TÜV-Baurechtsreport: Mehr Mängel bei sicherheitsrelevanter Gebäudetechnik
(03.06.2026) Der TÜV-Verband verzeichnet im aktuellen Baurechtsreport 2026 eine deutliche Verschlechterung der technischen Gebäudesicherheit in Deutschland. Bei den wiederkehrend geprüften sicherheits- und brandschutzrelevanten Anlagen wiesen 35,9 % wesentliche Mängel auf. Das sind rund 9 % mehr als im Vorjahr. Nur noch 26,9 % der Anlagen blieben ohne Beanstandung.
Besonders hohe Mängelquoten zeigen sich bei Lüftungsanlagen, Feuerlöschanlagen sowie Sicherheitsstrom- und Sicherheitsbeleuchtungsanlagen. „Die Ergebnisse des aktuellen Baurechtsreports zeigen eine systemische Verschlechterung der technischen Gebäudesicherheit und des Brandschutzes”, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. „Gerade in Sonderbauten wie Krankenhäusern, Schulen, Hochhäusern oder Veranstaltungsstätten müssen sicherheitsrelevante Anlagen im Ernstfall zuverlässig funktionieren. Wenn Mängelquoten in nahezu allen Anlagentypen steigen, ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal.”
Bei Lüftungsanlagen stellten Sachverständige bei 44,2 % der Prüfungen wesentliche Mängel fest – der höchste Wert aller untersuchten Anlagentypen. Auch Feuerlöschanlagen erreichten mit 40,6 % einen deutlich höheren Mängelanteil als im Vorjahr. „Die hohen Mängelquoten zeigen, dass Defizite bei der Wartung, Instandhaltung und Abstimmung sicherheitsrelevanter Anlagen erhebliche Auswirkungen haben können. Gerade zentrale Brandschutzsysteme müssen im Ernstfall zuverlässig funktionieren. Fallen Lüftungs- oder Feuerlöschanlagen aus, kann sich ein Brand schneller ausbreiten und Flucht- und Rettungswege beeinträchtigen”, so Joachim Bühler.
Verschlechtert hat sich auch der Zustand von Sicherheitsstromversorgungs- und Sicherheitsbeleuchtungsanlagen. Bei Sicherheitsstromsystemen lag der Anteil wesentlicher Mängel bei 35,2 %, bei Sicherheitsbeleuchtungen bei 35,0 %. Gleichzeitig sank der Anteil mängelfreier Anlagen in beiden Bereichen deutlich. „Wie wichtig eine verlässliche Notstromversorgung für Kliniken, Pflegeheime, Schulen, Notunterkünfte oder Einkaufszentren ist, hat der Stromausfall in Berlin gezeigt”, sagt Bühler. „Hier sind die Betreiber gefordert, in die Wartung und Pflege der Anlagen zu investieren.”
Bei Erstprüfungen vor der Inbetriebnahme stieg der Anteil wesentlicher Mängel deutlich an, von 19,7 % im Jahr 2024 auf 26,3 % im Jahr 2025. „Der deutliche Anstieg wesentlicher Mängel bei erstmaligen Prüfungen zeigt, dass viele Probleme schon in der Planungs- und Errichtungsphase entstehen”, sagt Bühler. „Sicherheitsrelevante Anlagen müssen deshalb über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg stärker in den Fokus rücken, von der Planung über die Inbetriebnahme bis zum laufenden Betrieb. Nur so lassen sich Gebäude langfristig sicher und resilient betreiben. Besonders in Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur ist eine funktionierende Gebäudetechnik im Ernstfall entscheidend.”
Als Ursachen nennt der TÜV-Verband die zunehmende technische Komplexität moderner Gebäude, Kostendruck bei Wartung und Instandhaltung sowie den steigenden Bedarf an spezialisiertem Fachwissen. Aus den Ergebnissen leitet der Verband drei zentrale Empfehlungen ab: einheitliche Standards für Prüfung und Wartung, eine konsequente Beseitigung festgestellter Mängel sowie eine stärkere Ausrichtung der Gebäudetechnik auf Krisenfestigkeit und Resilienz.
Der vollständige TÜV-Baurechtsreport 2026 steht zum kostenlosen PDF-Download unter tuev-verband.de oder hier zum PDF-Direktdownload bereit.
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