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Deutscher Verzinkerpreis 2017: Der erste Preis geht an die Saar

(16.11.2017) Bereits zum 15. Mal hat der Industrieverband Feuerverzinken den Deutschen Verzinkerpreis für Architektur und Metallgestaltung verliehen. Damit wurden einer nahezu 30-jährigen Tradition folgend wieder bemerkenswerte Architekturen und Objekte der Metallgestaltung in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Die Vergabe des Preises erfolgte in zwei getrennten Kategorien. Wie schon in den Vorjahren sah der Auslober für die Kategorie Architektur ein Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro und in der Kategorie Metallgestaltung ein Preisgeld von 5.000 Euro vor. Eingereicht wurden 45 Projekte, die ganz oder in einem wesentlichen Umfang feuerverzinkt waren. Über die Preise entschieden hat eine neunköpfige Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Rainer Hempel.

1. Preis - Architektur:  Landmarke Duhamel - Saarpolygon

Kommentar der Jury: Das Saarpolygon mit seinen 30 Metern Höhe ist ein weithin sichtbares, skulpturales Objekt und eine begehbare Aussichtsplattform zugleich. Seine abstrakte Form, die je nach Betrachtungswinkel einen radikalen Wechsel erfährt, wirkt rational und poetisch zugleich, ist vielfach interpretierbar und steht für den Strukturwandel des Saarlandes nach der Beendigung des Steinkohlebergbaus.


alle Fotos © Institut Feuerverzinken GmbH

Den Architekten gelang es in Zusammenarbeit mit der ausführenden Stahlbaufirma, die ambitionierte Form mit einer klar lesbaren Konstruktion komplett aus feuerverzinktem Stahl umzusetzen. Die Reduktion auf dieses einzige Material betont einerseits die Form und die Konstruktion und ist gleichzeitig aber auch der bestmögliche Weg, die Landmarke dauerhaft vor Witterungseinflüssen zu schützen. Die verschweißten Knoten des röhrenartigen Raumfachwerks mit ihren komplexen Geometrien, die Treppenkonstruktion und die Fassade aus Quadratrohrprofilen verschmelzen durch die homogene feuerverzinkte Oberfläche zu einer überzeugenden Gesamtskulptur.

2. Preis - Architektur: ZF Campus der Zeppelin Universität Friedrichshafen - Neuer Hauptcampus

Kommentar der Jury: In beeindruckender Weise zeigen as-if Architekten in Friedrichshafen, wie eine ehemalige Kasernenhofanlage zu einem offenen und dynamischen Universitätscampus gewandelt werden kann. Gestaltprägendes Material der neuen Baukörper sind Glas und feuerverzinkte Stahlplatten in großen Formaten. Fensterbänder sind in das Fassadenbild der feuerverzinkten Platten hineingeschnitten, wodurch die Körperhaftigkeit des Gebäudevolumens betont wird.


Die Verwendung feuerverzinkten Stahls für gestaltprägende Elemente bei der Sanierung des anschließenden Altbaus stellt für sich bereits eine qualitätsvolle Lösung dar und materialisiert gleichzeitig die thematische Verbindung zwischen Alt- und Neubau. Die 3 mm dicken Stahlplatten sind für Stabilität und Maßhaltigkeit gut gewählt. Der besonders sorgsam geplante und durchgeführte Metallüberzug verleiht eine ruhige Ausstrahlung. Die unsichtbare Befestigung und das präzise Fugenbild zeugen von hoher Detail- und Ausführungsqualität.

erster 3. Preis - Architektur: Comeniusbrücke über die Elbe in Jaromer, Tschechien

Kommentar der Jury: Die Comeniusbrücke aus dem Jahr 1886 überspannte als eiserne Zwei-Feld-Fachwerkbrücke die Elbe, bis sie 2013 dem Hochwasser zum Opfer fiel. Der Ersatzbau sollte ohne Strompfeiler realisiert werden und aus Grün­den der Denkmalpflege die historischen Brückenköpfe beibehalten. Er kann von Rettungsfahrzeugen bis zu 3,5 t befahren werden.


Die Entwurfsverfasser haben mit ihrer Lösung als räumlich stark vorgespannten, steifen Dreigurtträger eine leichte, filigrane Stahlkonstruktion gewählt. Das zentrale Druckrohr ist geometrisch ein Kreissegment, eine parabelförmige Unterspannung nimmt alle vertikalen Lasten auf. Zur räumlichen Steifigkeit und Einbindung der beiden seitlich angeordneten Gurte sind zwei weitere parabelförmige Zugsysteme vorhanden. Durch die hohen Vorspannkräfte über die drei Parabeln werden der Materialverbrauch und damit auch die Eigenlast sehr gering. Die gesamte Brücke inklusive der Fahrbahn aus Gitterrosten und den Geländern besteht aus Stahl und wurde dauerhaft feuerverzinkt. Durch die metallischen Oberflächen der Feuerverzinkung wird die technische Wirkung dieser eleganten Brücke noch unterstützt.

zweiter 3. Preis - Architektur: Empfangsgebäude „Mitoseum“ im Saurierpark Kleinwelka

Kommentar der Jury: Das „Mitoseum“ ist das Empfangsgebäude des Saurierparks in Kleinwelka bei Bautzen. Die Teilung der Urzelle als Ursprung des Lebens prägt die Idee für die Gestaltung des Objekts. Ein großer transparenter Zellkörper, der sich aus drei Kuppeln zusammensetzt, beheimatet Bistro, Shop und Vortragsraum.


Die drei miteinander verbundenen filigranen Stahl-Skelette, überspannt mit einer transluzenten Membrane, sind als Zellkörper im Teilungsprozess der Mitose erkennbar. Durch die transparente Außenhaut wird der Innenraum mit Tageslicht durchflutet, bei Dämmerung werden die Zellmembranen zu leuchtenden Landmarken. Die komplexe dreidimensionale Harmonie der Bauelemente und die anspruchsvolle Verwirklichung wechselnder Radien und Verschneidungen machen das Gebäude konstruktiv höchst anspruchsvoll. Wegen des zu erwartenden Tauwassers schützt eine feuerverzinkte Oberfläche die gesamte Stahlkonstruktion, deren unbeschichtete Lebendigkeit das Thema des Gebäudes versinnbildlicht.

1. Preis - Metallgestaltung: Fahrradpavillon Mainz

Kommentar der Jury: Der Fahrradpavillon von den SYRA Schoyerer Architekten beeindruckt vordergründig durch die Idee, Fahrräder auf eine platzsparende und technisch gut durchdachte Art und Weise vor Witterung und Vandalismus zu schützen. Das sehr schlichte, zurückhaltende und funktionale Design sowie gutdurchdachte Details dieses „Stadtmöbels“ haben die Jury überzeugt.


Dieser Prototyp und die vielen daraus resultierenden möglichen Varianten nützliche Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder im öffentlichen Raum zu gestalten, sollten auch anderen Gestaltern Mut machen, die Dinge, die uns umgeben, bewusst zu interpretieren und gegebenenfalls neu zu definieren.

2. Preis - Metallgestaltung: „Structangle II“

Kommentar der Jury: „Structangle“ ist ein Begriff des koreanischen Philosophen Byung-Chul Han und bezeichnet „Strukturiertes Gewirr“. Die Skulptur „Structangle II“ bezieht sich hierauf. Die Kugel aus gewickeltem, gebogenem und verschweißtem Stahlband lässt weder Anfang noch Ende der Wicklung erkennen.

Die wie schwebend wirkende Skulptur weckt Assoziationen an eine Sonne mit Protuberanzen. Die Feuerverzinkung unterstreicht die metallische Anmutung des Kunstwerks, dient aber auch als Korrosionsschutz für die Skulptur, die im öffentlichen Raum ausgestellt wird. Angelika Summa ist ein eindrucksvolles Kunstwerk gelungen, das seine Wirkung auf den Betrachter nicht verfehlt.

3. Preis - Metallgestaltung: Schriftspur Stadtbahn Wehrhahnlinie Düsseldorf

Kommentar der Jury: Die von der Kunstschmiede Althammer umgesetzte Arbeit der Künstlerin Enne Haehnle überzeugt durch die bemerkenswerte Verbindung von Architektur, Kunst und Metallgestaltung. Die handwerkliche Ausführung der frei geformten plastischen Stahlstränge ist technologisch anspruchsvoll und von hoher Qualität. So erhält das Kunstwerk die von der Künstlerin gewünschte Ausdruckskraft.


Die Feuerverzinkung und anschließende Pulverbeschichtung machen die Elemente besonders robust und langlebig. Durch das gelungene Zusammenspiel mit der Architektur der U-Bahnstation leistet die Arbeit einen wertvollen Beitrag zum Thema Kunst am Bau und wird für eine große Öffentlichkeit zugänglich.

Anerkennung - Metallgestaltung: Geländer der Haupttreppe eines Krankenhauses in Preetz

Kommentar der Jury: Gelobt wird die kritische Auseinandersetzung mit dem Bestand und den Erhalt des filigranen Geländers aus den 1950er Jahren.


Beeindruckt haben die moderne Interpretation des Werkstoffes Stahlblech sowie dessen zeitgemäße Verarbeitung. Die neue Lösung nimmt Bezug auf die Mikrobiologie, die in der Medizin einen hohen Stellenwert genießt. Sie erhält das vorhandene Geländer und ergänzt, wo es der Gesetzgeber fordert, behutsam, aber eigenständig. So setzt die Metallgestalterin Isabel Lange mit ihrem verzinkten Reliefband ein klares Zeichen, dass hier etwas Neues den Bestand nicht nur ergänzt, sondern intensiv prägt und modern interpretiert.

Anerkennung - Metallgestaltung: Wanderausstellung „Israelis & Deutsche“

Kommentar der Jury: Im Jahr 2015 jährte sich zum 50. Mal der offizielle Austausch von Botschaftern zwischen Israel und Deutschland. Eine Wanderausstellung, die durch deutsche und israelische Städte tourte, erinnerte daran. Die Ausstellung stellt zivilgesellschaftliche Aktivitäten in Form kleinerer und größerer Kontakte und Austauschprojekte zwischen den beiden Ländern in den Vordergrund.


Die sehr anschauliche und wirkungsvolle Umsetzung des Themas beeindruckte die Jury. Die Baukörper setzen sich aus stückverzinkten Stahlplatten zusammen, auf denen Bilder und Texte im digitalen Direktdruck aufgebracht wurden. So ist die Materialität auch Symbol, dass menschliches Engagement in schwierigen Situationen Berge versetzen kann.

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