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ZDB: Wohnungsbau und öffentlicher Bau weiter rückläufig, lediglich im Wirtschaftsbau geringfügige Besserung in Sicht

(27.2.2002) "Auch in diesem Jahr werden wir uns auf eine nochmals rückläufige Bautätigkeit einstellen müssen, wenn auch mit deutlich langsameren Tempo. Der Wohnungsbau wird mit -3% wieder am ungünstigsten abschneiden. Einzig im Wirtschaftsbau könnte aufgrund günstiger Anzeichen im Westen ein leichter Zuwachs von einem halben Prozent erreichbar sein. Die Entwicklung im öffentlichen Bau betrachten wir zurückhaltend. Die zu befürchtende Haushaltskonsolidierung zu Lasten der Investitionen und die drastischen Einbußen bei den Gewerbesteuereinnahmen im kommunalen Bereich werden die öffentlichen Investitionen bremsen. Im öffentlichen Bau scheint ein Schrumpfen der Bauinvestitionen um 2% nicht zu vermeiden sein. Insgesamt gehen wir daher von einer nochmaligen Verringerung der Bauinvestitionen um 2% aus. Daraus werden auch in diesem Jahr wieder Rückgänge beim Umsatz und der Beschäftigung im Bauhauptgewerbe resultieren.

Wir rechnen mit Umsatzeinbußen von etwa 2,3 Mrd. Euro, das wäre ein Minus von 2,5%. Die Beschäftigtenzahl des Bauhauptgewerbes geht aller Voraussicht nach noch einmal um etwa 40.000 bis 50.000 Personen zurück."

So beschrieb der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Arndt Frauenrath, am Mittwoch in Berlin die weitere Einschätzung der Baukonjunktur in diesem Jahr.

Frauenrath appellierte an die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen ihrer Verantwortung für Erhalt und Ausbau der Infrastruktur gerecht zu werden. "Man muss sich bewusst sein, dass gestern und heute unterlassene Baumaßnahmen das infrastrukturelle Niveau von morgen belasten. Ein wirtschaftlicher Aufschwung ohne die Bereitstellung einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur ist dauerhaft nicht machbar."

Die Zielsetzung, die öffentlichen Haushalte zu konsolidieren, sei grundsätzlich richtig. Dies dürfe aber nicht über ein Absenken der Investitionshaushalte geschehen, sondern die konsumtiven Ausgaben müssten drastisch zurückgefahren werden, wenn auch hier der zu erwartende Widerstand betroffener Gruppen deutlich höher sei.

Die Bauwirtschaft war im vergangen Jahr von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Die Bauinvestitionen gingen insgesamt um 5,7% zurück:

  • Rund 71% dieses Rückgangs in Höhe von 13,8 Mrd. Euro wurden durch die negative Entwicklung im Wohnungsbau verursacht, wo das Minus 7% betrug.
  • Die gewerblichen Bauinvestitionen nahmen um 2,5 Mrd. Euro bzw. um 3,6% ab.
  • Die öffentlichen Bauinvestitionen lagen um 1,5 Mrd. Euro, das sind 4,8%, unter dem Wert des Vorjahres.

Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation am Bau: So wurde in keinem Monat des Jahres 2001 auch nur annähernd die Beschäftigung von 1 Mio. Personen erreicht. Im Jahresdurchschnitt waren 954.398 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe tätig. Dies bedeutet eine Abnahme um 95.235 Personen ( =9,1%) gegenüber 2000. In den westdeutschen Betrieben des Bauhauptgewerbes waren im Jahresdurchschnitt 694.267 und in den Betrieben des ostdeutschen Bauhauptgewerbes 260.130 Personen beschäftigt. Dies entspricht einem Rückgang von 7% im Westen und 14,1% im Osten.

Frauenrath führte weiter aus, dass der Wettbewerbsdruck am Bau weiterhin enorm hoch sei. Nach wie vor sei der Preis für Bauherren das entscheidende Kriterium für die Auftragsvergabe. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wirtschaftlich nicht nachvollziehbare Dumpingangebote den Zuschlag erhalten. Bezogen auf das Basisjahr 1995 hat sich das Preisniveau im Wohnungsbau für die Rohbauarbeiten um 5,8% verringert. Demgegenüber ist bei den Ausbauarbeiten ein leichter Anstieg um 2,8% eingetreten. Im Straßenbau liegen die Preise um 1,4%, unter dem Niveau der Preise von Anfang 1995.

Frauenrath wörtlich: "Ich kann daher meine Unternehmerkollegen nur immer wieder auffordern diesen Unsinn zu lassen und keine Angebote mehr abzugeben, die nicht auskömmlich kalkuliert sind. Dieser Weg ist ein Irrweg, der am Ende zur Insolvenz führt. Auskömmliche Preise sind nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für den Staat von besonderem Gewicht. Der Erhalt von Arbeitsplätzen, die Abführung von Versicherungsbeiträgen und Steuern wird nur dann möglich sein, wenn das Kosten-Preis-Niveau stimmt."

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