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Aus Papierfabrik wird moderne Wohnanlage - auch hinsichtlich der Wärmetechnik

(30.4.2021) Die Kröllwitzer Papiermühle wurde 1714 in Halle an der Saale erbaut und konnte nach der Erteilung der Konzession zwei Jahre später das erste Papier schöpfen. Viele Generationen später wandelte man das Unternehmen 1871 aufgrund wirtschaftlicher Umstände in die „Cröllwitzer Actien-Papier-Fabrik“ um. 1940 musste die Produktion von Papier dann eingestellt werden. Die Gebäude wurden anschließend nur noch zu Lagerzwecken genutzt (siehe Google-Maps, vielleicht muss noch der 2D-Mo­dus aktiviert werden).

ehemalige Kröllwitzer Papierfabrik (Foto © Prof. Schuh Securities GmbH; bearbeitet durch baulinks/AO) 

In den Folgejahren ruhte das Areal und man suchte vergebens einen Investor um die historische Gebäudesubstanz zu erhalten bzw. das herrliche Gelände an der Saale neu zu beleben. Im Jahr 2008 kaufte schließlich die Prof. Schuh Securities GmbH das Gelände und sanierte erste Gebäude bis zum Jahr 2010; Ende 2016 begannen nach den Rodungsarbeiten weitere Baumaßnahmen. Heute befinden sich auf dem zwei Hektar umfassenden Gelände der einstigen Papierfabrik sieben Gebäude mit insgesamt 35 Wohneinheiten. Die Gesellschaft mit dem geschäftsführenden Inhaber Temba Schuh investierte 17 Mio. Euro in die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen am Saaleufer. Dabei ist Herrn Schuh auch der ökologische Ansatz wichtig, den er mit den Planungen zu diesem Projekt verbindet: Zwei Biokläranlagen, extensive Dachbegrünung und der Einsatz von Holzpellets-Heizungen senken den CO₂-Ausstoß der Wohngebäude nachhaltig. Darüber hinaus plant er die Wiedernutzung der Wasserkraft zur Stromerzeugung mit Hilfe moderner VLH-Turbinen zur Erzeugung von 670 kW Ökostrom.

Der jüngste Neubau eines Mehrfamilienhauses bildet einen Lückenschluss direkt an der Saale (siehe noch einmal Google-Maps). Er wurde mit einer Brutto-Grundfläche von etwa 2.188 m² (BGF gem. DIN 277) in zweischaliger Massivbauweise errichtet und bietet Raum für sieben Wohneinheiten. Die Wohnungen mit einer Fläche von jeweils ca. 150 bis 200 m² sind großzügig dimensioniert und mit Dachterrassen oder Balkonen ausgestattet. Je zwei Tiefgaragenstellplätze mit Lademöglichkeit pro Einheit zählen ebenso zum Komfortumfang wie ein Fahrstuhl und die Nutzung der Smart-Home-Tech­nologie inkl. Glasfaseranschluss.

Foto © Prof. Schuh Securities GmbH; bearbeitet durch baulinks/AO 

Die Beheizung der 1.160 m² großen Gesamtwohnfläche erfolgt ganz dem energetischen Anspruch des Investors folgend mit einem Wärmepumpen-System: Die TGA-Fachplaner der Prof. Schuh Securities GmbH haben dieses zusammen mit Brötje-TA (technischer Außendienst) Enrico Neumann projektiert. Dabei herausgekommen ist ein System aus zwei kaskadierten Monoblock-Geräten vom Typ Brötje BLW NEO 18, einem Pufferspeicher sowie dezentralen Wohnungs-Kombi-Stationen von KAMO:

BLW NEO 18 kaskadiert


dieses und die weiteren Fotos © Brötje
  

Installiert wurden die Luft/Wasser-Wärmepumpen vom SHK-Fachbetrieb Ritze und Partner GmbH aus Sangershausen. Die Monoblock-Geräte arbeiten modulierend - Kompressor und Ventilator passen also ihre Leistung bis 18 kW stufenlos den Wärmebedarf an. Spezielle Ventilatorblätter im Eulenflügel-Design erzeugen einen niedrigen Schallleistungspegel von nur 58 dB(A). Ein Aspekt, der in diesem Fall besondere Berücksichtigung fand, da man bereits im Vorfeld ein Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben hatte. Die Verantwortlichen wussten um die sensible Situation, die zu viel Lärm im Umfeld einer dichten Wohnbebauung verursachen kann.

Ein System mit zwei im Verbund arbeitenden Wärmetauschern gewinnt außerdem aus dem Kältekreislauf je nach Modulation 3 bis 5% zusätzliche Energie. Dadurch erreichen die Geräte einen COP über 4,25 bei A2/W35 gemäß EN 14511. Angeboten wird die Luft-Wasser-Wärmepumpe BLW NEO in drei Heizleistungsgrößen: 8, 12 und 18 kW - siehe auch Beitrag „Brötje löst mit der Luft-Wasser-Wärmepumpen-Reihe BLW NEO die BLW B-Gene­ra­tion ab“ vom 19.4.2018.

Technikraum mit dem 1.000 Liter fassenden Pufferspeicher sowie je einer Hydro- und einer Powerbox für die Wärmepumpen 


  

Die Wärmeabgabe aus dem Pufferspeicher erfolgt mit einer Vorlauftemperatur von max. 38°C über einen Heizkreis, der die sieben Wohnungs-Kombi-Stationen im 2-Leitersystem versorgt. Alle Räumlichkeiten sind mit Flächenheizungen in fliesen- oder parkettbelegten Fußböden ausgestattet. Das Trinkwasser wird in den Wohnungs-Kombi-Stationen vom Typ KaMo WK-Hybrid über einen elektrischen Durchlauferhitzer auf die Wunschtemperatur gebracht (Bild rechts). Der Zusatzenergiebedarf zur Trinkwasser-Bereitung beträgt nach Herstellerangaben (bei 40°C Heizungs-Vorlauftemperatur) lediglich 3 bis 5 kW und wird ausschließlich bei Spitzenlast benötigt.

Die Wärmepumpen sind über je eine Hydro- und eine Powerbox angeschlossen. In der Hydrobox laufen alle hydraulischen Komponenten zusammen (Bild oben). Die Powerbox ist das Pendant dazu und beinhaltet alle steuertechnischen Anschlüsse. Dadurch wird die Einbindung der Geräte in ein System deutlich vereinfacht.

Die Bautafel:

Weitere Informationen zur BLW NEO 18 (kaskadiert) können per E-Mail an Brötje angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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