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Deutscher Ziegelpreis 2019: zwei Hauptpreise, sechs Sonderpreise und acht Anerkennungen

(5.2.2019) Am 1. Februar fand die Verleihung des Deutschen Ziegelpreises 2019 im Haus der Architektur in München statt. In Kooperation mit dem Bundesbauministerium sowie weiteren Partnern hatte das Ziegel Zentrum Süd (ZZS) bundesweit den Preis mit einer Preissumme von insgesamt 20.000 Euro ausgelobt. Eingereicht waren 120 Projekte.

Haupt- und Sonderpreisträger 

Die beiden, mit jeweils 4.000 Euro dotierten Hauptpreise gingen an ...

Sechs Sonderpreise wurden in den Kategorien „Nachwuchs“, „Kostengünstiger, energieeffizienter Geschosswohnungsbau“, „Bauen im Bestand“, „Soziales Engagement“, „Gelungene Konversion“ und „Bauen im historischen Kontext“ verliehen. Acht weitere Projekte in monolithischer und mehrschaliger Bauweise aus verschiedenen Gebäudekategorien erhielten Anerkennungen.

Hauptpreis: Stadtbibliothek, Rottenburg am Neckar

Joel Harris und Volker Kurrle nahmen als Hauptpreisträger die Keramikplakette, die Urkunde und das Preisgeld für die Stadtbibliothek in Rottenburg am Neckar entgegen - die bereits zu den Finalisten beim DAM Preis 2019 gehörte. Die Jury lobte die sensible Setzung des bemerkenswerten Neubaus als kommunikativen und kontemplativen Ort im Gefüge der Stadt (siehe auch Google-Maps):

Stadtbibliothek, Rottenburg am Neckar (Foto © Roland Halbe) 

Der Spagat zwischen dem imposanten, benachbarten Bischöflichen Palais und der Kleinteiligkeit der mittelalterlichen Häuser sei sehr selbstbewusst gelungen. Die gestalterische Souveränität des markanten Bibliotheksbaus und seine Bedeutung als lebendiger Treffpunkt überzeugten die Jury.

Hauptpreis: Philosophisches Seminar, Münster

Der spektakuläre, anspruchsvoll gestaltete Erweiterungsbau des Philosophischen Seminars der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster (siehe Google-Maps) von Peter Böhm Architekten aus Köln wurde von der sechsköpfigen Jury ebenfalls zum Hauptpreisgewinner gekürt.

Philosophisches Seminar, Münster (Foto © Lukas Roth) 

Das etwas despektierlich als „Regalwand“ bezeichnete Bauwerk bezieht das denkmalgeschützte Bestandsgebäude geschickt mit ein und bildet eine attraktive Fassade gegenüber dem historischen Fürstenberghaus, dessen rote Klinkerfassade der Neubau - teilweise durch helle Schlämme verdeckt - aufnimmt. Im lichten, 4-geschossigen Foyer mit seinen zwei Himmelsleitern prägen die Ziegelpfeiler der Bibliothek mit den auf Lücke gemauerten, ebenfalls geschlämmten Ansichten das Bild dieser Halle.

Die große Zahl an bemerkenswerten Einreichungen bewog die Jury zur Schaffung von sechs Sonderpreisen.

Sonderpreis: Elterlicher Alterssitz, Rott

Max Wasserkampf nahm den Sonderpreis „Nachwuchs“ für das junge Weimarer Architekturbüro Naumann Wasserkampf Architekten für den sorgfältig detaillierten Neubau des Wohnhauses seiner Eltern entgegen:

Erstling: Elterlicher Alterssitz, Rott (Foto © Max Wassermann) 

Das zweigeschossige, mit rot-changierendem Klinker verkleidete Haus hebt sich wohltuend von der heterogenen Nachbarbebauung ab. Es ist im Erdgeschoss räumlich weitestgehend offen, durch geringe Höhenunterschiede zoniert und mit maßgeschneiderten Einbaumöbeln ausgestattet.

Sonderpreis: Wohnen Vorwerkstraße 23/1, Neu-Ulm

Der Sonderpreis „Kostengünstiger, energieeffizienter Geschosswohnungsbau“ ging an Braunger Wörtz Architekten aus Ulm mit einem Gebäude für die Neu-Ulmer Wohnungsbaugesellschaft (NUWOG). Der Neubau von 31 öffentlich geförderten, barrierefreien Mietwohnungen in einem 6-geschossigen Baukörper ist als KfW-Effizienzhaus 70 konzipiert (siehe Google-Maps). Alle Wohnungen sind mit Loggien ausgestattet und mit Holzfenstern und -böden komplettiert:

Wohnen Vorwerkstraße 23/1, Neu-Ulm (Foto © Erich Spahn) 

Laut Jury gelang es den Architekten sehr gut, den kubischen, mit niedrigen Baukosten erstellten Baukörper in den leichten Hang neben den historischen Befestigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert einzufügen. Die unkomplizierte Ausführung mit monolithischen Ziegelaußenwänden, die mit einem Weißzement-Kratzputz, der keinen Anstrich benötigt, versehen sind, gewährleistet diesem Wohngebäude ein wartungsarmes, langes Leben.

Sonderpreis: Auferstehungskirche, Überlingen

Die Jury würdigte in diesem Jahr die besonders gelungene Erweiterung und Sanierung der Auferstehungskirche der Evangelischen Kirchengemeinde von Überlingen von Wandel Lorch Architekten mit dem Sonderpreis „Bauen im Bestand“. Im Innern umstrukturiert, behindertengerecht umgebaut und mit einem bemerkenswert hochwertigen Portal ausgestattet, erfuhr die bescheidene Kirche eine ungeheure Aufwertung (siehe Google-Maps).

Auferstehungskirche, Überlingen (Foto © Nils Kochem) 

Neben der geschickten funktionalen Neuordnung beeindruckte die Jury vor allem der raffinierte Südgiebel mit seiner kunstvoll ausgeführten Ornamentik aus weiß geschlämmtem, geschuppt wirkendem Klinker. Der weiße Kirchenraum wird durch die durchbrochene Hülle im Spitzbogenfenster in mystisches Licht getaucht und fügt sich harmonisch in das bemerkenswerte Gesamtkonzept.

Sonderpreis: Rising Star - Schule für Hopley, Harare/Simbabwe

Neben mehreren Projekten von Studierenden oder jungen Talenten zog diese Schule in Harare sofort alle Blicke auf sich. Einstimmig beschloss die Jury, einen Sonderpreis „Soziales Engagement“ für das kraftvolle Bauwerk mit den schattenspendenden Ziegelarkaden zu vergeben, das nicht nur den klassischen kybernetischen Prinzipien bestechend selbstverständlich folgt, sondern auch einen besonders ansprechenden Rahmen für das Lernen von kleinen Kindern bietet.

Rising Star - Schule für Hopley, Harare/Simbabwe (Foto © Kristina Egbers) 

Ein Schutzraum, Klima und Umwelt betreffend, materialsparend und dennoch anspruchsvoll entwickelt, haptisch und schön, eine wunderbare Lösung! Die Architektin Kristina Egbers nahm diesen besonderen Preis gemeinsam mit Blessing Katambarare, der als örtlicher Bauleiter und Bauherrenvertreter aus Harare gemeinsam mit einer ganzen Gruppe von „Ingenieure ohne Grenzen“ aus Berlin angereist war, freudestrahlend entgegen.

Sonderpreis: Rheinkai 500 - Wohn-/Geschäftshaus, Zollhafen Mainz

Lorenzen Mayer Architekten aus Berlin erhielten für das Wohn- und Geschäftshaus „Rheinkai 500“ im Zollhafen von Mainz den Sonderpreis „Gelungene Konversion“ (siehe Google-Maps). Die Neustrukturierung und Aufwertung von Industriebrachen und nicht mehr genutzten Hafenarealen stellte für die Jury ein eigens zu erwähnendes, wichtiges Thema dar.

Rheinkai 500 - Wohn-/Geschäftshaus, Zollhafen Mainz (Foto © Marcus Ebener) 

Der markante, mit dunklem Klinker verkleidete Neubau mit einer Mischnutzung aus 28 Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie, ist direkt am Rhein mit einer flutbaren Garage im Erdgeschoss erbaut. Einerseits muss auf Hochwasser Rücksicht genommen werden, andererseits sollen neue Bauten die Attraktivität des Quartiers steigern. Dieser Spagat ist mit diesem urbanen Gebäude souverän gelöst und schafft neue Akzente.

Haus am Buddenturm, Münster


Foto © HehnPohl Architektur
  

Mit dem Sonderpreis „Bauen im historischen Kontext“ geht ein weiterer Preis nach Münster, hier für das Haus am Buddenturm von HehnPohl Architektur aus München. Ein prägnantes, modernes Wohnhaus zwischen Fachwerkhäusern unterschiedlichen Alters einzufügen, erfordert Fingerspitzengefühl und Mut.

Der strenge, straßenseitige Giebel mit seiner rotbraunen Klinkerhülle fügt sich in Maßstab und Form ein, fällt jedoch durch skulpturale Akzente bei der Behandlung der Gebäudeöffnungen und durch die interessanten Versprünge in der Fassade auf. Das komplexe Innenleben des Wohnhauses entwickelt sich von einem Multifunktionsraum im EG über vier Geschosse hin zum Licht von oben im Dachraum.

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