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DBU fördert „Carl“, ein Modellprojekt zur Etablierung des Hochhausbaus mit Holz

(29.1.2019) 14 Stockwerke hoch will die Baugenossenschaft Arlinger in Pforzheim das Hochhaus „Carl“ bauen - und das hauptsächlich mit Holz. „Läuft der Bau erfolgreich, kann er dank seines Modellcharakters ein Leuchtturm für die Holzbaubranche werden. Gleichzeitig wird mit Hilfe dieses regionalen, nachwachsenden und klimaschonenden Materials dringend benötigter Wohnraum geschaffen“, erwartet der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, anlässlich der Bewilligungsübergabe zum Projektstart. Die Stiftung fördert das von Peter W. Schmidt Architekten geplante Vorhaben mit 330.700 Euro. In dem insgesamt dreiteiligen Bau - neben dem Hochhaus entstehen zwei flache Gebäude - sollen Ende 2021 73 Wohnungen, eine Kindertagesstätte für rund 100 Kinder sowie eine Bäckerei mit Café Platz finden. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2020 geplant.

Foto © Peter W. Schmidt Architekten 

Konzepte bei Brandschutz und Statik bundesweit übertragbar

„Konventionelles Bauen mit Stein, Stahl und Beton benötigt sehr viele Ressourcen und Energie. Der Holzbau stellt dazu eine ökologische Alternative dar, die wirtschaftlich konkurrenzfähig werden soll“, erläutert Sabine Djahanschah, DBU-Fachreferentin für Architektur und Bauwesen. Doch bisher seien die Bauvorschriften noch so formuliert, dass Hochhäuser aus Holz in der Regel gar nicht oder nur mit vielen Ausnahmeregelungen genehmigt werden. Das mache diese Bauweise für Bauherren aufgrund zusätzlicher Kosten unattraktiv.

Arlinger-Vorstand Carsten von Zepelin lässt sich allerdings nicht beirren: „An dieser Stelle wollen wir mit Carl in eine neue Richtung weisen: Unsere Konzepte sollen später auch von anderen genutzt werden können und so den Holzbau insgesamt fördern.“ Bundesweit übertragbar sollen vor allem technische Lösungen hinsichtlich Brandschutz und Statik werden. Als Beispiel könne die Ausbildung eines Vorsprungs als Verlängerung der Geschossdecke genannt werden, einer sogenannten Krempe. Die soll das Überspringen eines Feuers an der Holzfassade von einem Stock zum anderen verhindern können und somit unter Einhalten aller Brandschutzvorschriften bodentiefe Holzfenster und eine Holzfassade ermöglichen.

Modulbauweise soll den Bau beschleunigen

„Fassade, Kern, Inneres: ‚So viel Holz wie möglich‘ ist bei diesem Bau die Devise. Doch da es sich um ein sogenanntes Holz-Hybrid-Hochhaus handelt, kommen auch Stahl und Beton zum Einsatz. So setzen wir beispielsweise bei dem Kern des Treppenhauses aus Brandschutzgründen Beton ein“, erklärt von Zepelin. Insgesamt jedoch deutlich weniger als in konventionellen Bauwerken, so dass einer der mittlerweile knappsten Rohstoffe der Welt eingespart werden könne: Sand - siehe auch Bauletter vom 5.1.2019: „Zuviel Handelskrieg und zu wenig Sand“.

Zudem sollen vorgefertigte Module einen schnelleren Bau ermöglichen. Die Verwendung von Holz als Baumaterial liege gerade in Lagen wie Pforzheim am Rande des Schwarzwaldes auf der Hand: In der Gegend sei viel regionales Holz vorhanden, welches bisher beim Hausbau selten verwendet werde.

v.l.: Peter W. Schmidt (Geschäftsführer der Peter W. Schmidt Architekten), Carsten von Zepelin (Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Arlinger), Gordian Kley (Geschäftsführer der Merz Kley Partner ZT), Alexander Bonde (DBU-Generalsekretär), Jürgen Kurz (Verbandsvorsitzender Regionalverband Nordschwarzwald und Mitglied im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Arlinger), Jochen Protzer (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald), Sibylle Schüssler (Bürgermeisterin für Planen, Bauen, Umwelt und Kultur der Stadt Pforzheim); Foto © Baugenossenschaft Arlinger eG 

Rund 2.000 t weniger Kohlenstoffdioxid-Emissionen

Von Zepelin erinnert: „Dabei sprechen die Vorteile für die nachwachsende Ressource direkt vor unserer Haustür: Holz ist stabil, hat bei wenig Eigengewicht eine hohe Tragkraft und steht Stahl damit in nichts nach.“ Auch seine Ökobilanz sei gut. Berechnungen würden ergeben, dass der geplante Neubau pro Lebenszyklus, also 50 Jahre, rund 2.000 t Kohlenstoffdioxid-Emissionen weniger verursache als ein konventionell errichtetes Gebäude. Zudem wachse Holz nach und sei vollständig recycelbar.

„Carl hat das Potenzial, ein starkes Signal für den Holzbau und zugleich das heimische Holz als Material ins ganze Land zu senden. Das macht den Bau zu einem geeigneten Leuchtturm, auch fernab der Küste“, resümiert DBU-Generalsekretär Bonde. Die DBU fördere konzeptionelle Mehraufwendungen im Rahmen des Projektes.

Der Name „Carl“ leitet sich von der Adresse Carl-Hölzle-Straße ab, die den Mitbegründer der Baugenossenschaft Carl Hölzle ehrt. Außerdem trage der Name die ersten drei Buchstaben von ARLinger, dem Namen des Stadtteils und der Baugenossenschaft in sich.

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