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DGNB veröffentlicht Studie zu CO₂-Emissionen von Bauwerken

(14.11.2021) Im Rahmen einer Studie hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) 50 zertifizierte Gebäude hinsichtlich ihres CO₂-Fußabdrucks ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis: Gut ein Drittel aller Treibhausgasemissionen eines Gebäudes entstehen vor der tatsächlichen Nutzung - also bei der Herstellung der Bauprodukte und Errichtung des Bauwerkes. Die Hebel zur Reduktion dieser verbauten CO₂-Emissionen liegen u.a. ...

  • in der Bauweise,
  • den Bauteilen mit großer Masse und
  • der Nutzungsdauer der Baustoffe.

Die Studie liefert Planern und Auftraggebern konkrete Benchmarks für ihre eigenen Bauprojekte. Folgestudien sind bereits in Planung.

„Von den Klimaforschenden haben wir den klaren Auftrag, die CO₂-Emissionen von Gebäuden jede Dekade zu halbieren, um die Klimakrise in einem erträglichen Maß zu halten“, erinnert Dr. Anna Braune, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung der DGNB. „In der Energieeffizienz von Neubauten haben wir in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Mit Blick auf die nächsten Jahre müssen wir jetzt dringend einen zusätzlichen Fokus auf die Treibhausgasemissionen des Bauwerks legen. Sie machen gut ein Drittel der gesamten Gebäudeemissionen aus und können bei Gebäuden mit sehr niedrigem CO₂-Fußabdruck sogar bei 50 Prozent und mehr liegen. Hier eine Datengrundlage und Orientierung für Planende und Auftraggebende zu schaffen und die Diskussion mit konkreten Zielen für 2030 anzustoßen, ist ein zentrales Ziel unserer Veröffentlichung.“

46 Büro- und vier Wohngebäude mit einer Brutto-Grundfläche zwischen 600 und 40.000 m² hat die DGNB in ihrer Stichprobe ausgewählt und ökobilanziell ausgewertet. Darunter befanden sich ...

  • 3 Holz- bzw. Holzhybridgebäude,
  • 25 Gebäude in Massivbaubauweise und
  • 22 in Stahlbeton-Skelettbauweise.

Die Methode der Ökobilanzierung ist ein Instrument zur Ermittlung der Umweltauswirkungen von Gebäuden. Eine dieser Auswirkungen ist das Treibhausgaspotenzial, das als CO₂-Äquivalente (CO₂e) in der Maßeinheit Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²) angegeben wird. Die gesamten Treibhausgasemissionen lassen sich in betriebsbedingte und verbaute Emissionen unterteilen. Letztere liegen bei konventionellen Neubauten im Lebenszyklus von 50 Jahren bei etwa 500 bis 800 kg CO₂e pro m².

Die in der DGNB-Studie untersuchten Gebäude lassen sich mit durchschnittlich ca. 440 kg CO₂e pro m²  zwar unter dem genannten und auch etwas unter dem bisherigen Referenzwert der DGNB Zertifizierung für Neubauten einstufen. Allerdings ist diese Zahl im Hinblick auf die Klimaschutzziele noch viel zu hoch. „Wenn wir es wirklich ernst meinen mit dem Klimaschutz, müssen wir sehr viel ambitionierter sein“, betont Frau Dr. Braune.

Einfluss der Bauweise und Bauteile auf die CO₂-Bilanz

Neben Benchmarks für die eigene Planung liefert die Studie Stellschrauben zur Reduktion der CO₂-Emissionen im Bauwerk. Dafür wurden die Datensätze anhand zahlreicher Differenzierungsmerkmale - wie beispielsweise Bauweisen, Bauteile und Lebens­zy­klus­phasen - ausgewertet. Bei den Bauweisen schnitten die drei Holz- und Holzhybridbauten sehr gut ab. Aufgrund der breiten Streuung der Ergebnisse lohnt sich jedoch die Einzelfallbetrachtung. Sie zeigt, dass auch Massiv- oder Stahlbetongebäude gute Ergebnisse erreichen können und ein Holzhybrid-Gebäude in der Lebenszyklusbetrachtung nicht per se besser ist als jeder Massiv- oder Stahlbetonbau.

Beim Vergleich der Herstellungsemissionen der Bauteile fallen die Decken mit mehr als einem Drittel besonders ins Gewicht - gefolgt von den Außenwänden und der Gründung. Unter den Gebäuden mit den höchsten CO₂-Werten des Bauwerks befinden sich sehr hohe Gebäude mit einem starken Anteil an den Decken bzw. den Innenwänden und Dächern. Die Betrachtung der Bauteile zeigt, dass neben der Wahl der Baustoffe ein enormes Reduktionspotenzial in den Bauteilen mit den größten Massen liegt.

Dass auch die Nutzungsdauer der Bauteile eine wichtige Rolle spielt, macht der Blick auf den Lebenszyklus deutlich: Die mit dem Austausch von Bauteilen verbundenen Treibhausgasemissionen liegen ungefähr gleichauf mit denen der Gründung.

Tiefergehende Analysen notwendig und sinnvoll

Die Studie liefert eine Einordnung zu den CO₂-Emissionen des Bauwerks, zeigt jedoch an einigen Stellen weiteren Forschungsbedarf auf. „Uns war es wichtig, Planenden und Auftraggebenden konkrete Benchmarks zu geben, die sie schon heute für ihre Projekte nutzen können“, betont Frau Dr. Braune. „Detaillierte Untersuchungen sind aber an vielen Stellen notwendig. Uns interessieren beispielsweise die Wechselwirkungen zwischen Bauwerk und Nutzung mit Blick auf den Lebenszyklus und der CO₂-Fußabdruck der Gebäudetechnik. Wichtig wäre auch eine genaue Betrachtung der Bauweisen und mehr Informationen zum Umgang mit den Baumaterialien am Lebensende des Gebäudes.“

Die DGNB nutzt diese und weitere Auswertungen, um ihre Benchmarks im Rahmen der Zertifizierung anhand aktueller Kennwerte anzupassen. Zudem sind bereits zwei Folgestudien geplant, die sich zum einen mit weiteren Nutzungstypen befassen und zum anderen den Fokus auf Vorzeigeprojekte legen, die in der Ökobilanz außerordentlich gut abschneiden. Interessierte können sich direkt bei der DGNB melden.

„Bei allen CO₂-reduzierenden Neubaumaßnahmen dürfen wir nicht vergessen, dass wir einen Gebäudebestand mit einer hohen Zahl an bereits verbauten Emissionen haben“, hebt Frau Dr. Braune hervor. „Aus Klimaschutzperspektive sollte deshalb vor jedem Neubau geprüft werden, ob auch ein bestehendes Gebäude in Frage kommt und auf einen klimaneutralen Betrieb hin saniert werden kann.“

Die ganze Studie ist kostenlos abrufbar im Rahmen der Toolbox „Klimaneutrales Bauen“ (direkter PDF-Download).

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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