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Deutscher Ziegelpreis 2017: 2 Hauptpreise, 5 Sonderpreise und 12 Anerkennungen

(13.2.2017) Am 3. Februar fand die Verleihung des Deutschen Ziegelpreises im Technischen Rathaus in München statt. In Kooperation mit dem Bundesbauministerium sowie weiteren Partnern hatte das Ziegel Zentrum Süd (ZZS) bundesweit den Deutschen Ziegelpreis 2017 mit einer Preissumme von insgesamt 20.000 Euro ausgelobt.

Deutscher Ziegelpreis 2017
Die Keramikplaketten wurden von Edigna Aubele, D.signstudio, gestaltet und von Klaus Hufnagel, Dipl.-Ing. und Keramikmeister, in Handarbeit hergestellt. Sie wurden erstmals allen Preisträgern überreicht und können an den prämierten Bauten angebracht werden.

Die beiden Hauptpreise, jeweils mit 5.000 Euro dotiert, gingen an ...

  • Bruno Fioretti Marquez Architekten aus Berlin für das beispielhafte Wohnungsbauprojekt Schillerpark in Berlin und an
  • die Stuttgarter Architekten Reichel Schlaier für das Besucherzentrum Kärcher in Winnenden.

Fünf Sonderpreise wurden für die Kategorien Nachwuchs, Einfaches Bauen, Kostengünstiger, energieeffizienter Geschosswohnungsbau, Detail und Bauen im Bestand verliehen. Zwölf Anerkennungen erhielten herausragende Projekte in monolithischer und mehrschaliger Bauweise aus verschiedenen Gebäudekategorien.


Die Haupt- und Sonderpreisträger: Reihe vorne, v.l.n.r.: Stephan Walter (F64 Architekten, Kempten), Fabian Panzer (Schoener + Panzer Architekten, Leipzig), Sandra Kellert (Reichel Schlaier Architekten, Stuttgart), Clemens und dahinter Jürgen Habermann (Habermann Architekten, Finsterwalde) und Prof. Piero Bruno (Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin).
Reihe hinten, v.l.n.r.: Michael Schoener (Schoener + Panzer Architekten, Leipzig), Martin Kopp (F64 Architekten, Kempten), Elke Reichel und Peter Schlaier (Reichel Schlaier Architekten, Stuttgart), Georg Schönborn (Max Dudler, Berlin), Florian Nagler und Ludwig Zitzelsberger (Florian Nagler Architekten, München); Foto © Ziegel Zentrum Süd / G. Kürzinger

Wohnungsbau am Schillerpark, Berlin

Die Jury - unter Vorsitz von Professor Dr. Thomas Jocher - lobte die hohe Funktionalität des Wohnungsbauprojekts der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft, die gestalterische Souveränität und den sensiblen Umgang mit den heute wesentlichen Bedürfnissen der Bewohnerschaft. Die ehrgeizigen Vorgaben der Auftraggeber, der Bebauung der benachbarten „Englischen Siedlung“ von Bruno Taut und Franz Hoffmann auf Augenhöhe und mit einem „zeitgemäßen und beispielhaften Konzept“ begegnen zu wollen, wurden hier überzeugend erfüllt.


Foto © Christoph Rokitta, Berlin

Die Jury beglückwünschte Bruno Fioretti Marquez Architekten zur hohen Qualität dieses Planungskonzepts, das den gekonnten, kreativen Umgang mit monolithischen Außenwandkonstruktionen aus hochwärmedämmenden Ziegeln bei diesem bemerkenswerten Wohnungsbauprojekt mit vier Geschossen unter Beweis stellt.

Besucherzentrum der Firma Kärcher, Winnenden

Das überaus anspruchsvoll gestaltete Bauensemble des neuen Besucher- und Kundenzentrums für die Firma Alfred Kärcher in Winnenden von Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart wurde von der sechsköpfigen Jury des Deutschen Ziegelpreises 2017 zum Hauptpreisgewinner für herausragende Architektur mit mehrschaligen Ziegelaußenwandkonstruktionen gekürt. 

Besucherzentrum der Firma Kärcher, Winnenden
Foto © Brigida González, Stuttgart

Das Herzstück der geschickt platzierten Gebäudegruppe aus Besucherzentrum, Bürogebäude und Auditorium schafft über das Material der rotbunten, beige geschlämmten Handschlagziegel und den weithin sichtbaren historischen Kamin den Bezug zur ehemaligen Ziegelei. Zugleich stieß die Neuordnung dieses Stadtrandgebietes dort nicht nur eine positive Entwicklung an, sondern vermittelt darüber hinaus eine überaus heitere, lebendige Atmosphäre.

Sonderpreise „Nachwuchs“: Wohnhaus Reinbek


Foto © Schoener und Panzer (Bild vergrößern)
  

Die jungen Leipziger Architekten, Michael Schoener und Fabian Panzer, erhielten den Sonderpreis Nachwuchs für die geschickte Erweiterung und Sanierung des Hauses Reinbek, bei dem ein sehr interessanter gestalterischer Ansatz gewählt wurde. Das zur Straßenseite nahezu unveränderte Einfamilienhaus wurde zur Gartenseite hin deutlich ablesbar erweitert.

Das zusätzliche Volumen unterscheidet sich durch die geschlämmten Außenwände aus großformatigen Ziegeln, die großzügige Öffnung zum Garten und durch sein flacheres Dach vom Bestandsbau. Die einfachen Mittel und sehr niedrigen Baukosten dieses modernen Bedürfnissen angepassten, thermisch aufgewerteten Altbaus wurden zudem besonders lobend erwähnt.


Sonderpreis „Einfaches Bauen“: Atelier Werkstatt Lager, Gleißenberg

Das simple, sehr zurückhaltend gestaltete Atelier- und Werkstattgebäude des Künstlers Peter Lang in Gleißenberg veranlasste die Jury dazu, einen Sonderpreis „Einfaches Bauen“ zu kreieren. In einen dörflichen Kontext eingefügt zeigt sich das unterteilbare Gebäude mit seinen drei Satteldächern und den grob verputzten Ziegelfassaden mit sorgfältig gesetzten Öffnungen fast karg, jedoch bietet es eine keineswegs spartanische Raumästhetik.

Sonderpreis „Einfaches Bauen“: Atelier Werkstatt Lager, Gleißenberg
Foto © Florian Nagler

Wohl durchdacht, mit hervorragendem Raumklima ausgestattet, garantiert dieses einfache und doch repräsentative Gebäude ungestörten Kunstgenuss und eine hervorragende Arbeitsumgebung.

Sonderpreis „Kostengünstiger, energieeffizienter Geschosswohnungsbau“: Genossenschaftliches Wohnen, Kempten

Der Sonderpreis „Kostengünstiger, energieeffizienter Geschoßwohnungsbau“ ging an das Architekturbüro F64, das sich in Kempten und Umgebung durch anspruchsvolle Wohnbauten bereits einen Namen gemacht hat. Der Neubau von 25 öffentlich geförderten Mietwohnungen in zwei um ein kommunikatives Zentrum angelegten Baukörpern für die Bau- und Siedlungsgenossenschaft BSG Allgäu wirkt der Vermutung von „billigem Bauen“ erfolgreich entgegen.

Sonderpreis „Kostengünstiger, energieeffizienter Geschosswohnungsbau“: Genossenschaftliches Wohnen, Kempten
Foto © Rainer Retzlaff, Waltenhofen

Solide und in der Gestaltung traditionell anmutend, gelang es den Architekten sehr gut, die kubischen Bauten in das stark abfallende Gelände einzufügen. Die unkomplizierte Ausführung mit monolithischen Ziegelaußenwänden, gegliedert durch gut gewählte, mit Faschen betonte Fensterformate und sorgfältig gesetzte, großzügige Einschnitte, gewährleistet diesen Wohnbauten ein wartungsarmes, langes Leben.

Sonderpreis „Detail“: Empfangsgebäude Drägerwerke, Lübeck

Das herausragende Empfangsgebäude der Drägerwerke in Lübeck vom Architekten Max Dudler aus Berlin wurde von der Jury einstimmig aufgrund seiner anspruchsvollen Gestaltung für den Sonderpreis Detail auserkoren. Das sehr gelungene, mit Wasserstrichziegeln verkleidete Gebäudeensemble mit seinen kräftigen Klinkerpfeilern zeigt sich als modernes Exponat in der Tradition der expressionistischen Backsteinarchitektur Norddeutschlands.

Sonderpreis „Detail“: Empfangsgebäude Drägerwerke, Lübeck
Foto © Stefan Müller, Berlin

Die in den beiden obersten Stockwerken mitsamt der Verglasung komplex gefaltete Fassade bekrönt den geschickt überhöhten achtgeschossigen Eckpunkt dieses eindrucksvollen Verwaltungsgebäudes.

Sonderpreis „Bauen im Bestand“: Evangelisches Gemeindehaus, Finsterwalde


Bild vergrößern

Foto © Tobias Adam  

Von Habermann Architekten stammt die Planung für den Neubau des Gemeindehauses der Evangelischen Kirchengemeinde in Finsterwalde. Der Erweiterungsbau wurde zum attraktiven Zentrum der Gemeinde und fügt sich behutsam zwischen dem bestehenden Pfarrhaus und einem der ältesten Häuser in Finsterwalde ein.

Präzise detailliert, mit klarer Formensprache und gut proportionierter Backsteinfassade setzt dieses vorbildliche Gebäude im Ensemble der Bestandsgebäude einen freundlichen, zeitlosen Akzent. Auch im Innenraum überzeugt die hohe Qualität der Ausgestaltung.

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