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KfW-Konjunkturkompass: Eurozone mit Gegenwind


  

(9.12.2018) Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone hat im Sommer enttäuscht. Mit einem Plus von lediglich 0,2% gehört das dritte Quartal zu einem der schwächsten seit 2013, seit dem Beginn der Erholung. Wie bereits in den Vorquartalen wurde die wirtschaftliche Entwicklung durch einen temporären Sondereffekt maßgeblich belastet: Nach Witterung, Grippewelle und Streiks im ersten Halbjahr waren es nun Probleme der Autoindustrie beim Umstieg auf das neue Zulassungs- und Abgastestverfahren WLTP zum 1. September, die europaweit konjunkturelle Bremsspuren hinterließen. So rollten in den Autofabriken der Eurozone knapp 6% weniger Fahrzeuge von den Bändern als in den drei Monaten zuvor. Bis zum Frühjahr 2019 dürfte sich die Automobilproduktion wieder erholen - erwartet man bei der KfW. Vor diesem Hintergrund revidierte KfW Research die Konjunkturprognose für die Eurozone leicht auf 1,9% für 2018 und auf 1,6% für 2019 nach unten (Vorprognosen: 2,0% bzw. 1,7 %).

„Die europäische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in der Expansion. Die Zeichen stehen zwar auf Abkühlung der Konjunktur. Ich bleibe dennoch optimistisch, dass wir bei deutlich positiven Wachstumsraten bleiben. Die stabile Binnennachfrage muss - und kann - das Wachstum tragen“, konstatiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Die fundamentalen Rahmenbedingungen für eine solide Expansion des privaten Konsums in der Eurozone seinen weiter intakt:

  • Die Arbeitslosenquote markiert ein Zehnjahrestief,
  • die Reallöhne wachsen ordentlich und
  • kurzfristig dürfte es außerdem einen Schub durch sinkende Energiepreise geben.

Die hohe Kapazitätsauslastung zeigt überdies, dass es anhaltenden Bedarf für Investitionen gibt. Und trotz der langsamen Rückführung der geldpolitischen Unterstützung dürften die Finanzierungskonditionen für die Unternehmen günstig bleiben. Hinzu kommt, dass die Fiskalpolitik 2019 der Konjunktur mit einem Impuls von knapp 0,5% des Bruttoinlandsprodukts Rückhalt verleihen wird.

Die Liste der Risiken für die Konjunktur bleibt gleichwohl lang, und die drei wichtigsten Abwärtsrisiken für die europäische Wirtschaft sind unverändert:

  • Eine Eskalation der Handelskonflikte ist jederzeit denkbar.
  • Bis zur alles andere als sicheren Zustimmung des britischen Parlaments zur Austrittsvereinbarung kann ein ungeordneter Brexit nicht ausgeschlossen werden.
  • In Italien droht, ausgelöst von der geplanten fiskalpolitischen Lockerung der neuen Regierung, die Gefahr einer Abwärtsspirale aus steigenden Risikoprämien, wankenden Banken und sinkendem Wachstum.

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