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Bauboom verdrängt Grün- und Freiflächen in Städten

DUH-Broschüre „Grün. Sozial. Wertvoll. Gemeinsam Natur in sozial benachteiligte Quartiere holen!“
   DUH-Broschüre „Grün. Sozial. Wertvoll.“
  

(12.9.2017) Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte jetzt politische Entscheidungsträger in Bund, Ländern und Kommunen per offenem Brief auf, sich nachdrücklich für Stadtnatur und Umweltgerechtigkeit in sozial benachteiligten Quartieren einzusetzen. Insbesondere die Mehrfachbelastung durch ...

  • Lärm,
  • schlechte Luftqualität,
  • unsanierte Wohngebäude und
  • Mangel an Grünflächen

... würden die Gesundheit der Bewohner und das soziale Miteinander beeinträchtigen. U.a. seien deshalb naturnahe Freiflächen, insbesondere in sozial benachteiligten Stadtteilen, bedürfnisorientiert und unter Bewohnerbeteiligung zu erhalten, zu gestalten und auszubauen.

Gerade in Stadtgebieten, in denen Menschen in finanzieller und sozialer Problemlage leben, sollte Stadtnatur eine ganz wesentliche Rolle übernehmen: Denn einerseits verfügen hier Bewohner oft über keine eigenen Gärten, und andererseits bleiben Ausflüge „ins Grüne“ durch die Lebenssituation und Kostenfaktoren meistens aus.

Bedarfsorientierte und für die Bevölkerung nutzbare Grünflächen unmittelbar vor der Haustür können dann eine Schlüsselfunktion für die städtebauliche Aufwertung und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sein. Auf Grünflächen können die Menschen zusammenkommen, sich aufhalten, austauschen, bewegen und erholen - unabhängig von finanzieller Lage oder kulturellem Hintergrund. Insbesondere für Kinder ist die Möglichkeit des Naturerlebens vor der eigenen Haustür in psychosozialer und gesundheitlicher Hinsicht von enormer Bedeutung. Stadtnatur hat eine wichtige Funktion für ein gesundes und erfülltes Leben und kann besonders in sozial benachteiligten Stadtteilen ganz wesentlich zur Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation beitragen.

„Wir fordern die Abgeordneten von Bund und Ländern auf, sich in Zukunft verstärkt für mehr Umweltgerechtigkeit und einen gerechten Zugang zu Natur für jeden - unabhängig von sozialem, finanziellen oder ethnischen Status - ein­zu­setzen“, so Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer. „Dort, wo Grünflächen vorhanden sind, müssen diese erhalten werden, wo keine Grünflächen vorhanden sind, müssen neue geschaffen werden. Gebraucht wird Stadtnatur mit sozialer und gesundheitlicher Wohlfahrtswirkung und als Raum für Naturerleben. Um dies zu erreichen, müssen sowohl die Stadtplanung dementsprechend ausgerichtet als auch die Potenziale der Städtebauförderung für eine bessere Grünflächenversorgung verstärkt genutzt und das Weißbuch Stadtgrün konsequent umgesetzt werden.“

Damit bei der Gestaltung der Grünflächen Anwohnerinnen und Anwohner mitreden, -planen und -gestalten können, fordert die DUH von der Politik, Verfahrensgerechtigkeit zu sichern: „Beteiligung darf nicht heißen, dass sich die Menschen mit den größten Ressourcen an Zeit, Bildung, Geld und Einfluss durchsetzen. Partizipationsprozesse müssen gezielt die am stärksten betroffenen gesellschaftlichen Gruppen einbeziehen und gegebenenfalls aufsuchend gestaltet werden“, sagt Robert Spreter, Leiter Kommunaler Umweltschutz der DUH.

In der neu erschienenen DUH-Broschüre „Grün. Sozial. Wertvoll. Gemeinsam Natur in sozial benachteiligte Quartiere holen!“ werden gelungene Grünprojekte vorgestellt, die auf unterschiedliche Weise auf die individuelle Lebenssituation der Bewohnerschaft in sozial benachteiligten Stadtteilen eingehen. Die vielfältigen guten Praxisbeispiele in der Broschüre geben Impulse, auch in Zeiten des aktuellen Baubooms verstärkt Grün- und Freiflächen zu erhalten und sie mit und für die Menschen im Stadtteil zu gestalten. Bund und Länder sind aufgefordert, solche Projekte zu unterstützen und somit zu Lebensqualität und Gesundheitsschutz in sozial benachteiligten Quartieren beizutragen.

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