Gesundheit am Arbeitsplatz: Fraunhofer IBP entwickelt Messsystem für Raumqualität in der Industrie
(28.04.2026) Die Arbeitsbedingungen in Produktionsumgebungen stehen zunehmend im Fokus der Forschung. Im Rahmen der Initiative Optima Pro untersuchen Forschende des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP an den Standorten Stuttgart und Valley bei München, wie sich Raumqualität und subjektives Wohlbefinden von Beschäftigten systematisch erfassen und verbessern lassen.
Ziel ist ein integrierter Ansatz, der objektive Messwerte, etwa zu Temperatur, Luftqualität, Beleuchtung und Akustik, mit individuellen Rückmeldungen der Mitarbeitenden verknüpft. Diese geben unter anderem Auskunft darüber, wie sie Wärme, Licht oder Geräuschbelastung wahrnehmen. Aus der Kombination entsteht ein umfassendes Bild der Arbeitsumgebung
Ganzheitliche Bewertung von Produktionsarbeitsplätzen
Anders als im Büro sind die Bedingungen in der Industrie von stark schwankenden Einflüssen geprägt. Maschinenbetrieb, offene Tore, thermische Lasten oder Emissionen führen zu komplexen und dynamischen Situationen. Sabine Giglmeier, Leiterin des Innovationsmanagements am Fraunhofer IBP, beschreibt dies so: „Die Umgebungsbedingungen in einer Fabrikhalle sind sehr wechselhaft. Da werden Maschinen ein- oder ausgeschaltet, Tore öffnen sich für eine Lieferung und lassen kalte Luft rein oder Öfen fahren hoch, neben denen es sehr heiß werden kann.”
Dr. Maria Zaglauer, Projektleiterin von Optima Pro, erläutert den methodischen Ansatz: „Um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in dieser herausfordernden Umgebung langfristig zu schützen, reichen die vorhandenen Messkonzepte nicht aus. Deshalb entwickeln wir einen Ansatz, der ein differenziertes Messinstrumentarium mit der individuellen Befragung der Menschen kombiniert. Das ermöglicht eine ganzheitliche Bewertung der Arbeitsumgebung.”
Multimodales Messsystem mit rund 30 Sensoren
Kern der Entwicklung ist das weiterentwickelte Messsystem DressMAN360°. Es basiert auf einem Anzug oder einer Messpuppe, die mit etwa 30 Sensoren ausgestattet ist. Diese erfassen physikalische Parameter direkt am Arbeitsplatz. Ergänzt wird das System in der neuen Version durch Mikrofone und Kameras.
Die Messungen werden mit einem Feedbacksystem kombiniert, über das Beschäftigte ihr subjektives Empfinden in Echtzeit rückmelden. Zaglauer erklärt: „So entsteht ein multimodales Messsystem, das alle relevanten Umgebungsdaten registriert. Ergänzt werden die Messdaten durch Befragungsdaten aus dem Nutzer-Feedbacksystem. Das ermöglicht die multimodale simultane Messung und Befragung in Echtzeit am Arbeitsplatz.” Zusätzlich sind Partikel- und Schadstoffmessungen vorgesehen, um auch Luftbelastungen in Produktionsumgebungen systematisch zu erfassen.
Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Wahrnehmung
Ein zentrales Ergebnis des Ansatzes ist die Sichtbarmachung komplexer Wechselwirkungen zwischen physikalischen Bedingungen und subjektiver Wahrnehmung. Zaglauer nennt ein Beispiel: „Das ständige Rauschen von Haustechnikanlagen wie etwa einer Lüftungsanlage gilt als lästig. Stellt man jedoch die Anlagen ab, dann werden plötzlich andere Geräusche hörbar, die dann möglicherweise viel stärker stören als das gleichmäßige Rauschen der Lüftung.” Auch visuelle und thermische Effekte können sich überlagern, etwa wenn Lichtfarben das Temperaturempfinden beeinflussen. Michael Visser, verantwortlich für die technische Entwicklung, betont die Perspektive: „Die technologische Weiterentwicklung sowie das bessere wissenschaftliche Verständnis ermöglichen die Entwicklung verbesserter Vorhersagemodelle für die Komfortsituation in Innenräumen, wie beispielsweise am Arbeitsplatz.”
Anwendung in Planung und Bestand
Die entwickelte Methodik richtet sich an Industrieunternehmen, die Produktionsumgebungen planen, modernisieren oder im Betrieb optimieren wollen. Sie kann sowohl in Neubauten als auch bei der Bewertung bestehender Arbeitsplätze eingesetzt werden.
Neben der Verbesserung von Komfort und Motivation werden auch Effekte auf Gesundheit und Fehlzeiten adressiert. Giglmeier ordnet dies ein: „Eine hohe Raumqualität, egal ob in der Produktion oder im Büro, reduziert die Belastung der Mitarbeitenden, senkt letztlich auch die Zahl der Krankschreibungen. Das kann helfen, physisch anstrengende Jobs in der Industrie für Fachkräfte wieder attraktiver zu machen.”
Weitere Informationen können per E-Mail an Fraunhofer IBP angefordert werden.
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siehe zudem:
- Lüftungstechnik im Raumlufttechnik-Magazin bei BAULINKS.de
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