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Mit Radonkarte und Sachverstand Hauskeller auf Radon untersuchen

(31.10.2007; upgedatet am 2.11.2007) Immer wieder hören und lesen Hausbesitzer von gesundheitsgefährdendem Radon in deutschen Kellern. Das erschreckt viele Menschen. Dabei besteht kein Grund zur Panik, erläutert u.a. der Verband Privater Bauherren (VPB), zumal sich das Problem Radon in der Regel bautechnisch lösen lässt.

Radon ist ein chemisches Element und, wie der Name nahe legt, radioaktiv. Quelle des Radons ist das im Urgestein und im Erdreich in Spuren vorhandene Radium, das im Mineralgitter festsitzt und dort zum gasförmigen Radon zerfällt. Ein Teil dieses Gases gelangt aus dem Mineral in die Bodenluft und bewegt sich dort aufgrund eines Konzentrationsgradienten in Richtung der freien Atmosphäre.

Die Frage, ob das Radon auch in ein Haus gelangt, hängt im wesentlichen von dessen Bausubstanz ab. Ungenügend abgedichtete, erdberührte Hauspartien oder Undichtigkeiten wie Risse führen dazu, dass Bodenluft in das Haus gelangt - und damit auch Radon.

Die Diffusionskonstante von Radon ist derart hoch, dass es sich trotz seines hohen spezifischen Gewichtes in einer freien Atmosphäre innerhalb kürzester Zeit gleichmäßig verteilt. Wenn Radon in Häusern dennoch in hohen Konzentrationen vorkommt, ist es darauf zurückzuführen, dass bei den oben erwähnten Undichtigkeiten eine stetige Luftbewegung vom Erdreich ins Haus existiert. Dieser wird begünstigt durch den Druckunterschied zwischen Hausinnern und Erdreich, man spricht auch von einem "Kamineffekt".

<!---->Laut Dr. Ralf Klingel, beratender Geologe von Kemski & Partner, ist Radon in der Bodenluft im Durchschnitt mit 20.000 Bq/m³ vertreten, kann in einzelnen Gebieten Deutschlands aber auch mehr als 100.000 Bq/m³ erreichen. Gesundheitsschädigend seien nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen Radonkonzentrationen von mehr als 150 Bq/m³ in Aufenthaltsräumen. Zum Vergleich: Im Freien beträgt die Konzentration im Schnitt etwa 10 - 15 Bq/m³. Wenn Häuser nicht unterkellert sind, gelangt Radon über Undichtigkeiten in der Bodenplatte ins Haus. Kemski & Partner gehen davon aus, dass in ca. 1,6 Millionen Wohngebäuden in der Bundesrepublik der Wert von 100 Bq/m³ überschritten wird.

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen bestehe ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Radonkonzentration in einem Gebäude und der Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken. Je Zunahme von 100 Bq/m³ geht man von einem zusätzlichen Risiko von ca. 10% aus.

Hohe Radon-Konzentrationen kommen allerdings nicht in allen Gegenden der Bundesrepublik vor. So gibt es so gut wie keinerlei Radonbelastung im südlichen Teil der Norddeutschen Tiefebene zwischen Bremen und Berlin. Erste Aufschlüsse darüber, ob das eigene Haus überhaupt in einem hoch Radon-belasteten Gebiet liegt, liefert der Radonkarte des Bundesamtes für Strahlenschutz (siehe auch Seite 7 im BMU-Radon-Themenpapier).

Bei der Interpretation der Radonkarte darf aber nicht nur auf die Spitzenbelastung geachtet werden. Vielmehr wurde bereits ab 20.000 Bq/m³ in der Bodenluft ein steigender Anteil von Häusern mit erhöhten Radonkonzentrationen nachgewiesen. Die Karte ist außerdem nur als Orientierungskarte zu verstehen und kann nicht benutzt werden, um die Radongefährdung eines einzelnen Hauses zu bestimmen. In allen Gebieten, die mehr als 20.000 Bq/m³ Radon in der Bodenluft aufweisen, können bei detaillierter Betrachtung Bereiche auftreten, die als Radongebiete einer besonderen Untersuchung bedürfen. Vor allem bei bestehenden Häusern mit schlechter Bausubstanz können hier gesundheitschädliche Radonkonzentrationen auftreten.

Bausachverständige empfehlen vor allem Bewohnern der gefährdeten Regionen oder Menschen mit ungeklärter Lungenkrebsursache die Untersuchung ihres Hauses auf Radon. Dazu können entweder von den Hausbewohnern selbst so genannte Exposimeter aufgestellt werden, die nach einer weltweit etablierten Methode sehr genaue Werte liefern. Will man stattdessen Baufachleute beauftragen, die eng mit Chemikern und Wohnraumanalytikern zusammenarbeiten, sollte man darauf achten, dass diese überhaupt über das nötige Spezialwissen und die technische Ausrüstung für Tests verfügen. Langzeitmessungen sind Kurzzeitmessungen vorzuziehen.

Sind tatsächlich erhöhte Radonkonzentrationen festgestellt worden, so ist die gezielte Suche nach den Radoneintrittspfaden sinnvoll. Die Palette der Sanierungsmöglichkeiten ist danach sehr groß: es kann von der Abdichtung einzelner Leitungszuführungen über eine kontrollierte Belüftung bis hin zu einer kompletten Außenabdichtung gehen. Bei Sanierungsmaßnahmen sind auch Langzeitaspekte zu betrachten. So müssen beim nachträglichen Einbau einer Belüftung die Energiekosten sowie mögliche Veränderungen des Raumklimas (Stichwort Schimmelbildung) bedacht werden.

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