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Eversol: Energiewende in der Wohnungsbranche?

(19.1.2021) Dank Gebäudeenergiegesetz (GEG) und der seit 2021 geltenden CO₂-Steuer soll bis 2050 ein nahezu klimaneutraler Hausbestand in Deutschland entstehen. Helfen könnten dabei solarversorgte Häuser mit Pauschalmiete für Wärme und Strom. Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg im Projekt „Eversol“ über 18 Monate zwei teilautarke Häuser in Cottbus umfassend energetisch analysiert. Die ersten Ergebnisse sind erfolgversprechend.

teilautarke Mehrfamilienhäuser der Wohnungsgenossenschaft eG Wohnen in Cottbus. (Foto © TU Bergakademie Freiberg) 

Dr. Thomas Storch vom Lehrstuhl für technische Thermodynamik (IWTT) bestätigt: „Das Konzept geht im Wesentlichen auf. Die Sonnenhäuser können mit einfacher Technik durch Photovoltaik den größten Teil ihres elektrischen Jahresverbrauchs (74% von 17.320 kWh) selbst abdecken und erzeugen in den Sommermonaten sogar einen Überschuss (12.240 kWh jährlich).“ Einzig bei der Wärmeversorgung gab es aufgrund fehlerhafter Kommunikation einen unvorhergesehenen Mehrverbrauch. „Das wurde behoben und die MieterInnen noch einmal detailliert in das System eingewiesen. Die kommenden Heizperioden werden zeigen, wie sich das auf die Einsparungen im Heizwärmeverbrauch auswirkt.“ Dr. Storch ist zuversichtlich, dass dann auch der solare Deckungsgrad in der Wärmeversorgung deutlich steigen wird.

In ausgewählten Räumen erfassten die Wissenschaftler zudem die Luftqualität. Das ermöglicht Rückschlüsse auf das Lüftungsverhalten als wesentlicher Faktor für den Heizwärmeverbrauch. „So trägt die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung – auch ohne Fensterlüftung - entscheidend dazu bei, die CO₂-Belastung in den Räumen gering zu halten“, stellte Andreas Gäbler vom IWTT fest.

Pauschalmietmodell und Nutzersicht in der Analyse

Die modernen, sparsamen Gebäude mit einer hohen Energie-Eigenversorgung ermöglichen neue Mietmodelle. Auch hier ist der Ansatz der Freiberger Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft erfolgversprechend, denn der Stromverbrauch ist trotz Pauschale nicht gestiegen und lag unter dem deutschen Durchschnitt (ca. 2.000 kWh gegenüber ca. 2.300 kWh bei gleichen Haushaltsgrößen).

Bei Wärme- und Warmwasser war der Verbrauch der einzelnen Mietparteien dagegen sehr unterschiedlich. Das habe sich mit der Pauschale aber gut ausgeglichen. „Damit kehren sich auch viele Interessensfelder zwischen Mieter und Vermieter um und sensibilisieren beide Seiten mehr für das Thema Energiesparen“, fasst Dr. Thomas Storch zusammen. Dabei hilft es , dass die Mieter ihre jeweiligen Energiedaten auf der Eversol-Webseite einsehen können.

Die Monitoring- Ergebnisse der Freiberger Wissenschaftler bieten Planern und Entscheidern aus dem Baugewerbe, der Energieversorgung und der Wohnungswirtschaft nicht nur fundierte technische Informationen - vor allem mit Blick auf das Gebäude-Energiemanagement und die Anlagendimensionierung - sondern auch soziologische und ökonomische Erkenntnisse für teilautarke Neubauten und Sanierungen.

Wärme- und Energiekonzept der Sonnenhäuser

Das Wärmekonzept beider Häuser basiert auf einer Solarthermieanlage. Diese ist auf dem Dach angebracht und ermöglicht auch in den Wintermonaten eine effiziente Nutzung der Sonne. An sonnenärmeren Tagen versorgt eine Gasbrennwerttherme das Gebäude. Gesammelt wird die Wärme in einem Wärmespeicher, der diese über eine Fußbodenheizung an die Wohnungen abgibt. Im Fall von Wärmeüberschüssen kann ein Austrag in eine angeschlossene Nahwärmeleitung zur Quartiersversorgung direkt aus dem Speicher erfolgen.

Die Stromversorgung der Häuser wird mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sichergestellt. Die produzierte elektrische Energie wird vorrangig direkt im Gebäude verbraucht. Überschüsse können in einem Lithium-Ionen-Akku zwischengespeichert oder ebenfalls in das Quartier abgegeben werden.

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