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LED-hinterleuchtete 3D-Bio-Medienfassade aus Flachs, Bioharz und Wellpappe

(8.11.2019) Die Technische Universität Chemnitz, die Fiber-Tech Construction GmbH und die Richter & Heß Verpackungs-Service GmbH haben gemeinsam biobasierte Fassadenelemente für Industriebauten entwickelt. Die praxisreife Bio-Fassade besteht zu 35% aus nachwachsenden Rohstoffen - mit dem Potenzial, den Bio-Anteil weiter zu steigern. Das Besondere der Fassade ist jedoch ihr Aufbau: Hinter den dreidimensional geformten, teilweise lichtdurchlässigen Elementen sind LEDs installiert, um auf der Fassade Texte, Bilder oder Videos wiederzugeben.

Fotos © Silvia Giardino Photography 

Üblicherweise sind Fassadenverkleidungen großvolumige Produkte mit einer Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten - entsprechend groß ist ihr CO₂-Speichereffekt, wenn sie aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Holz bestehen. Organisch gestaltete und frei geformte Fassaden lassen sich mit Holz allerdings nur unter unverhältnismäßig hohem Aufwand realisieren. Nun hat die Technische Universität Chemnitz moderne, 3D-geformte und hinterleuchtete Fassadenelemente u.a. aus Naturfasern, Bioharz und Wellpappe entwickelt. In puncto Brand- und Schallschutz, Tragfähigkeit und Wärmedämmung erfüllt die „Bio-Fassade“ alle geltenden bautechnischen Anforderungen an Produktionsgebäude. Darüber hinaus punktet sie mit ihrem geringen Gewicht. Das Highlight der Neuentwicklung sind jedoch per Software animierbare LEDs in einzelnen Wellpappengefachen unter den doppelt gekrümmten, teilweise lichtdurchlässigen Deckschichten.

Die Deckschichten des Sandwichverbundes bestehen aus Flachs- und Glasfasern, eingebettet in ein anteilig biobasiertes Epoxidharz. Den Kern bilden die bereits erwähnten, mit Steinwolle gedämmten Wellpappengefache, die durch eine Beschichtung mit Natriumwasserglas gegen Feuchtigkeit und Feuer geschützt sind. Dabei ist Wellpappe als biobasiertes Recyclingmaterial, das nach der Nutzung erneut recyclingfähig ist, auch ökologisch und wirtschaftlich interessant.

Der biogene Anteil lässt sich dem Vernehmen nach durch den Einsatz nachwachsender Dämmstoffe noch deutlich steigern - dazu sei aber die Entwicklung eines entsprechenden Brandschutzes erforderlich. Doch schon in ihrer jetzigen Form demonstriert die Bio-Fassade die Möglichkeiten, konventionelle durch nachwachsende Baustoffe im Industriebau zu ersetzen: Ein Prototyp der Bio-Fassade wurde auf etwa 48 m² an der Produktionshalle des Projektpartners Richter & Heß in Chemnitz montiert – Seite an Seite mit einer Aluminium-Kunststoffschaum-Fassade.

Hintergrund: Biobasierte Baustoffe

... verstehen sich als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Zum einen speichern sie CO₂, das die verwendeten Pflanzen im Wachstum aufgenommen haben, in Form von Kohlenstoffverbindungen für vergleichsweise lange Zeiträume. Zum anderen ist der Energieaufwand zur Herstellung häufig vergleichsweise gering. So haben Flachsfasern einen Energiebedarf zur Herstellung von 9,7 MJ/kg, Glasfasern benötigen 55 MJ/kg und Carbonfasern 130 MJ/kg.

Übrigens: Am 27. Mai wurde die Bio-Fassade beim Sächsischen Staatspreis für Baukultur 2019 mit einer Anerkennung ausgezeichnet. Unterstützt wurde das Vorhaben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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