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Vier Finalisten beim zehnten Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur

(4.9.2022) Vier Gebäude haben es im Jubiläumsjahr des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur in die Endauswahl geschafft: Das Rathaus Korbach, der Erweiterungsbau des Landratsamtes in Starnberg, das Hotel Wilmina in Berlin und die IGS Integrierte Gesamtschule in Rinteln. Gemeinsam ist allen Projekten ein gelungener Umgang mit dem Thema „Bestand“.

Foto © DGNB 

Zum zehnten Mal wird der renommierte Architekturpreis für nachhaltige Bauprojekte von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in Kooperation mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. vergeben. Im Rahmen des 15. Deutschen Nachhaltigkeitstages am 1. und 2. Dezember 2022 in Düsseldorf soll die Preisverleihung stattfinden.

„Wir freuen uns, dass bei den diesjährigen Bewerbungen eine große Anzahl an Projekten mit dabei war, die in vielfältiger Form das Potenzial für Klimaschutz und Ressourcenschonung in unserem Gebäudebestand ausschöpfen“, resümiert Prof. Amandus Samsøe Sattler, DGNB Präsident und Juryvorsitzender des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur. „Die Finalisten zeigen auf besonders gelungene Art und Weise, wie wir Architekturgeschichte über Jahrzehnte fortschreiben können, adressieren Themen wie Urban Mining, also die Nutzung der wertvollen Rohstoffe im Gebäudebestand, und erschaffen neue Welten in baulichem Erbe. Sie sind damit große Vorbilder für die so dringende Bauwende, die wir nur aus dem Bestand heraus schaffen.“

Pionier des Urban Mining: Rathaus Korbach

Das neue Rathaus in der Kreis- und Hansestadt Korbach ist eine Kombination aus der Sanierung des mittelalterlichen Gebäudes und einem Neubau, der anstelle eines Erweiterungsbaus aus den 1970er Jahren trat (siehe Google-Maps). Letzterer wurde sorgfältig zurückgebaut, so dass ein Großteil der Ressourcen wieder Verwendung im Neubau fand.

Foto © Caspar Sessler 

Zugleich erzeugten die Architekten ein identitätsstiftendes Gesamtbild durch das Fortschreiben der vorhandenen Dachlandschaften und einer Formensprache, die sich zurückhaltend in das Bild der Innenstadt einfügt. Die Jury würdigt das Projekt als Pionier des Urban-Mining-Prinzips bei gleichzeitig hohem Anspruch an die Baukultur.

Bestand gelungen weitergedacht: Erweiterungsbau Landratsamt Starnberg

Der Erweiterungsbau des Landratsamtes Starnberg ist ein zweigeschossiges Hybridgebäude aus Holz, Stahl und Beton in modularer Bauweise (siehe Google-Maps). Obwohl über drei Jahrzehnte zwischen Bestand und Neubau liegen, fügt er sich gestalterisch nahtlos in das bereits 1987 fertiggestellte Landratsamt ein, das wie selbstverständlich in die bayrische Seenlandschaft eingebettet ist.

Foto © Aldo Amoretti 

Zugleich wurden die Materialien und energetischen Standards auf heute vorherrschende Ansprüche angepasst. Honoriert wurde das Projekt für den behutsamen Umgang mit dem Bestand sowie dessen gelungenem Weiterdenken in Form, Materialität und Konzeption.

Umnutzung der besonderen Art: Hotel Wilmina, Berlin

Beim Hotel Wilmina in Berlin handelt es sich um eine Konversion einer denkmalgeschützten Baustruktur - einem ehemaligen Gerichtsgebäude und Frauengefängnis (siehe Google-Maps). Bei maximalem Erhalt des Bestands, zeigt der Umbau wie ein beklemmender Ort der Justiz für eine unbelastete Nachnutzung umgestaltet werden kann.

Foto © Wilmina / Robert Rieger 

Hervorzuheben ist auch die intensive Begrünung im Innenhof für ein angenehmes Mikroklima und zur Stärkung der Biodiversität. Die Jury lobt das Projekt als hervorragendes Beispiel für die Nachverdichtung im Gebäudebestand bei gleichzeitig verantwortungsvollem Umgang mit einem schwierigen Erbe.

Nachhaltiger Ort des Lernens: IGS Integrierte Gesamtschule, Rinteln

Die IGS Integrierte Gesamtschule Rinteln im Landkreis Schaumburg ist ein zweigeschossiger Neubau in Holz-Beton-Hybridbauweise, der einen bestehenden Schulcampus vervollständigt (siehe Google-Maps). Das ehemalige Schulgebäude wird dabei nicht abgerissen, sondern für die Gemeinde weiter genutzt.

Foto © Marcus Ebener 

Raumprägendes Gestaltungselement des Neubaus ist der nachwachsende Rohstoff Holz. Dieser stammt zu großen Teilen aus regionaler Forstwirtschaft und wird in Bauteilen so eingesetzt, dass er für zukünftige Veränderungen leicht demontierbar ist. Die Jury betont die pädagogische Wirkung der klimaschonenden Schularchitektur, die für Lernende und Lehrende sicht- und erlebbar wird.

Fachjury bestimmt auch Siegerprojekt

Ermittelt wurden die Finalisten von einer Fachjury mit Expertinnen und Experten aus Architektur, Bauen und Gesellschaft. Dieses von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis und der DGNB ernannte Preisgremium wählt auch das Siegerprojekt aus, das bei der Preisverleihung im Rahmen des 15. Deutschen Nachhaltigkeitstages am 1. und 2. Dezember 2022 in Düsseldorf bekanntgegeben wird.

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