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Deutscher Verzinkerpreis 2007 entschieden

(14.11.2007) Zum 10. Mal hat der Industrieverband Feuerverzinken den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Verzinkerpreis ausgelobt. Der Preis prämiert herausragende Architektur und Objekte der Metallgestaltung und wurde erstmals im Jahr 1989 vergeben.

Rund 80 Einreichungen zum Wettbewerb wurden einer hochkarätigen und fachkundig besetzten Jury präsentiert. Die große Zahl an eingereichten Objekten zeigt deutlich den hohen Stellenwert des Deutschen Verzinkerpreises in der Fachwelt, der von der Bundesstiftung Baukultur in den Kreis der bedeutenden deutschen Architekturpreise aufgenommen wurde.

Wie bereits bei vorhergehenden Preisen waren für die Jury unter dem Vorsitz von Professor Helmut C. Schulitz Bewertungskriterien wie die ästhetisch-technische Qualität der Architektur, der Materialeinsatz, Ressourcenschonung, Innovation und Konvention, Funktionalität und Flexibilität, Angemessenheit und städtebauliche Aspekte bedeutsam.

Die Jury zeichnete 11 innovative Bauwerke und Objekte aus, die die Ziele der Auslobung sehr gut erfüllt haben und als hervorragende Beispiele für die Verwendung von feuerverzinktem Stahl anzusehen sind. Besonders unter den Aspekten Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit zeigte sich der Wettbewerb als wegweisend und rückte Bauten und Objekte in den Vordergrund, die die Debatte über die Baukultur in Deutschland beleben werden. Es wurden zwei Belobigungen, fünf Anerkennungen, eine dotierte besondere Anerkennung, zwei zweite Preise und ein erster Preis vergeben.

1. Preis: Parkpalette in Coesfeld-Lette
- Architekten: Birk und Heilmeyer Architekten, Stuttgart
- siehe Google-Maps
- Preisgeld: 5000 Euro

Begründung der Jury: "Die Parkpalette in Coesfeld-Lette schließt durch einen langgestreckten Baukörper (siehe auch Eingangsbild) das Firmenareal überzeugend zur benachbarten Wohnbebauung ab. Die Trennung des Baukörpers in zwei gegenläufige Parkrampen bietet neben einer funktional sehr günstigen Raumausnutzung auch eine Mittelzone, die der Erschließung, Belichtung und Belüftung dient und der Garage ein freundliches Ambiente gibt.


Die mit verzinkten Gitterrosten ausgeführten Treppen und Podeste unterstützen dieses Konzept der Belichtung und Belüftung. Die weitgespannt, stützenfreie Stahlkonstruktion steht mit ihrer Duplexbeschichtung (Feuerverzinkung plus Beschichtung, siehe Beitrag "Korrosionsschutz durch Duplex-Systeme" vom 7.8.2007) in wohltuendem Kontrast zu den hellen Beton-Filigrandecken und den Douglasiekanthölzern der Fassade. Alle Stahlteile der Treppen und Geländer sind im Metallcharakter der Feuerverzinkung belassen und zeigen vorbildlich den Korrosionsschutz der filigranen Stahlelemente. Die großzügige und stützenfreie Parkpalette in ihrer einfachen, sinnvollen Materialwahl hat Vorbildcharakter für zukünftige Bauten des ruhenden Verkehrs."

2. Preis: Heizkraftwerk Würzburg, An der Friedensbrücke in Würzburg
- Architekten: Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth/Würzburg
- siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps
- Preisgeld: 2000 Euro

Begründung der Jury: "Das Würzburger Heizkraftwerk, heterogen gewachsen, mit wucherndem Volumen und sich ständig ändernder Maßstäblichkeit wurde nach über 50 Jahren umfassend saniert und erweitert. Brückner & Brückner nutzten hier die Chance, das Gebäude neu zu fassen, zu einem Ganzen zu bilden.


Das skulptural wirkende Kraftwerk ist heute ein Ausflugsort. An der Schnittstelle zwischen Mole, Hafenbecken und Kulturspeicher schufen die Architekten einen Platz, der zum Verweilen einlädt. Die Bestandsgebäude sind mit einer homogenen Konstruktion aus Aluminiumpaneelen und verzinkter Unterkonstruktion verkleidet (Bild). Das Volumen des Kraftwerkes wurde um eine Auskragung ergänzt, einer Konstruktion aus verzinkten Stahlträgern mit pulverbeschichteten Aluminiumpaneelen. Das Spiel der Sonne auf der spiegelnden Fassade verleiht dem Kraftwerk Lebendigkeit, die dem Gebäude am Ufer des Mains neue Qualität verleiht, mitten im Herzen der Stadt."

2. Preis: Erweiterungsbauten der Hochschule Aalen
- Architekten: MGF Architekten GmbH, Stuttgart
- siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps
- Preisgeld: 2000 EUR

Begründung der Jury: "In einer nahezu unberührten schwäbischen Landschaft bilden drei wohlproportionierte Baukörper ein spannungsvolles Ensemble, dessen kleiner, urban anmutender Mittelpunkt ein der Topographie folgender, kommunikativer Platzraum ist. Die Raumkanten respektive die Fassaden bestehen aus offenen und geschlossenen Holzelementen. Verzinkte Stahlkonstruktionen in den Zwischenräumen zwischen dem Holzkleid und den Primärfassaden ermöglichen ein faszinierendes Wechselspiel zwischen maximaler Transparenz und einem gefilterten Licht, welches die in einer klaren, strukturellen Prägung gehaltenen Innenräume aus Sichtbeton in ein warmes Licht taucht.

Auf einer Unterkonstruktion aus verzinkten Stahlprofilen sind die vertikalen, drehbaren Holzlamellen befestigt. Erst das Zusammenwirken der richtigen Werkstoffe an der richtigen Stelle ermöglicht ein dauerhaftes Funktionieren. Es ist gelungen, einen Ort für das Lernen und Forschen zu schaffen, der mit großer Sensibilität für junge Menschen eine Atmosphäre der Ruhe und Konzentration stiftet." (siehe auch Beitrag "Widerspruch? Hochschulgebäude in Aalen mit transparenter Holzfassade" vom 7.8.2007)

Besondere Anerkennung: Autogarten der Salvatorgarage München
- Architekten: Studio für Architektur Peter Haimerl, München
- Preisgeld: 1000 EUR

Begründung der Jury: "Die neue Außenhaut des auf überzeugende Weise ergänzten Parkdecks ist entwickelt aus dem computergenerierten Wachstum von Stäben, deren Breite sich an den dünnformatigen Ziegeln des Bestandsgebäudes orientiert. Das hieraus entstehende filigrane Stabnetz ist aus großformatigen verzinkten Stahltafeln herausgearbeitet und zu einer durchgängigen, bandartigen Hülle von hoher ästhetischer Qualität zusammengefügt.


Diese transluzent-kristalline Haut verleiht dem massiven Sockelgebäude eine neuartige, in den Stadtraum qualitätvoll hineinwirkende Bekrönung. Die verzinkte Fassade wird zur ornamentalen Hülle. Natur, Technik und Auto vereinigen sich gleichsam in einer paradiesischen Dachlandschaft mit Blick über die Münchner Dächer."

Anerkennung: Musikprobenzentrum Consol Schacht 4 in Gelsenkirchen-Bismarck
- Architekten: Tor 5 Architekten, Bochum

Begründung der Jury: "Die Umnutzung und Revitalisierung der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck stellt ein gelungenes Beispiel zeitgemäßer Industriedenkmalpflege dar. Im ehemaligen Maschinenhaus wurden die historischen Ausstattungsmerkmale, wie z.B. die Seilscheiben, erhalten. Durch ein 'Haus-im-Haus-Prinzip' blieb der Baubestand als Gebäudehülle/Fassade ebenfalls erhalten und wurde durch einen zweigeschossigen Aufbau auf der neuen inneren Struktur ergänzt. Alle tragenden Stahlkonstruktionen, wie z.B. die Haupt- und Nebenträger, die Stützen, die Träger der Treppen, Podeste und Stahlstege zu den Mittelgängen sowie die Steckmetalleinfassungen der Übergänge wurden gestalterisch ansprechend feuerverzinkt ausgeführt. Insgesamt liefert diese Arbeit einen gelungenen Beitrag für den Einsatz der Feuerverzinkung für den Bereich Bauen im Bestand."

Anerkennung: Dreifeld-Sporthalle in Untereisesheim
- Architekten: Mattes Sekiguchi + Partner Architekten BDA, Heilbronn

Begründung der Jury: "Die Sporthalle schmiegt sich an eine kleine Hangkante, nimmt die Topografie geschickt in die Höhengliederung des Nebenraumtraktes auf und öffnet sich mit einem allseitig verglasten Spiel- und Sportraum in die freie Landschaft. Das Dach folgt in seiner Formgebung dem Kräfteverlauf, kragt seit aus und unterstützt die architektonische Idee, Bewegung und Landschaft, Dynamik und Freiheit zum prägenden Ausdruck zu bringen.


Die hohe Leistungsfähigkeit des Werkstoffes Stahl und die silbrigen Oberflächen der verzinkten Bauteile an der Dachunterseite und am Dachrand geben dem Bauwerk ein individuelles Gepräge, welches den Kern der Bauaufgabe überzeugend unterstützt."

Anerkennung: Industrie- und Handelskammer Erfurt
- Architekten: hks Hestermann Rommel Architekten + Gesamtplaner GmbH & Co. KG, Erfurt

Begründung der Jury: "Der Flächenbedarf der Industrie- und Handelskammer Erfurt konnte mit dem vorhandenen Gebäude einer ehemaligen Hautklinik nicht vollständig abgedeckt werden, sodass zur Umnutzung noch zwei Ergänzungsgebäudeteile neu erstellt wurden und sich aus dem ehemaligen Z-förmigen Grundriss nun ein H entwickelt hat.


Besonders hervorzuheben ist die neue Stahl-Glas-Konstruktion der Cafeteria, die sich wohltuend von den massiven Büroriegeln des Baubestandes abhebt. Die tragenden Stahlbauteile und auch die Stahllamellen des Sonnenschutzes sind im Außenbereich durch die gewählte Feuerverzinkung dauerhaft und nachhaltig vor Korrosion geschützt. Die Einreichung überzeugt durch die Akzentuierung der neuen feuerverzinkten Bauteile im Spannungsfeld mit den historischen, überformten, massiven Lochfassaden.

Anerkennung: Silogebäude der Schapfenmühle Ulm
- Architekten: Seidel Architekten, Ulm-Lehr

Begründung der Jury: "Der schlanke und wohlproportionierte Siloturm wirkt als städtebauliches Merkzeichen an exponierter Stelle überzeugend in das Stadtbild von Ulm hinein. Das Bauwerk ist funktional und konstruktiv durchgängig von hoher Qualität und erfüllt alle Kriterien eines hochwertigen, beispielhaften Industriebaus." (Bild)

Anerkennung: Stahlkokon Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, München
- Architekten: realgrün Landschaftsarchitekten, München

Begründung der Jury: "Als prägendes Element des Innenhofes der Kassenärztlichen Vereinigung München dient ein so genannter Stahlkokon. Die ovale Halbschale besteht aus 20 mm starken feuerverzinkten Baustahlstäben, die mit Verschraubungen zu 30 bis 50 m langen Bogenelementen verbunden wurden. Eingespannt ist das Flächentragwerk in ein ovales Ringfundament. Der futuristische Kokon wird von verschiedenen Rankpflanzen bewachsen. Zu seiner Reduktion auf das Wesentliche trägt die Halbschale, wenn begrünt, die runde Form von Baum und Strauch in den ansonsten kargen und kantigen Innenhof des Gebäudes."

Belobigung: Gartentreppe in Stuttgart
- Architekten: Architekt Steffen Sontheimer, Stuttgart

Begründung der Jury: "Ein am Hang liegendes Gartengrundstück sollte mit einem höher gelegenen Fußweg durch eine Treppe verbunden werden. Um aufwendige Gründungsmaßnahmen zu vermeiden, wurde die Treppe auf eine bestehende Stützmauer aufgesetzt. Die hierzu entwickelte feuerverzinkte Stahlkonstruktion kragt zu beiden Seiten der Stützmauer aus und schwebt über dem bestehenden Gelände. Der von dem Architekten für das Projekt formulierte Grundsatz der Reduktion wurde konsequent umgesetzt. Die Treppe wirkt leicht und filigran zugleich."

Belobigung: Toranlage Marien-Gymnasium Essen-Werden
- Metallgestalter: Michael Stratmann, Werkstatt für Metallgestaltung, Essen

Begründung der Jury: "Die klar strukturierte Fassade des Mariengymnasiums in Essen-Werden ist im Erdgeschoss mit Naturstein, im ersten und zweiten Obergeschoss mit satiniertem Glas und Aluminiumpaneelen gestaltet. Ein Durchgang im Erdgeschoss von 6,33 x 3,24 m wird durch eine 70 cm dicke Betonsäule in zwei ungleiche Seiten geteilt. Als kunstvolle und leicht verspielte Toranlage dienen zwei Flügel aus teils lose, teils dicht senkrecht nebeneinander stehenden Rundrohren von unterschiedlicher Länge. Die Torflügel laufen auf Kugellagern auf einer Ringbefestigung um die Betonsäule. Sie sind komplett feuerverzinkt und bilden mit dem klug konstruierten Drehsystem ein gelungenes Schließ- und Gestaltungselement für den Durchgang."

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