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Bauprojekte bedrohen urbane Grünflächen (in Stuttgart und Berlin)

(3.1.2020) Urbane Gärten und Parks sind bekanntermaßen wichtig für das Stadtklima, die Biodiversität und die Lebensqualität der Städte. Doch oft stehen diese Oasen aufgrund von städtebaulicher Verdichtung zur Lösung der Wohnungsnot und daraus resultierenden Bauaktivitäten unter Druck. Das Forschungsprojekt „GartenLeistungen“ unter Leitung des Berliner Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) will nun dazu beitragen, den Beitrag von städtischen Gärten zu erhalten und zu stärken. Hierzu arbeiten die Forscher mit Inselgrün in Stuttgart und Himmelbeet in Berlin zusammen. Derzeit ist die Zukunft beider Urban-Gardening-Projekte aufgrund von Bauprojekten ungewiss – es sind keine Einzelfälle.

Der Gemeinschaftsgarten Himmelbeet im Berliner Stadtteil Wedding (Foto © Himmelbeet) 

Die Wissenschaftler fordern angesichts anstehender stadtpolitischer Entscheidungen die Verantwortlichen in Kommunen auf, die wichtigen Funktionen, die urbane Gärten lokal übernehmen, in der Stadtpolitik stärker zu berücksichtigen.

Frische Luft und Schutz bei Starkregen

„Gärten in Städten verbessern die Luft und das Klima, indem sie Luftschadstoffe binden und für Kühlung in Hitzeperioden sorgen. Sie halten Regenwasser zurück, entlasten die Kanalisation und können bei Starkregenereignissen dazu beitragen, Überflutungen und Schadstoffeinträge in die Flüsse zu verringern“, erklärt Projektleiter Prof. Jesko Hirschfeld vom IÖW. „Die beiden Gärten Inselgrün in Stuttgart und das Himmelbeet in Berlin leisten zudem seit Jahren wichtige Umweltbildungs- und Integrationsarbeit, bieten wertvolle soziale Treffpunkte und Erholungsräume für viele Stadtbewohner unterschiedlicher Herkunft und Altersgruppen.“

Bauprojekt Neckarpark bedroht Stadtgarten Inselgrün

Wegen des Bauprojektes „Neckarpark“ musste der Stuttgarter Garten Inselgrün kurzfristig auf eine Ausweichfläche auf einem nahegelegenen Parkplatz umziehen. Ob, wo und wie es für diesen für die Stuttgarter Umweltbildungs- und Kulturlandschaft wichtigen Garten weitergehen kann, hängt auch von der Entscheidung über den Doppelhaushalt 2020/2021 ab.

Der Stuttgarter Gemeinschaftsgarten Inselgrün vor dem Umzug [Foto © Kulturinsel Stuttgart) 

Himmelbeet durch Bauprojekt verdrängt

Ähnlich schwierig ist die Lage des Gartenprojektes Himmelbeet im Berliner Stadtteil Wedding. Nachdem ein Umzug auf eine gut geeignete Ausweichfläche möglich schien, zerschlugen sich diese Pläne. Trotz zunächst positiver Signale seitens des Bezirksbürgermeisters stand der Garten auch wenige Monate vor der Räumung des Geländes ohne Zukunftsperspektive da, weil sich auf der vorgesehenen neuen Fläche verschiedene Planungen überlagern, bei denen das Himmelbeet nun offenbar den Kürzeren ziehen wird.

Projekt GartenLeistungen gibt Handlungsempfehlungen

Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt GartenLeistungen erfassen Akteure aus Zivilgesellschaft, Forschung, Verwaltung und Politik in sogenannten „Reallaboren“ gemeinsam die vielfältigen Leistungen von Gärten und Parks für die Stadtgesellschaft. Daraus werden Handlungsempfehlungen entwickelt, die künftig die Position von Gemeinschaftsgärten in politischen Entscheidungsprozessen stärken sollen.

In Berlin gibt es mit der „Charta Stadtgrün“ der Senatsverwaltung für Umwelt und in Stuttgart mit der „Koordinierungsstelle Förderprogramme urbanes Grün“ beim Amt für Stadtplanung und Wohnen vielversprechende Ansätze. Doch um die wertvolle Arbeit von Gemeinschaftsgärten wie Himmelbeet und Inselgrün auch in Zukunft zu sichern, müssen noch mehr Ämter besser koordiniert zusammenarbeiten und Bezirksverordnetenversammlungen, Gemeinderäte und Bürgermeister mit konkreten Entscheidungen geeignete Flächen und Mittel bereitstellen.

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