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DGNB will mit neuem Zertifizierungssystem Anreize für mehr Innovation im Bauen setzen


  

(4.3.2018) Die Zertifizierung von nachhaltigen Gebäuden hat sich in der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft in den letzten Jahren etabliert - das ist unbestritten. Das eigentliche Ziel einer Zertifizierung, wie es die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) versteht, ist aber für Bauherren noch zu oft im Hintergrund verborgen. Darum entwickelt die DGNB ihr System ständig weiter: Gezielt belohnt wird, wer sich frühzeitig und ganzheitlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt und mehr macht im Bereich Klimaschutz und Circular Economy. Ein für die praktische Anwendung optimiertes Planungstool will vor diesem Hintergrund ...

  • Innovationen fördern,
  • Qualität sichern und
  • zudem Impulse zur stärkeren Sektorenkopplung setzen.

„In der Weiterentwicklung des DGNB-Systems steckt unheimlich viel mehr drin als eine reine Anpassung von Zielwerten“, betont Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Es ist ein entscheidender Schritt, um den eigentlichen Zweck der Zertifizierung von Gebäuden umfänglich in den Fokus zu setzen: Ein Planungstool, das dazu motiviert, sich intensiv mit der Bauaufgabe zu beschäftigen und das Gebäude mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus optimal zu gestalten. Und es ist ein Tool zur Qualitätssicherung, das über alle Planungs- und Bauphasen hinweg dabei hilft, nachweislich bessere Gebäude zu bauen.“

Planerische Freiheit und Belohnung neuartiger Lösungen

Zu den wesentlichen Weiterentwicklungen des DGNB-Systems zählt die gezielte Förderung neuer Lösungen. „Wenn eine Zertifizierung dazu beiträgt, an den richtigen Stellen Anreize zu setzen, kann es als Mittel zum Zweck viel bewegen“, erwartet Lemaitre. „Entscheidend ist dabei, den Architekten und Planern die notwendige große Freiheit zu lassen und ihnen keinen starren Rahmen vorzugeben.“ Im neuen DGNB-System wurde dies in 18 der 37 Kriterien erstmalig über sogenannte Innovationsräume implementiert. Dabei können neuartige Lösungsansätze in gleicher Weise in der Zertifizierung berücksichtigt werden wie bestehende, sofern sie nachweislich zum selben oder einem besseren Ergebnis führen.

In eine ähnliche Richtung zielen die neu eingeführten Boni, die in einer Vielzahl von Kriterien implementiert wurden. Ob mit Bezug zu den Themen der Circular Economy oder den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen: Wer mit Blick auf die Ressourcen und den Klimaschutz sinnvoll mehr macht, für den gibt es 22-mal die Möglichkeit, Pluspunkte beim Zertifizierungsergebnis zu erzielen. „Die DGNB setzt hier im Kontext der Gebäudezertifizierung im internationalen Vergleich völlig neue Maßstäbe“, erklärt Lemaitre. „So explizit und konsequent wurden neuartige, ganzheitliche Lösungsansätze zu so wichtigen Zukunftsthemen wie der Circular Economy bislang noch nicht gefördert.“

Auch innerhalb der Kriterien wurde der Mehrwert einer frühzeitigen, integralen Planung über eine höhere Gewichtung hervorgehoben – so etwa bei der Ökobilanzierung und der Lebenszykluskostenrechnung, den Kriterien mit dem größten Anteil an der Gesamtbewertung bei der DGNB. Hier wird belohnt, wer schon zu Beginn der Planung über Variantenrechnungen die für das Projekt geeigneten Entscheidungen trifft.

Über die Grenzen des Gebäudegrundstücks hinaus

„Uns ist wichtig, dass Dinge nicht nur gemacht oder dokumentiert werden, weil die DGNB es so vorschreibt“, sagt Lemaitre. „Es geht darum, über eine gute Planung eine ganzheitlich höhere Qualität für das individuelle Projekt zu erreichen.“ Dazu gehört auch der Blick über die Grenzen des Gebäudegrundstücks hinaus. Neben der Einbindung von Themen wie Lichtverschmutzung hat die DGNB auch die vier Kriterien der Standortqualität ganz neu in die Gesamtbewertung mit aufgenommen. Positiv bewertet wird zum Beispiel, wenn das Gebäude einen Beitrag für das Quartier leistet, etwa im Bereich der Ener­gieversorgung, aber genauso wenn es die Gegebenheiten im Quartier auf geeignete Weise in der Gebäudeplanung selbst berücksichtigt.

Qualitätssicherung über alle Planungs- und Bauphasen hinweg

Die unabhängige Überprüfung und Bestätigung der erreichten Qualität ist eine originäre Aufgabe von Zertifizierung. Genauso wichtig ist jedoch, dass schon während der Planungs- und Bauphase Maßnahmen getroffen werden, die sicherstellen, dass die geplante Qualität tatsächlich auch umgesetzt wird. Um dies zu fördern, hat die DGNB diverse Stellschrauben im System optimiert und dabei insbesondere an den kritischen Schnittstellen entlang der Wertschöpfungskette beim Bauen angesetzt. So ist ab sofort beispielsweise eine Materialüberwachung auf der Baustelle obligatorisch, will man beim Thema Schad- und Risikostoffe die höchsten Bewertungskategorien erreichen. Zudem wird eine Einweisung der Bauleitung auf Basis der erstellten Anforderungslisten der zu verwendenden Bauprodukte neu gefordert.

Auch die Anschlussfähigkeit an die Phase des Gebäudebetriebs hat die DGNB im System strukturell verankert. Mit der „FM-gerechten Planung“ und der „Nutzerkommunikation“ setzen gleich zwei neue Kriterien genau hier an, damit das im Neubau angelegte Nachhaltigkeitspotenzial in der praktischen Nutzung auch tatsächlich ausgeschöpft wird. Überhaupt wurden die Themen der Prozessqualität, die maßgeblich dazu beitragen, die Gebäudequalität über alle Phasen hinweg zu gewährleisten, insgesamt aufgewertet.

Zudem geht die DGNB aus regulatorischer Sicht im neuen System vorausschauender mit dem Thema Zukunftssicherheit um. Dies betrifft Themen wie den Einsatz von Kältemitteln, bei dem heute schon klar ist, was in den kommenden Jahren rechtlich gefordert sein wird. Die DGNB Zertifizierung trägt hier dazu bei, teuren Umrüstungen und Sanierungsmaßnahmen präventiv vorzubeugen.

DGNB setzt auf Responsible Sourcing und forciert Sektorkopplung

Mit dem neuen Zertifizierungssystem setzt die DGNB noch einige wichtige Schwerpunkte bei Themen, die über die unmittelbare Bauaufgabe hinausgehen. So zum Beispiel beim Thema Biodiversität oder mit dem Kriterium „Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung“. Dieses betrachtet die gesamte Weiterschöpfungskette der eingesetzten Produkte und fordert die Einhaltung von anerkannten ökologischen und sozialen Standards bei der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung. Wer recyclierte Werkstoffe einsetzt und damit dazu beiträgt, dass die Frage nach einem Responsible Sourcing überhaupt nicht gestellt werden muss, wird im gleichen Umfang bei der DGNB Zertifizierung belohnt.

Auch der Beitrag eines Gebäudes zur Verkehrs- und Energiewende wird über das DGNB-System unterstützt. Anlagen, die ein bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen ermöglichen, werden genauso positiv bewertet wie die Einbindung von regenerativen Energien für die im Gebäude erforderlichen technischen Systeme. Bei der Frage nach der Gebäudetechnik fördert die DGNB eine Gebäudekonzeption mit einer bestmöglichen Nutzung passiver Systeme.

Neues DGNB-System Ergebnis einer umfassenden Kommentierung

Im Juni 2017 hatte die DGNB ihr neues Zertifizierungssystem erstmals präsentiert und für Experten aus allen Bereichen der Bau- und Immobilienbranche zur Kommentierung bereitgestellt. Über 550 Anmerkungen von Mitgliedern, Auditoren und Consultants der DGNB wurden geprüft und bearbeitet. Zusätzlich gab es eine umfassende Auseinandersetzung mit kritischen Stimmen aus dem Markt zum bisherigen DGNB-System, z.B. zu dessen praktischer Anwendbarkeit. Das Ergebnis ist eine Form der Nachhaltigkeitszertifizierung, die gezielt auf die Bedürfnisse der Anwender abgestimmt ist und die Zukunftsfähigkeit von Gebäuden mehr denn je fördert.

Gültig ist die neue Version des DGNB-Systems gleich für neun verschiedene Nutzungstypen - für ...

  • Büro- und Verwaltungsgebäude,
  • Verbrauchermärkte,
  • Shoppingcenter,
  • Geschäftshäuser,
  • Bildungsbauten,
  • große Wohngebäude,
  • Logistikimmobilien,
  • Produktionsstätten und
  • Hotels.

In den kommenden Monaten will die DGNB außerdem daran arbeiten, die weiteren Systemvarianten in der Zertifizierung an die Systematik der neuen Version anzupassen. Auch eine englischsprachige Fassung sowie ein Leitfaden zur Anwendung des DGNB-Sys­tems bei internationalen Projekten werden im Laufe des Jahres folgen.

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