fassade wurde mit anorganischen Bayferrox-Pigmenten von Lanxess eingefärbt. Entworfen wurde das stylishe Gebäude vom Architekturbüro Avanto Architects aus Helsinki (Avanto Arkkitehdit Oy).

Foto © Kuvatoimisto Kuvio 

Von traditionellen Holzscheunen inspiriert

Alles begann mit einer „Schnapsidee“: Fünf finnische Freunde gründeten auf einem Saunafloß die Spirituosenmanufaktur Kyrö Distillery Company, die 2014 das Geschäft in einer alten Molkerei startete. Die Brennerei gewann in der Folge diverse internationale Auszeichnungen und mit dem Ruhm stieg die Nachfrage rasant - die bestehenden Produktionskapazitäten wurden knapp. Kyrö organisierte daraufhin einen Einladungswettbewerb für die Gesamtgestaltung des alten Molkereigebiets.

Schließlich wurde Avanto Architects ausgewählt, um einen Masterplan sowie mehrere neue Gebäude zu entwerfen und die alten historischen Gebäude auf dem Fabrikgelände umzubauen (siehe Google-Maps). Im ersten Schritt realisierte das Team aus Helsinki eine 1.056 m² große, schwarze Lagerhalle mitten im Wald, die von traditionellen Holzscheunen inspiriert ist. Vier baugleiche Hallen sollen noch folgen:

Herausforderung Lagerraum

Die Fasslagerung ist nicht nur eine Lagerstätte, sondern auch ein Teil des Produktionsprozesses. Damit Whisky überhaupt Whisky genannt werden darf, muss die Spirituose mindestens drei Jahre in Eichenfässern lagern. Zunächst müssen daher große Lagerkapazitäten bereitgestellt werden, auch wenn man nicht abschätzen kann, ob sich das Produkt nach der langen Lagerzeit gut verkaufen wird.

Eine weitere Herausforderung stellten die strengen Brandschutzbestimmungen für Fasslager dar: Whisky zählt zu den brennbaren Flüssigkeiten. So musste die Lagerhalle in fünf Abschnitte unterteilt werden - jeder mit genau kontrolliertem Raumklima. Die einzelnen Bereiche haben eine passend regulierte Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Menge an Ethanol, die in der Luft verdunstet, wird genauestens überwacht, um so eine Explosionsgefahr zu vermeiden.

Die Fassade des Fasslagers ist von den typischen regionalen Holzscheunen inspiriert. Die Außenwandstruktur besteht aus herkömmlichen 4,5 bis 6 m x 3 m großen Sandwichelementen (Außenschale: 105 mm Stahlbeton, Bewehrung aus rostfreiem Stahl. Beanspruchungsklasse XC3.4, XF1; 150 mm Polyurethan-Isolierung; Innenschale: 80 mm Stahlbeton).

Scheunenbretter als Vorlage

Die Außenhülle mit der Anmutung eines ostbottnischen Dielenbodens ist die Besonderheit des Gebäudes. Der finnische Betonfertigteilhersteller Tara-Element hatte sich für die Produktion der Fassadenelemente die Unterstützung des Formenherstellers Finn-Form geholt. Statt frisch gesägter Hölzer wurden Bretter einer demontierten Scheune als Vorlage für die Fassadenmatrizen genommen. Passende Stücke wurden ausgewählt und so zusammengestellt, dass sich möglichst wenige Wiederholungen ergaben.

Das gesamte lose Material wurde von den Scheunenbrettern entfernt, mit einer Harzbehandlung verstärkt, in eine Negativform umgewandelt und schließlich in die Form gegossen. So wurden zwei 1,5 m × 4,5 m große Formen erstellt, mit denen sich  - normal und auf den Kopf gestellt - Muster erzeugen lassen, die sich alle sechs Meter wiederholen. Für die Herstellung der Fassadenmatrizen wurden fast tausend Kilogramm Gießharz aus Frankreich bestellt.

Schwarzer Beton ist die Königsdisziplin

„Ursprünglich sollten die Betonelemente mit farbigem Beton hergestellt und auf der Baustelle noch dunkler nachgestrichen werden“, berichtet Oliver Fleschentraeger, Market Segment Manager Construction im Geschäftsbereich Inorganic Pigments bei Lanxess. „Nach einigen Abgüssen wurde das tiefschwarze Pigment Bayferrox 360 in einer Dosierung von 5 Prozent Pigment eingesetzt – dadurch konnte ein nachträglicher Anstrich entfallen“, ergänzt der Anwendungstechniker.

Der Einsatz von anorganischen Eisenoxidpigmenten in Beton beziehungsweise die Umsetzung individueller farblicher Vorstellungen erfordert immer ein grundlegendes technisches und anwendungstechnisches Know-how - gerade bei schwarzen Pigmenten: „Richtig schwarzen Beton herzustellen stellt die Königsdisziplin dar“, betont Fleschentraeger. Ob der Beton im ausgehärteten Zustand den gewünschten Farbton besitzt, hängt nicht allein von der Qualität und Mischung der Farbpigmente ab, sondern auch von der verwendeten Zementart und den Betonzuschlägen. „Dieser Prozess erfordert Praxiserfahrung im Zusammenspiel“, unterstreicht Fleschentraeger.

Weitere Informationen zu Bayferrox-Pigmenten können per E-Mail an Lanxess angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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