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Mit wie viel Lärm muss man rechnen - z.B. durch Anlieferverkehr?

(27.4.2011, Tag gegen Lärm) Wer in der Nähe eines Supermarktes wohnt, hört meistens sehr genau, wann dieser beliefert wird: Der Lärm der LKWs stört nicht nur, er liegt auch oftmals aufgrund fehlerneder Schallschutzmaßnahmen über den erlaubten Grenzwerten. Ein Grund dafür ist, dass die in der Planungsphase berechneten Lärmimmissionen mit den später tatsächlich auftretenden nicht konform gehen. Die Modelle, die den Schallberechnungen zugrunde liegen, weisen oft Ungenauigkeiten auf, weil sie typische Schallphänomene unberücksichtigt lassen. Deshalb hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Mechanik der TU Braunschweig ein variables Modell einer Anlieferzone erstellt und daran gemessen, wie sich der Schall von Ladevorgängen unter verschiedenen Bedingungen ausbreitet. Auf der Grundlage dieser akustischen Messungen sollen Schwächen des Prognoseverfahrens behoben werden.

In Wohngebieten treten Lärmbelastungen durch Ladevorgänge vor allem an Nahversorgungsmärkten auf. Deshalb ist bereits im Genehmigungsverfahren nachzuweisen, dass die Nachbarschaft nicht unzulässigem Lärm ausgesetzt wird. Doch die rechnerischen Prognosen, mit denen so ein Nachweis erstellt wird, weisen prinzipielle Unsicherheiten bei den errechneten Schallpegeln auf. Sie berücksichtigen die komplexe geometrische Situation oft nicht ausreichend, wenn der Schall zum Beispiel an Häuserfassaden gebeugt oder von ihnen reflektiert wird.

Im Genehmigungsverfahren falsch prognostizierte Lärmbelastungen haben Konsequenzen für die Wohnsituation, die Städteplanung und die Umwelt:

  • Wird die Belastung niedriger eingestuft, als sie dann tatsächlich auftritt, werden die Anwohner durch die Ladevorgänge einer zu hohen Lärmbelastung ausgesetzt.
  • Wird dagegen das Lärmpotential fälschlicherweise(!) als zu hoch eingestuft, und werden dadurch kleine Supermärkte in Wohngebieten nicht genehmigt, dann öffnen Supermärkte ihre Türen nur noch in Randbezirken - was wiederum zu Zersiedelung und längeren Autofahrten führt, bei denen mehr Treibhausgase ausgestoßen werden.

Die Entwicklung eines neuen Berechnungsmodells wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Die Grundlage bilden akustische Messungen, die in der PTB durchgeführt wurden. Um die Schallausbreitung zu messen, haben die Wissenschaftler ein variables Modell eines LKWs samt Supermarktfassade im Maßstab 1:8 aufgebaut. Dessen einzelne Bestandteile können verändert werden, um die Ausbreitung von Schallwellen unter verschiedenen räumlichen Bedingungen zu ermitteln. Die Messungen finden in einem Halbfreifeldraum statt, dessen Wände und Decke mit Schall absorbierenden Materialien ausgekleidet sind. Auf diese Weise wird das Verhalten des Schalls „unter freiem Himmel“ nachgebildet: Nur der Boden des Raumes und die Bauteile des Modells können den Schall reflektieren.

Bei der Schallermittlung an Modellen können die PTB-Wissenschaftler auf einen großen Erfahrungsreichtum zurückgreifen. Messungen an Modellen sparen enorme Kosten, die entstehen würden, wenn man für Schall-Messungen reale Gebäude baulich verändern müsste. Inzwischen sind die Messungen abgeschlossen. Sie bilden die Basis für die rechnerischen Modelle zur Schallprognose, die am Institut für Angewandte Mechanik der TU Braunschweig weiterentwickelt werden sollen.

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